10 Jahre Strache

Wahlsieger ohne Macht

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache steht seit nunmehr zehn Jahren an der Spitze der Freiheitlichen. Zwar führte er den einstigen Scherbenhaufen von Wahlerfolg zu Wahlerfolg - der echte politische Gewinn blieb laut Experten aber aus.

2006 feiert Strache bei der Nationalratswahl seinen ersten großen Wahlsieg © (c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
 

Im April 2005 lag die FPÖ in ihren Trümmern. Drei Jahre zuvor war man bei der Nationalratswahl nach dem "Putsch" von Knittelfeld auf unter zehn Prozent geschrumpft, 2005 verabschiedete sich Jörg Haider schließlich mit einem Großteil des blauen Parlamentsklubs ins neu gegründete BZÖ. Den blauen Scherbenhaufen übernahm daraufhin der damals junge Chef der Wiener FPÖ - Heinz-Christian Strache.

Stetiger Stimmenzuwachs

Und die FPÖ hat seit Straches Übernahme am 23. April 2005 bei Nationalratswahlen stets dazugewonnen. Auch in Wien, wo Strache seit dem Jahr 2004 Landesparteichef ist, legten die Freiheitlichen seit Straches Obmannschaft  konsequent in der Wählergunst zu. Mittlerweile geben die Freiheitlichen bei Wahlen 30 Prozent als Ziel an und wollen regieren.

Dies sei aber dennoch "nicht in Sicht", schätzt etwa der Politologe Peter Filzmaier eine blaue Regierungsbeteiligung als unrealistisch ein. Die Obmannschaft Straches sehen Polit-Experten zwar durchaus als Erfolg, sei allerdings "Wahlsieger ohne machtpolitische Perspektive". Politberater Thomas Hofer ortet auch andere Schwächen, etwa inhaltlicher Art sowie beim Personal.

Wähler wollen Regierungsverantwortung

Betrachte man nur die Wahlergebnisse der FPÖ unter Strache, so "kann er die zehn Jahre als Erfolgsbilanz darstellen", sagte Filzmaier im Gespräch mit der APA. Fix sei jedenfalls, dass Strache die Partei konsolidiert hat, meinte Hofer - und zwar ziemlich rasch, nachdem Ex-Parteichef Jörg Haider im Jahr 2005 die Abspaltung des BZÖ vollzogen hatte. Das habe sich auch in den Wahlergebnissen widergespiegelt.

Problematisch für die FPÖ sieht Filzmaier trotz aller Wahlerfolge die Frage nach dem politischen Gewinn: "Der definiert sich an Regierungsbeteiligungen und der tendiert gegen Null." Mittlerweile würden sich die FPÖ-Wähler aber nicht mehr mit einer reinen Protestwählerpartei zufrieden geben, sondern wollten, dass die Partei Regierungsverantwortung übernimmt. "Das ist für die FPÖ eigentlich ein Erfolg, aber auch gefährlich", so Filzmaier. Denn damit könne Strache einen zentralen Wählerwunsch nicht erfüllen.

Der FPÖ-Chef sei somit ein "Wahlsieger ohne machtpolitische Perspektive", meinte Filzmaier. Er verwies etwa auf die Grünen, die in der Mehrheit der Landesregierungen vertreten sind. Auch bei den diesjährigen Urnengängen sieht der Politologe kaum eine Chance auf Regierungsbeteiligungen für die FPÖ. Etwas wahrscheinlicher, wenn auch ebenfalls "sehr unsicher", sieht er diesbezügliche Chancen auf der Bundesebene nach der Nationalratswahl im Jahr 2018. Auch Hofer meint, die FPÖ müsse "alles daran setzen, dass es irgendwo mit einer Regierungsbeteiligung klappt". Seit dem Verlust des Landeshauptmannsessel in Kärnten sitze die FPÖ in keiner Landesregierung mehr.

