Interview

"Bergdoktor" Hans Sigl über Kritiker, Kontinuität und Kalkül

Mittwochs läuft in ORF 2 die neue Staffel des "Bergdoktors". Seit 2008 wird er vom Rottenmanner Hans Sigl verkörpert. Ein Interview mit dem 47-jährigen Schauspieler.

Seit 2008 "Der Bergdoktor": Der Steirer Hans Sigl © ORF
 

Herr Sigl, 2008 übernahmen Sie die Praxis des "Bergdoktors" und inzwischen sind sie der längsdienende Alpenarzt in dieser Rolle. Gerhard Lippert überflügelten Sie bereits vor Jahren. Das war nicht zu erwarten, oder?
HANS SIGL: Nein, das war so nicht zu erwarten. Es ergab sich plötzlich eine Staffel nach der anderen und auf einmal sind wir bei der zehnten – schön ist es.

Was haben Sie sich 2008 eigentlich erwartet?
HANS SIGL: Als das Angebot gekommen ist, konnte ich mit der Geschichte der beiden Brüder und der Tochter sofort etwas anfangen. Dann war ich damit beschäftigt, wie ich diese Figur gestalten, spielen und weiterentwickeln kann. Mit diesen Gedanken hat sich ein Jahr ums andere ergeben.

Im November 2016 war der „Bergdoktor“ auf einer Tourismustagung Thema – als Positivbeispiel, da er Gäste nach Österreich lockt wie etwa bis heute noch immer "Der Dritte Mann" und "Sound of Music". Fühlen Sie sich ab und zu als Botschafter Österreichs bzw. Tirols? Im ZDF sehen die Serie fast sieben Millionen im Schnitt.
HANS SIGL: Ich darf Botschafter der Region Wilder Kaiser sein und das macht mich glücklich. Ich möchte aber kein Tourismusinterview geben. Aber wenn wir im Sommer am Originalschauplatz bei der „Bergdoktor“-Praxis drehen, schauen mitunter 400 Menschen zu. Das hat schon etwas von Open-Air-Festspielen.

Sigl mit Serienbruder Hans (Heiko Ruprecht) Foto © ORF

Ihr "Bergdoktor" ist seit 2008 beim Publikum sehr beliebt, viele Kritiker ignorieren oder belächeln die Serie. Ihre Erklärung?
HANS SIGL: Kritiker, die unsere Serie ignorieren oder belächeln kümmern sich um Krimis oder andere Formate. Wir sind eine Familienserie und wer sich über uns lustig macht, hat uns in den seltensten Fällen gesehen. Den Publikumserfolg erkläre ich mir durch Kontinuität. Familie Gruber, um die es geht, ist den Leuten ans Herz gewachsen und wir scheinen eine gelungene Mischung zu sein. Unsere Plots werden teilweise auch im Ethikunterricht oder zur Matura an Gymnasien diskutiert. Etwa mit dem Thema Organspenden. Dann haben wir natürlich eine großartige Kulisse und die Leute dürfte es freuen, wenn in einer Serie einmal keiner erschossen oder stranguliert wird.

Beneiden Sie Kollegen um die Rolle? Eine fixe Serie über Jahre muss doch beruflich ein großes Glück sein. Oder gibt es auch Ätzer, die es belächeln?
HANS SIGL: Also, das einzige, was es zu belächeln gibt ist der etwas seltsam anmutende Titel. Aber der ist Kalkül. Denn eine Marktforschung hat 2007 ergeben, dass der Titel "Bergdoktor" allen Befragten noch immer ein Begriff war. Zehn Jahre, nachdem die Serie mit Harald Krassnitzer bei Sat.1 ausgelaufen war. Also unsere Kollegen sehen sehr wohl, was wir für eine Arbeit liefern und sehen im Gegensatz zu einigen Journalisten die Serie auch an.

Zur Person

Hans Sigl, geboren am 7. Juli 1969 in Rottenmann.

Im TV: Tatort (1999), Julia (1999), Der Bulle von Tölz (2002), Soko Kitzbühel (2001 - 2006), Bergdoktor (seit 2008), Klarer Fall für Bär (2010) u.v.a.

Privat: Lebt mit seiner Frau und vier Kindern in Bayern.

Online: www.hanssigl.com

Sie prägten mit "Soko Kitzbühel" und "Bergdoktor" gleich zwei langjährige Fernsehrollen. Eigentlich ein beruflicher Jackpot, oder?
HANS SIGL: Ich vergleiche das Fernsehgeschäft mit dem Dreispartenhaus eines Theaters. Da gibt es Oper, Operette, Musical, die kleine Komödie, Experimentalstücke u.s.w. Dann gibt es verschiede Schauspieler, die diese Sparten bedienen. Der eine macht gerne Oper, der andere lieber Musical, der nächste ist ein Springer. Ich habe am Theater in Innsbruck begonnen und durfte bislang zwei Serienrollen von Anfang an gestalten und es hat großen Spaß gemacht. Überbewerten würde ich es nicht. Natürlich gibt es in diesem Dreispartenhaus noch mehrere Schienen und in meinem Alter könnte ja auch noch irgendwie eine andere Serie passieren.

Machen Sie sich hin und wieder Gedanken, wie lange Sie noch "ordinieren" möchten?
HANS SIGL: Freilich. Ich muss mich jeden Tag am Set überprüfen, ob ich noch motiviert bin oder es nur mehr Routine ist. Bislang komme ich jeden Tag zu dem Schluss, dass ich es immer noch wahnsinnig gerne mache.

Wie alt ist eigentlich Ihr Mercedes im "Bergdoktor"?
HANS SIGL: Der ist 2015 oder 2014 30 Jahre alt geworden. Unser Ausstatter hat den Mercedes W123 in der Zeitung gefunden. Als der garagengepflegte Wagen in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen abgeholt worden ist, hatte der Besitzer eine Träne im Auge. Es tröstet ihn aber, dass er sein "Baby" regelmäßig im Fernsehen sieht. Auch ich hab zu diesem Auto schon ein inniges Verhältnis aufgebaut, denn in keinem bin ich jemals länger gesessen.

Abgesehen vom "Bergdoktor" - was bringt 2017 beruflich? So sollen einen Thriller für das ZDF gedreht haben. Gibt es schon Details?
HANS SIGL: Ich kann dazu keine Details verraten, was am Sender liegt. Ein großes Programm an Hörbüchern wird eingelesen und darauf freu ich mich schon .. .

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