Dölsach

Marie-Luisa Frick: „Ich wollte die Welt verstehen“

Sie ist jung, unkompliziert und am liebten in Jeans unterwegs. Man sieht es ihr nicht an: Mit ihren 33 Jahren hat Marie-Luisa Frick aus Dölsach eine steile wissenschaftliche Karriere hinter sich.

Marie-Luisa-Frick als Vortragende im Hörsaal © KK/Frick
 

Studenten, Botschafter, das Außenministerium, Religionen, Menschenrechte: Marie-Luisa Frick, Professorin am Institut für Philosophie an der Universität Innsbruck, hat beruflich ein internationales Betätigungsfeld. Während ihrer Studienzeit war sie über viele Jahre Mitarbeiterin der Kleinen Zeitung Osttirol.

Zur Person

Geboren. 31. Juli 1983 in Lienz, aufgewachsen in Dölsach, ledig.
Laufbahn. Maturiert am Gymnasium Lienz, mit 25 Promotion zur Doktorin der Philosophie, nebenbei Studium einiger Semester Jus. 2011, mit 27 Jahren, wurde sie Assistenzprofessorin.
Habilitation. Absolviert im Juni 2016, damit ist sie assoziierte Professorin mit Lehrbefugnis in wissenschaftlichem Fach.

Anfang Juni, mit 32 Jahren, haben Sie, Frau Frick, habilitiert. Sind Sie für eine Professorin nicht unverschämt jung?

MARIE-LUISA FRICK: Ich bin eine der Jüngsten an der Universität Innsbruck – gemeinsam mit Franz Eder aus Matrei. Er ist so ähnlich unterwegs wie ich. Eder ist am Institut für Politikwissenschaften tätig, ich am Institut für Philosophie. Wo er und auch ich jetzt angelangt sind, kommen viele erst mit über 40 Jahren hin.

Was waren die wichtigsten Etappen Ihres bisherigen Weges?

FRICK: Nach der Matura am Gymnasium Lienz habe ich Jus und Philosophie studiert. 2006 bekam ich dann am Institut für Philosophie eine Assistentenstelle. Das war mein Einstieg. Und - man möchte es kaum glauben: Ich war damals die erste Frau und somit auch die erste Wissenschaftlerin am Institut. Das Jus-Studium ließ ich sausen. Mit 25 Jahren machte ich mein Philosophie-Doktorat und hatte dann das Glück, eine Professorenlaufbahn-Stelle zu bekommen. Mit 27 war ich Assistenzprofessorin.

Wie schafft ein Mensch in so kurzer Zeit eine so steile Karriere?

FRICK: Mit viel Glück und viel Leistung. Wobei ich sagen muss, ich hatte nie ein konkretes berufliches Ziel, aber ich wollte immer schon die Welt verstehen.

Mit welcher Materie beschäftigen Sie sich?

FRICK: Es gibt in der Philosophie die theoretische und praktische Philosophie. Ich bin in der praktischen zu Hause und arbeite zu Ethik, Rechts- und politischer Philosophie, Religionsphilosophie und interkultureller Philosophie. Über dem Ganzen steht für mich „Menschenrechte“.

Menschenrechte ist also Ihr Spezialthema?

FRICK: Ja. Über Menschenrechte und ihre Globalisierung habe ich meine Habilitation geschrieben. In Innsbruck bin ich ziemlich die Einzige, die sich mit dieser Grundfrage beschäftigt. Das Thema wird leider oft oberflächlich betrachtet, spielt aber überall hinein und ist ein total lebendiges Forschungsgebiet, das internationale Relevanz hat.

Marie-Luisa Frick flott in Jeans im „Brennerle“ (Lienz) Foto © Ruggenthaler

Stichwort „international“: Sie sind rund um den Globus unterwegs, gerade auch beruflich.

FRICK: Das zählt zu den schönsten Seiten meiner Arbeit. Asien, Afrika, Naher Osten – dort überall hat es mich schon hinverschlagen. Seit drei Jahren bin ich für das Außenministerium im Einsatz. Angefangen hat alles 2013. Ich durfte mit unserem Botschafter Österreich auf einer Staatenkonferenz in Indonesien vertreten. Für diese Aktion wurde ich kontaktiert und musste rasch zusagen. Beim Rückflug war Zwischenstopp in Kuala Lumpur für ein Arbeitsgespräch in Sachen Religionsdialog mit dem Islam. Danach wurde ich regelmäßig zu Religionsdialogen hinzugezogen, konkret mit Iran, Indonesien und China. Mit diesen Ländern unterhält Österreich schwerpunktmäßig einen interreligiösen und interkulturellen Dialog.

Läuft diese Tätigkeit über Ihr Institut?

FRICK: Nein, das ist quasi ehrenamtlich. Dadurch bin ich sehr oft in Wien in der Herrengasse. Sich auf dem kulturdiplomatischen Parkett auszutauschen, das ist für mich als junge Frau enorm spannend.

Zurück zur Uni: Ist Ihr nächstes Ziel ein Lehrstuhl?

FRICK: Das lasse ich mir noch offen.

Ich werde manchmal noch für eine Studierende gehalten. 

Marie-Luisa Frick

Wie geht es Ihnen als derart junge Vortragende mit den Studenten?

FRICK: Gut. Ich werde manchmal noch für eine Studierende gehalten. Seit acht Jahren unterrichte ich nun auf der Uni. Aber mangelnder Respekt war nie ein Thema. Ich bin als streng bekannt. Ich verlange viel, aber ich habe auch viel Verständnis, da ich selbst noch sehr nahe am Studentenleben bin.

Beim lockeren Sommergespräch mit Redakteurin Michaela Ruggenthaler Foto © Ruggenthaler
Ihr Werdegang lässt darauf schließen, dass es für Sie spannend bleibt. Was kommt als nächstes Highlight?

FRICK: Im Herbst gehe ich wieder einmal ins Ausland, in die USA - nach Harvard, wo ich im Wintersemester als Gastwissenschaftlerin tätig bin.

Sie sind sehr oft und sehr gerne in Osttirol?

FRICK: Oh, ja. Alle zwei Monate komme ich nach Hause, wenn es möglich ist. Eltern, Geschwister, Freunde - sie alle sind mir sehr wichtig. Ich fühle mich daheim sehr wohl und ich gehe in Lienz immer noch gerne in die alten Lokale, so fern es sie noch gibt.

Machen Sie sich manchmal auch Gedanken über Osttirol?

FRICK: Ich verfolge sehr genau, was im Bezirk passiert. Er zeigt leider Tendenzen eines sterbenden Bezirkes. Von meinen Freunden ist fast keiner dageblieben. Osttirol fehlt die Vision, der Mut, vorauszugehen statt immer nachzurennen.

Wortspenden

Frauen. Ohne sie geht gar nichts.
Traumland. Mauritius
Politik. Geht uns alle an, hat sich aber von den Menschen weit entfernt.
Islam. Kein Grund, sich davor zu fürchten, aber viel Grund, sich damit zu beschäftigen.
Geld. Ein Mittel und kein Selbstzweck.
Lieblingsessen. Gutes und viel.

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