"Zu Tode siegen"

Der Meinungsforscher Peter Hajek (Opinion Public Strategies) sieht das Dilemma der Partei ähnlich: "Auf Dauer die Opposition zu geben, das funktioniert nicht." Die Partei müsste sich "als koalitionsfähiger Partner präsentieren." Denn ohne potenziellen Koalitionspartner werde Strache "nie Wiener Bürgermeister oder Bundeskanzler werden". Ein wenig anders lautet die Einschätzung von OGM-Chef Wolfgang Bachmayer: Zwar sieht auch der das Problem Straches, dass er sich quasi "zu Tode siegt": Trotz Wahlerfolgen komme die FPÖ nicht zur politischen Partizipation. Dieses Problem werde aber nur solange bestehen, solange die Abgrenzung der anderen Parteien gegenüber der FPÖ anhält. Denn sollten die Zustimmung der Wähler zur FPÖ auch in Zukunft weiter ansteigen, dann werde irgendwann eine Grenze erreicht, "wo eine politische Beteiligung der Freiheitlichen bei weiteren Erfolgen wahrscheinlich passieren wird".

Er verwies auch auf zuletzt erfolgte Zeichen der Öffnung innerhalb der SPÖ, etwa durch den burgenländischen Landeshauptmann Hans Niessl oder Steiermarks Landeschef Franz Voves. Dass die FPÖ tatsächlich weiterhin an Stimmen zulegen wird, ist für Hajek freilich nicht gesagt. Denn die FPÖ sei "schon auf einem hohem Level angekommen und die Problematik beim Größerwerden besteht immer darin, dass man das Wählerspektrum erweitert und dementsprechend die Themenpalette deutlich breiter ist." Und dies berge "immer die Gefahr in sich, dass man Positionen bezieht, wo man auf der einen Seite Wähler gewinnt, aber auf der anderen Seite wieder verliert".

Einen der Erfolgswege Straches sehen die Experten auch in dessen Bestreben, den "rechten Rand" innerhalb der Partei zurückzudrängen. "Das war auch der Erfolgsweg Haiders, dieser hat die Burschenschafter und Nationalen weiter zurückgedrängt", sagte Hajek. Um eine erfolgreiche Mittelpartei zu sein, müsse man sich auf die Mitte hinbewegen. "Das hat man bis zu einem gewissem Grad gut geschafft."

 

 

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Danke für Ihr Verständnis.

fipsal
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Ja und wie dumm

ist eine Partei die im Ausland für einen Weisenrat zusammen trommelt, der dann nach Österreich kommt. Das Volk vergißt nichts!

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desbini
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Irgendwie ist es frustrierend...

.....denn dass man einmal auf den Schmäh hereinfallen kann, zu glauben, er sei ehrlich (Haider), verstehe ich, aber ein zweites Mal? Warum? Nur weil man Angst hat vor ein paar Ausländern, wovon sich 90% korrekt verhalten und 10% straffällig werden und dann ohnehin bei entsprechender Schwere eines Deliktes von Abschiebung zu Recht bedroht sind. Nur weil man Angst hat, dass man einmal auf der Straße Englisch statt Deutsch reden müsste, weil jemand vielleicht um einen Weg fragt und kein Deutsch versteht? Sorry, aber 5 Jahre FPÖ bedeuten wirtschaftliche Isolation, selbst verursachte Rufschädigung eines Landes (siehe Orban in Ungarn) und Korruption. Denn diese Leute sind höchstens scharf auf die Macht und nicht auf die Arbeit, die zu tun ist, wenn man Verantwortung übernimmt. Sorry, aber reicht nicht die einmalige Show der Selbstdemontage der FPÖ 2002 um wieder Vernunft zu erlangen? Oder reicht es nicht einmal wahrscheinlich knapp 19 Milliarden Euro aufgrund eines Mindeswertigkeitskomplexes einer Bevölkerungsgruppe und des dazugehörigen LH versenkt zu haben? Sorry, aber diese Personen sind alles andere als ehrlich, nicht weil ich das behaupte, sondern weil sie es bereits bewiesen haben. Aber anscheinend ist der Österreicher zu du** um das verstehen. Jedenfalls, wenn am Ende einer Strache - Regierung die Schulden stark gestiegen sind, dann bin ich der Meinung, dass seine Wähler, also Arbeiter und Arbeitslose mit wenig Ausbildung, auch weniger Sozialleistungen bekommen sollten....

