Spurensuche

Wie die Eisenerzer nach Marampa kamen

Die Künstlerin Juma Hauser behandelt mit dem Marampa-Projekt ein Stück Eisenerzer Geschichte, das selbst in Eisenerz nur wenige kennen. Morgen präsentiert sie dazu ein Buch.

Künstlerin  Juma Hauser und Pub-Betreiber Ivo Gölz vor der Wandgestaltung
Künstlerin Juma Hauser und Pub-Betreiber Ivo Gölz vor der Wandgestaltung © KK
 

Im Jahr 2008 verbringt die Wiener Künstlerin Juma Hauser einige Tage bei ihrer Tante in Eisenerz. Als sie durch den Ort spaziert, kommt sie auch am Busbahnhof vorbei. Ihr Blick fällt auf das dort ansässige Marampa-Pub. Als sie durch die Tür des Lokals tritt, öffnet sich für Hauser auch ein Tor zu einem Projekt, das sie acht Jahre lang begleiten sollte. Am Samstag findet dieses nun einen vorläufigen Schlusspunkt. Denn dann präsentiert Hauser ihr Buch „Das Marampa Projekt – Als es im kolonialen Clubhouse Schnitzel gab, ein Ministerialbeamter unter einem Baum in Afrika telefonierte, zwei Erzzüge aufeinander zufuhren und der Trafokoarl im Swimmingpool einen Frosch verschluckte“ (Mandelbaum Verlag, 2016). Darin verknüpft die Wienerin Interviews, Zitate, Anekdoten und Archivmaterial zu einer etwas anderen Industriegeschichte.

Einer Geschichte, die eng mit Afrika verbunden ist, die jedoch nur wenige Eisenerzer kennen. Denn Anfang der 1980er Jahre baute eine Tochtergesellschaft der Voest in Marampa in Sierra Leone Erz ab. Etwa 40 österreichische Mitarbeiter und ihre Familien, darunter auch eine Reihe von Eisenerzern, ließen sich zwischen 1980 und 1985 in Marampa auf einer ehemals britisch kolonialen Bergbau-Infrastruktur nieder. Angelegt war das Projekt in Marampa auf lange Sicht, es scheiterte aber nach wenigen Jahren. Auch Juma Hauser verbrachte als Sechsjährige ein Jahr in Marampa. „Mein Vater fand damals als Lehrer keinen Job im Weinviertel, und da entdeckte er ein Inserat in der Zeitung, wo ein Lehrer für Kinder von Voest-Mitarbeitern in Sierra Leone gesucht wurde“, erinnert sich Hauser.

Termine

Das Marampa-Projekt von Juma Hauser in Kooperation mit KIÖR- Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark und eisenerZ*ART.

Buchpräsentation und Präsentation der Wandgestaltung: Am Samstag um 19 Uhr beim Marampa Pub am Busbahnhof Eisenerz.

In den 1980er Jahren baute eine Tochtergesellschaft der Voest in Marampa, Sierra Leone, Erz ab.

Eine Stunde vor der Präsentation wird zu einem „Chain Reactions“-Rundgang geladen. Es geht zu jenen Punkten in der Altstadt, die ein fünfköpfiges Kollektiv im Zuge seiner zehntägigen Künstlerresidenz durch Interventionen verändert hat.

Erinnerungen

Als die Künstlerin 2008 das Marampa-Pub entdeckt, kommen Erinnerungen hoch. Sie trifft auf Lokalbesitzer Ivo Gölz. Er war einer jener Eisenerzer, die diese Auslandserfahrung machten und kann sich sogar an die damals Sechsjährige erinnern. Aus dem Schwelgen in Erinnerungen entwickelt sich schließlich der Plan, diesen Teil der Eisenerzer Geschichte aufzuarbeiten und in einem Buch zusammenzufassen. Stets begleitet eine gewisse Innensicht dieses Projekt. Hauser führte Interviews mit ehemaligen Mitarbeiter, sammelte Spuren und recherchierte in Österreich, Sierra Leone und Großbritannien. 2014 verbrachte sie auch selbst zehn Tage in Marampa und begab sich dort auf Spurensuche.

Dieses Bild wird künftig den Busbahnhof in Eisenerz zieren. Es zeigt die damalige Firmenfußballmannschaft
Dieses Bild wird künftig den Busbahnhof in Eisenerz zieren. Es zeigt die damalige Firmenfußballmannschaft Foto © EISENERZART/GÖLZ

„Das war für mich eine sehr berührende Reise und der letzte Baustein, der mir für das Buch fehlte“, erzählt die Künstlerin. Und gerade jenes Erinnerungsfoto aus dem Fundus von Pub-Betreiber Gölz, das nun ab morgen den Busbahnhof zieren wird, öffnete Hauser Tür und Tor zu den Menschen. „Ich zeigte das Foto von der damaligen Firmenfußballmannschaft und binnen kürzester Zeit war ich umringt von Menschen, die mir halfen, die Spieler von damals zu identifizieren und den Kontakt zu diesen herzustellen“, erzählt Hauser. „So schaffte dieses Dokument der Verbindung zwischen Einheimischen und Österreichern neue Verbindungen“, freut sich Hauser. Dieses Bild soll nun künftig die Eisenerzer an das Abenteuer Marampa erinnern.

Kommentieren

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.