Kärnten

Hausarrest: Angst vor Kannibalen im Hühnerstall

Freilandhühner können im Hausarrest zu Mördern werden, wenn sie zu wenig beschäftigt sind. Es gibt jedoch Abhilfe. Tierärzte verteidigen die Stallpflicht.

Martin Gfrerer sammelt die Eier händisch ein. Seinen Legehennen darf er nun keinen Auslauf mehr geben
Martin Gfrerer sammelt die Eier händisch ein. Seinen Legehennen darf er nun keinen Auslauf mehr geben © KLZ/Weichselbraun
 

So stellt man sich glückliche Hühner vor: Sie haben viel Auslauf auf sattgrünen Wiesen, wo sie nach Lust und Laune picken können und kleine bunte Holzhäuschen zum Schlafen, Fressen und Eierlegen. Sie produzieren die gefragten „Landskroner Wieseneier“. Die gibt es jetzt für drei Monate nur mehr dem Namen nach. Seit vorgestern haben die 5000 Hühner aufgrund der Vogelgrippegefahr Hausarrest. „Derzeit ist das noch kein Problem, weil die Hühner in der Kälte gern drinnen sind“, meint Wiesenei-Produzent Martin Gfrerer, der auf Kleingruppenhaltung schwört. Seine Hühner sind abgehärtet und gesund.

Ob das so bleiben wird, weiß er nicht. „Hühner müssen scharren und brauchen auch das Eiweiß der Tiere, die sie aufpicken.“ Zu den etwa 200.000 vom Hausarrest betroffenen Legehennen gehören auch die 1000 Hennen des Biohofes Schnögl aus Pubersdorf, wo 2006 der „Kannibalismus“ der Hühner den Bestand ruinierte. Schon gestern beklagte man den Verlust von 150 Eiern. „Die Hennen graben das Nest aus und fressen die Eier. Bald werden sie sich gegenseitig auffressen“, fürchtet Alexandra Schnögl eine Wiederholung der Vogelgrippe-Katastrophe von 2006. „Damals haben wir fast täglich tote Knochengerüste aus dem Stall geholt.“

Die Hühner seien es nicht gewohnt, drinnen zu bleiben. „Die Starken greifen die Schwachen an. Sobald sie Blut sehen, steigert sich die Angriffslust.“

Zahlen und Fakten

200.000 Legehennen in 45 Freiland- und 44 Biobetrieben sind in Kärnten von Stallpflicht betroffen (insges. 460.000 Legehennen, 133 Betriebe). Bodenhaltung findet immer im Stall statt.

530.000 Masthühner auf 50 Biobetrieben müssen in den Stall (von 2,3 Millionen, 125 Betriebe).

Keine Übertragung auf den Menschen. Tote Wildvögel nicht berühren, Hunde an die Leine!

Vorbeugen könne man durch Einstreuen von Stroh, Sand und Steinchen, damit die Hühner beschäftigt sind, meint Gerda Weber von der Landwirtschaftskammer. Das Futter solle vom Boden aufgepickt werden können. Mit Lichtprogrammen könne man Ruhephasen steuern. Strohballen im Ganzen wirft Georg Maier aus dem Granitztal seinen Hennen vor, damit sie genug zum Zupfen haben. „Ich streue Weizenkörner ins Stroh, damit sie sie suchen müssen.“ Kannibalismus hat er 2006 nicht festgestellt. Wohl auch, weil er ruhige, ungestresste Küken erhält und den Hennen kalkhaltige Ytong-Baustoffblöcke vorwirft, die sie aufpecken können. „Dabei werden auch die Schnäbel stumpfer.“

Magnesiumhaltige Vitaminpräparate zur Beruhigung empfiehlt Geflügel-Fachtierärztin Bärbel Mägdefrau-Pollan. Begründet sei die Stallpflicht auf jeden Fall, auch wenn für den Menschen keine Gefahr bestünde. „Wir wollen den Tieren nichts Böses, die Stallpflicht ist zu ihrem Schutz“, bekräftigt Tierärztin Eva-Maria Holzheu. In Österreich habe es schon mehrere Krankheitsfälle gegeben. Das Virus kann durch Wind, Staub, Wasser, Vögel, Katzen, Schuhe, Fahrzeuge oder Geräte übertragen werden. Gefahr gehe von kleinen „Hinterhofhaltungen“ aus, meint Mägdefrau-Pollan. Dort sei die Ansteckung durch Enten, Schwäne oder Reiher, die sich an der gleichen Tränke bedienen, leicht.

Haushalten mit Selbstversorger-Huhnbestand, die in Kärnten nicht registriert sind, empfiehlt Gerda Weber eine Volière, die oben mit einer Plane geschlossen ist. Der Stallpflicht trotzen die meisten Betriebe des Eierringes Herzogstuhl, der täglich 120.000 Eier vermarktet. Sie haben einen „Wintergarten“ mit einer Frischluft-Öffnung nach vorne hin mit Netz. Doch das ist bei Kleingruppenhaltung unmöglich.

Weniger Probleme haben Bio-Mastbetriebe, weil dort kein Kannibalismus vorkommt, da die Hühner schon mit zehn Wochen geschlachtet werden. Doch Bäuerin Elisabeth Thaler bedauert, dass das Huhn ja kein Freilandhuhn mehr sei.

Vogelgrippe: Kärntens Freilandhühner unter Hausarrest

Maximal drei Monate lang können Hühner mit Bio- und Eier mit Freiland-Etikett verkauft werden, erklärt Weber. Danach müsse man die Bezeichnung ändern. Wenn Wildvögel, Gänse, Enten und Tauben nach drei Monaten keine Vogelgrippe aufweisen, kann die Stallpflicht aufgehoben werden.

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