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desbini
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Re: Irgendwie ist es frustrierend...

2005 habe ich noch die Gründung des BZÖs als weiteren Akt der dümmlichen Selbstdemontage vergessen. Auch eine Sache, die dem Steuerzahler viel Geld gekostet hat, da zwei Parteien, eine in der Regierung mit sich selbst beschäftigt waren, anstatt zu arbeiten......

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Reini1117
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Vielleicht

klapptd diesmal??

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raspel
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Wahlsieger ohne Macht

Kein Wunder. Wer will schon mit einem Rechtsaußen koalieren?

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voit60
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sollte der einmal das "Pech" haben,

und Verantwortung übernehmen zu müssen, dann ist er spätestens bei der nächsten Wahl dann wieder weg. Denn es ist um einiges Leichter das Maul aufzureissen, als tatsächlich durch Leistung zu bestehen. Die profitieren hauptsächlich durch die schwache Performance der anderen Parteien, ohne selber einen Finger zu rühren.
Wie schnell war die Haider-Partei bei ihrer Regieungsbeteiligung in den 2000-er Jahren wieder weg vom Fenster. Der Strache und vor allem der Kickl, die damals auch schon dabei waren, tun ja gerade so, als haben sie den Haider nicht gekannt. Der eine war in der Wiener FPÖ auf der Aufstiegsleiter und der unsympathische Kickl war schon damals der Redenschreiber vom Haider.

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SL55
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Aber immerhin haben gewisse Schreier doch Angst vor den nächsten Wahlen

Warum sonst würden hier so über HC Strache hergezogen.

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derkomtur
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@SL55: Wieso sollte irgendwer vor dieser Verliererpartei Angst haben?

Es ist doch offensichtlich dass es keine blaue Regierungsbeteiligung geben wird. Die "Angst" existiert da ausschließlich in den Köpfen von ein paar realitätsfernen FPÖ-Anhängern.

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patriotismus
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Frage an "derkomtur":

Wenn die FPÖ eine Verliererpartei ist, was ist dann die SPÖ und ÖVP? Oder die Grünen?
Eine Gewinnerpartei?
Dass ich nicht lache....die sind von Großparteien zu Kleinparteien geschrumpft!

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Dreisteirer
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Es sind die ÖVP und die vor allem die SPÖ, die dem Strache Wähler zutreiben

Es ist schon eine Kunst aus einem blauorangen Bankenkriminalfall, die Schuld auf sich zu ziehen, wie es der ÖVP und der zuvor gänzlich unbeteiligten SPÖ gelungen ist. Es ist eher so, dass der tolle Haider diese marode Bank an die Bayern verscherbelt hat und die schwarzrote Regierung sie wieder mit asll ihren Schulden zurückgenommen hat.

Es ist das Ausländerthema, dass die sog. politisch korrekten Parteien in ganz Europa nicht im Griff haben und viel zu lasch im Umgang mit Wirtschaftsflüchtlingen und Kriminaltouristen sind. Überspitzt ausgedrückt haben die Einheimischen die Pflichten und die Migranten die Rechte.
Die Eurokrise ist der nächste Stolperstein, den sich die Eliten selbst gelegt haben.

Es wird daher so kommen, wie wir uns das nicht wünschen, aber die FPÖ wird nach der nächsten NR Wahl zur stärksten Partei werden. Hoffentlich nicht schon bei der LT Wahl, denn die Reformzwillinge hätten es verdient, von der Bevölkerung unterstützt zu werden.

