Adoptiveltern erzählen

Nicole und Thomas: "Das Leben mit Adoptivkind ist wunderbar"

Das lange Warten, die strenge Prüfung, die ersten Schwierigkeiten, das Leben mit dem Kind, das man annimmt wie sein eigenes. Ein Paar, das vor knapp einem Jahr ein Kind adoptiert hat, erzählt.

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Wir leben in Kärnten, sind beruflich gut integriert und wünschten uns seit vielen Jahren ein Kind. Da wir kein leibliches Kind bekommen konnten und eine künstliche Befruchtung für uns keine Option war, begannen wir uns mit der Möglichkeit einer Adoption auseinanderzusetzen. Wir fingen an uns intensiv mit dem Thema zu beschäftigen,
recherchierten und lasen darüber und führten viele Gespräche miteinander, mit unseren Familien und unseren Freunden. Wir haben Gedankenspiele durchgeführt à la "was wäre wenn" – haben versucht uns vorzustellen, wie das Kind aussehen könnte, ob es möglicherweise eine Beeinträchtigung haben könnte, die man nicht gleich erkennen kann und wie das für uns wäre etc. Ähnliche Vorfreuden und ähnliche Sorgen, die Eltern haben,
die ein Kind auf "normalem" Wege bekommen.

Strenge Prüfung

Nach einem langen Entscheidungsprozess beschlossen wir, uns als Adoptiveltern zu bewerben. Wir haben dann Kontakt mit dem zuständigen Jugendamt aufgenommen und wurden auf unsere "Eignung" als Adoptiveltern überprüft. Dazu fanden mehrere Gespräche mit unterschiedlichen Sozialarbeiterinnen und einer Psychologin statt. Zudem besuchten uns die Sozialarbeiterinnen auch zu Hause, um sich ein Bild von unserer Wohn- und Lebenssituation zu machen. Am Schluss des Überprüfungsprozesses, der einige Monate
dauerte, machten wir einen mehrtägigen  Vorbereitungskurs (er wird vom Verein Eltern für
Kinder Österreich aus Wien durchgeführt und ist sehr empfehlenswert), indem wir uns mit den Herausforderungen einer Adoption und der besonderen Biografie eines Adoptivkindes auseinandersetzten. Wir lernten u.a., dass man dem Kind gegenüber von Anfang an offen sein soll, was seine besondere Situation betrifft, nämlich dass es z.B. zwei Mamas hat, eine leibliche (Bauch-)Mama, die es in die Welt gebracht hat, und eine soziale Mama, bei der es aufwächst, und sich nicht aus Angst in Unwahrheiten verstricken darf, die meist zu
massiven Vertrauensbrüchen führen und das Kind verletzen und verunsichern.

Voraussetzung ist u.a., dass man verheiratet ist, da man von Gesetz wegen nur dann gemeinsam ein Kind adoptieren darf. Unverheiratete können nur als Einzelpersonen adoptieren und da hat man in Österreich soviel wir wissen, keine Chance, da es genug Ehepaare unter den Adoptionswerberinnen gibt.

Die lange Ungewissheit

Im Anschluss an die Überprüfung begann eine lange, ungewisse Wartezeit, in der wir nicht wussten, ob wir überhaupt jemals ein Kind bekommen würden bzw. wann das sein würde. Diese Ungewissheit führt dazu, dass man versucht, sich nicht allzu große Hoffnungen und Erwartungen zu machen. Wir konnten und wollten uns auch nicht konkret auf die Übernahme eines Kindes vorbereiten (wie z.B. in einer Schwangerschaft), da wir keinen Einfluss darauf hatten, wann, wie und ob es jemals sein würde.

Unser Kind ist jetzt fast ein Jahr alt, als wir es übernommen haben war es nur wenige Tage alt. Wir wurden eines Tages kurz vor Beginn unserer Arbeit vom Jugendamt angerufen und es wurde uns mitgeteilt, dass es jetzt ein Kind für uns gäbe. Wenige Stunden später haben wir es im Krankenhaus kennengelernt und in den Armen gehalten.

Ein Ausnahmezustand

Wir waren wie in einem Ausnahmezustand. Auf den Tag der sogenannten Übernahme kann man sich zwar theoretisch vorbereiten, es fehlt einem aber definitiv die konkrete Vorbereitungszeit in Form einer Schwangerschaft. Man bekommt das Kind von einer Stunde auf die andere. Das war sowohl praktisch, als auch emotional eine große Herausforderung für uns. Wir hatten ja weder Gewand noch Wickeltisch, Kinderwagen etc. zu Hause und mussten das Notwendigste in wenigen Stunden organisieren.

Freunde und Familie haben unser Kind wie selbstverständlich aufgenommen und uns dabei unterstützt die besondere Situation zu bewältigen. Unser Kind ist ein Familienmitglied wie jedes andere.

Die Liebe vom ersten Moment

Das Leben mit einem Adoptivkind ist wunderbar. Wir haben es von Anfang an angenommen als wäre es unser leibliches. Die Bindung und die Liebe waren vom ersten Moment an da. Jeder Augenblick ist ein Moment des Glücks und des Staunens über das kleine Wunder. Was die Herkunft unseres Kindes betrifft, haben wir uns gewünscht soviel wie möglich zu erfahren, um ihm einmal seine Geschichte erzählen zu können. Das ist, laut Theorie, wesentlich für eine positive Entwicklung. Wie viel man tatsächlich erfährt, hängt davon ab, wie viel die leiblichen Eltern preisgeben wollen und um welche Art der Adoption es sich handelt. Bei anonymen Geburten z.B. erfährt man meist nichts, es sei denn die Mutter/Eltern hinterlassen dem Kind einen Brief oder erzählen den Krankenschwestern etwas über sich.

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