Sommergespräch

So mordet sie sich durch das Steirerland

Ein Sommergespräch mit der Krimi-Autorin Claudia Rossbacher, die am Reinischkogel lebt. Von Andrea Kratzer

Claudia Rossbacher liebt das gute Essen und Trinken in der Weststeiermark © Privat
 

Wie hat es eine erfolgreiche Autorin aus dem Großstadtdschungel in Wien auf den Reinischkogel verschlagen?
CLAUDIA ROSSBACHER: Das war Schicksal. Meine Liebe zur Steiermark hat am Reinischkogel begonnen, weil ich dort zwei, drei Mal auf Ferienlager war. Ich war ein volles Stadtkind und entdeckte dort meine Liebe zum Wald. Mein Mann ist Steirer und stammt aus Pöls, den lernte ich in Wien kennen. Unsere Wiener Nachbarn verkündeten im Vorjahr, dass sie einen kompletten Umbau planen. Ich dachte, dann begehe ich wirklich einen Mord, ich kann ja nicht direkt neben einer Baustelle schreiben. In meiner Verzweiflung habe ich nach einem Haus in Voitsberg und Deutschlandsberg gegoogelt. Das erste, das aufgeploppt ist, war am Reinischkogel. Zwei Tage später haben wir es besichtigt und waren sofort sicher, dass dieses Haus auf uns gewartet hat.

 

 

Die Steirer sind sehr beliebt. Das kommt mir zugute.  

 


Warum ist gerade die Steiermark so „mörderisch“?
ROSSBACHER: Wenn ich mir aussuchen kann, wo ich mich gedanklich aufhalte, dann dort, wo ich gern bin. Beim ersten Band Steirerblut entschied ich mich für die Steiermark und machte fortan viele Recherchereisen. Seither morde ich mich durch die Steiermark. Das soll auch so bleiben. Die Steirer sind sehr beliebt, das kommt mir zugute. Egal, mit wem ich rede: Jeder hat eine Beziehung zur Steiermark, die zu Recht das beliebteste Urlaubsland der Österreicher ist. Bei meinen Recherchen versuche ich, die Stimmung und Themen einzufangen. Danach stricke ich eine fiktive Tat mit fiktiven Figuren. Spannend ist es, die Regionen zu wechseln. Das LKA (Anm.: Landeskriminalamt) ist ja auch für alle Regionen zuständig.


Wie suchen Sie Ihre Tatorte aus?
ROSSBACHER: Es muss dort etwas Spezielles haben, das mich inspiriert. In Steirerkind war es der Steirische Bodensee, den kennen viele Steirer nicht. Mariazell war mir für Steirerkreuz zu touristisch. Dann sah ich das Neuberger Münster und wusste, das Mürzer Oberland ist mein Schauplatz. Der siebente Fall ist ab der Eisenstraße angesiedelt, die finde ich teilweise ziemlich gruselig. Man spürt dort die Vergangenheit besonders stark.

 
Warum haben Ihre Ermittler, Sandra Mohr und Sascha Bergmann, ein kompliziertes Privatleben?
ROSSBACHER: Ich denke, es ist nicht so leicht, wenn man bei der Mordgruppe arbeitet. Für mich ist es schwer vorstellbar, dass eine alleinerziehende Mutter einen solchen Job macht. Außerdem ist es spannender, wenn es Konflikte gibt. Der neue Krimi Steirernacht polarisiert etwas, weil manchen zu viel Sex enthalten ist. Aber das leitet sich vom Fall ab und ich ergieße mich ja nicht im Detail. Die Figur macht mit mir, was sie will. Da muss man durch.


Sie haben ein Tourismusmanagement-Studium absolviert, waren als Model in Europa und Japan unterwegs und Texterin und Kreativdirektorin bei Werbeagenturen. Wie sind Sie zum hauptberuflichen Schreiben gekommen?
ROSSBACHER: Ich hatte keine Lust mehr, in eine neue Agentur zu gehen, das war unspannend. Damals hatte ich die Idee zu einem Karibikthriller und habe ausprobiert, ob ich auch einen Roman schreiben kann. Das ist flugs von der Hand gegangen. Nach der mühsamen Verlagssuche war das der Anfang, dann kamen die Steirerkrimis. Es war, als hätte die Welt darauf gewartet.

 

 

Claudia Rossbacher hat ein Tourismusmanagement-Studium absolviert Foto © Andrea Kratzer

 


Sie „morden“ in Ihren Krimis teilweise sehr grausam. Warum?
ROSSBACHER: Manchmal muss das sein. Ich suche etwas Spezielles. In Steirerkreuz wurde das Opfer kopfüber aufgehängt. Das war ein altes christliches Hinrichtungsritual, ich habe es nicht erfunden. Oder die Vogelscheuche in Krottendorf-Gaisfeld. Das sind starke Bilder, die mich vorantreiben, aber auch zur Region passen.


Schauen Sie sich im Fernsehen auch selbst viele Krimis oder Thriller an?
ROSSBACHER: Eher selten. Die Landkrimireihe im ORF finde ich aber super. Ich hab es gern grauslich, wie beim „Schweigen der Lämmer“. Cosy-Krimis sind nicht meine Welt. Zurzeit lese ich Krimis, weil ich in einer Jury bin, da stapeln sich bei mir Bücher von Neulingen. Das ist spannend, teilweise sind geniale Sachen dabei.


Steirerblut wurde bereits als Landkrimi für den ORF verfilmt. Was folgt als Nächstes?
ROSSBACHER: Das Drehbuch für Steirerkind wurde noch nicht freigegeben. Ich hoffe, dass beim nächsten Nachtslalom in Schladming gedreht wird. Auch für Steirerkreuz besteht Interesse.


Welches Verbrechen haben Sie persönlich begangen?
ROSSBACHER: Ich bin zu schnell gefahren und bekam langweilige Parkstrafen.


Haben Sie noch Zeit für Hobbys?
ROSSBACHER: Mein Mann und ich spielen Tennis und gehen gern spazieren. Das ist hier ideal und dabei reden wir auch viel miteinander. Anfangs war das Schwierigste, hier arbeiten zu müssen. Da gehört viel Disziplin dazu.

 

Wenn ich Albträume habe, dann, dass ich mich irgendwo durchzwängen muss. 

 


Was lässt Ihnen persönlich das Blut in den Adern gefrieren?
ROSSBACHER: Was ich nicht mag, sind sehr enge Räume, etwa ein unterirdisches Höhlensystem. Wenn ich Albträume habe, dann, dass ich mich irgendwo durchzwängen muss. Ansonsten bin ich ein eher angstfreier Mensch.


Wie empfinden Sie die Mentalität der Weststeirer?
ROSSBACHER: Das sind superherzliche, direkte, lustige Leute. Ich war positiv überrascht, wie herzlich wir aufgenommen wurden. Wir bleiben hier, so lange wir können. Ich überlege sogar, unser Haus in Wien zu verkaufen und eine Wohnung zu nehmen. Mit zunehmendem Alter bin ich zur Landpomeranze geworden.


Was genießen Sie hier?
ROSSBACHER: Die Ruhe sowie das gute Essen und Trinken. Es ist toll, dass man direkt bei den Bauern einkaufen kann. Nur wenn keine Saison ist, sind die Gehsteige hochgeklappt.


Was ist Ihr Lebensmotto?
ROSSBACHER: Wenn man etwas will, muss man sich das erarbeiten. Im Prinzip kann man alles schaffen, wenn man gesund ist, aber man muss dranbleiben. Ich kenne einige, die gut schreiben, sich aber selbst aus der Branche gekickt haben.

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