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OmicronIII
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Dreisteirer

Ah geh,der Ösi ist eh träge..........

Darum bleibt eh alles beim alten.

Oiso,brauchst ka aungst hobn,deine EU Fanatiker bleiben eh an der Spitze.

Die meisten ÖSIS haben eh dein weitsichtiges und soziales Niveau!

Hoch sollen sie leben,dreimal hoch...ups san ma jetzt scho untagaunga.*g*.

Allerdings ist der Strache ja wirklich unfähig-leider.

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Scaurus
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Warum wohl?

Straches Vergangenheit, zu der er nicht mal den Mum hat, zu stehen, zeigt ganz klar, warum er niemals zuviel Macht in unserem Staat bekommen darf.

* Wehrsportübungen mit Neonaxerln -> "Paintball"
* Kühnengruß -> "gruß der Südtiroler Freiheitskämpfer" -> "3 Bier"
* Gemeinsame Veranstaltungen mit der verbotenen rechtsextremen Wiking-Jugen -> "Lebensmittelhilfe"

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fipsal
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Ein Bürgermeister

ein Moslem in Kopenhagen hatte sehr wohl den Mut zuu sagen was Sache ist und das jeder Ösi auch befürwortet. Jedem den es bei uns niocht passt, der Christen nicht mag und unsere Kultur sowie mauch Lebensweise, soll seine Koffer packen uns in seine Heimat zurück kehren. Das gleiche sollte auch für diejenigen sein, die Kriminell sind und nicht Arbeiten will für seinen Lebensunterhalt. Wie kommen die Fleissigen dazu, solche mitzuerhalten.Niemand hat etwas gegen die Fleissigen Migranten.

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patriotismus
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Scaurus - Jeder wählt wen er will!

Du wählst halt deinen linken Parteien die Österreich vor die Hunde gehen lassen....

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Scaurus
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"Scaurus - Jeder wählt wen er will!"

Jo eh, nur wird halt niemand den Strache jemals zum Kanzler machen. Und das ist auch gut so, denn - wie oben erwähnt - darf jemand wie Strache NIE zuviel Macht in unserem demokratischen Rechtsstaat bekommen.

@"Österreich vor die Hunde gehen lassen....": schua dir an, was die Blauen aus Kärnten gemacht haben, ein Land kurz vorm Bankrott. Von der "Wende" fang ich lieber gar nicht an.

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jahcity
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Wer

will sich schon mit esoterisch angehauchten weltverschwörungstheoretischen Bildungsverweigerern ins Bett legen?

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xGrazer
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Definiere

Weltverschwörungstheorie ?

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corazon
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das stracherl

wird hoffentlich nie regieren.

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Reini1117
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Ja wenn der Herr Bundespräsident

schon gegen Ihn ist frage ich mich wie die Wahlergebnisse zustandekommen??..ich bin da Laie aber meine Gedanken mach ich mir sehr wohl !! Wie bei jeder Wahl.....

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corazon
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was

hat der präsi mit dem unvermögen einer partei zu tun.
das wahlergebnis kommt mit der summe der stimmen pro partei zusammen. jeder wahlberechtigte hat eine stimme.

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w120
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Unvermögen 1er Partei,

Sie meinen wohl 2, SPÖVP? Achja richtig, ist eh nur eine...

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derkomtur
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@w120: Nein, für das permanente Versagen der FPÖ

ist ausschließlich die FPÖ verantwortlich.

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Amadeus005
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Die Wähler für Strache besorgt doch hauptsächlich der Werner

Und ggf noch seine Schwarzpeter, wobei deren Protestwähler wohl auch grün-pink sind.

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luffygc
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Wahlsieger ????

Welche wahlen hat Strache gewonnen ?????

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w120
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genau die selben

wie die SPÖVP!

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derkomtur
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@w120: Mit dem Rechnen happerts also auch…

oder ist das einfach nur Realitätsverweigerung?

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Kommentare 1-26 von 61

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