Klimawandel"In 40 Jahren ist der Dachstein-Gletscher Geschichte!"

Klimawandelsorgen auf dem Dachstein: Das „ewige“ Eis ist Publikumsmagnet, der aber schon in 40 Jahren Geschichte sein könnte, warnt der Experte. Die Planaibahnen schonen das Naturjuwel so gut es geht.

Der Gletscher schmilzt in der Juli-Sonne.
Der Gletscher schmilzt in der Juli-Sonne. © (c) Marlene Gerstgraser, Planai
 

Das klimawandelbedingte Aus für den Freestyle-Superpark für Skifahrer und Snowboarder auf dem Dachstein-Gletscher (wir berichteten) sorgt für Bedauern in der Szene, ist aber nur die Spitze des Eisberges. Der östlichste Alpengletscher kommt immer stärker ins Schwitzen, wie auch die Fotoserie der Planaibahnen zeigt. Innerhalb von nur drei Wochen hat sich die Schneedecke am unteren Ende des Gletschers in eine große Lacke verwandelt.

300.000 Besucher im Jahr

„Wir hatten zwar heuer im Juni zwei Mal Schnee auf dem Dachstein, aber danach kam warmer Regen, da rinnen die Bäche nur so hinunter“, erzählt Planaibahnen-Chef Georg Bliem voll Sorge um den Publikumsmagneten, der 300.000 Besucher pro Jahr anzieht. Das „ewige“ Eis wird vor allem auch im Sommer von Touristen gestürmt. Um das Naturjuwel auf 2700 Metern zu schonen, hat man die täglichen Bergfahrten auf 2500 Besucher kontingentiert: „Wir kanalisieren die Publikumsströme auch nur auf wenige Wanderwege.“

Kein Sommerskilauf mehr seit 1992

Schon seit 1992 ist auf dem Dachstein der Sommerskibetrieb eingestellt. Nun hat man den Freestyle-Park gestrichen, weil der „Schanzenbau“ dem Gletscher zu sehr zusetzen würde. Bliem ist klar: „Wichtig ist, das Eis im Sommer in Ruhe zu lassen.“ Nur Langläufer dürfen im Sommer ihre Runden auf der Loipe noch ziehen.

 

Dachstein-Gletscher: Das "ewige" Eis zerrinnt

Im extrem heißen Sommer 2015 rann das Gletscherwasser in Sturzbächen vom Dachstein.

Podesser

Ebenfalls eine Bestandsaufnahme des Dachstein-Gletschers aus dem Sommer 2015.

Podesser

"Dieses Bild vom Sommer 2003 zeigt die Gletscherabdeckung der Liftstütze, die das Abschmelzen des Eisfundaments verhindern soll. Daneben sieht man, dass das Eis ohne Schutzfolie um drei Meter abgeschmolzen ist", erklärt Alexander Podesser von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik.

Podesser

Die nächsten vier Bilder zeigen, wie der Gletscher heuer in den letzten Wochen ins Schwitzen gekommen ist. Vor allem warmer Regen hat das Eis zum Schmelzen gebracht.

1. Bild: 19. Juni 2017

(c) Marlene Gerstgraser, Planai

2. Bild 22. Juni 2017

(c) Marlene Gerstgraser, Planai

3. Bild: 6. Juli 2017

(c) Marlene Gerstgraser, Planai

4. Bild: 8. Juli 2017

(c) Marlene Gerstgraser, Planai

Der seit 15 Jahren bestehende Freestyle-Superpark auf dem Dachstein-Gletscher ist ab heuer Geschichte.

Planaibahnen

Noch ein Bild aus dem Hitze-Sommer 2015.

Podesser
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Um das gar nicht so „ewige“ Eis vor dem Schmelzen zu bewahren, setzt man auch auf dem Dachstein Abdeckplanen ein, die vor der gnadenlosen Sonne schützen sollen. Bliem: „Aber das machen wir – auch aus optischen Gründen – nur in einem Bereich nahe der Mitterstein-Seilbahn und bei der Eishöhle.“ Ein Problem im Sommer seien auch die Gletscherspalten: „Wir mussten heuer schon vier Wanderer herausholen.“

Es fehlen die Wetterstürze im Sommer

Alexander Podesser, Leiter der Zamg in der Steiermark, weiß, was dem Gletscher richtig zu schaffen macht: „Es gibt im Sommer einfach nicht mehr diese Wetterstürze mit viel Schnee in hohen Lagen, die die Gletscher früher geschützt haben.“ Pro Sommer schmelzen rund drei Meter ab. Die Prognosen sind alarmierend. Seit dem letzten Hochstand der Gletscher in unseren Breiten 1850 seien diese auf die Hälfte zurückgegangen: „Vom Dachstein-Gletscher wird in 40 Jahren nichts mehr zu sehen sein.“

Planaibahnen-Chef Bliem ist zumindest für jene Gletscher in Plateaulagen (Hallstätter und Schladminger Gletscher) optimistisch, dass die Enkel-, vielleicht auch noch die Urenkelgeneration etwas sehen könnte: „Denn dort haben wir noch 130 Meter Schnee und Eis.“

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