KLEINE TV-STUDIO

Glücksspiel: "Sünder" werden bestraft, 53 neue Salons entstehen

Wie das neue Gesetz die Glücksspielszene veränderte, wo es Verstöße gibt, welche Strafen drohen und wie künftig die Spielsucht bekämpft werden soll. Hier die Debatte zum Nachsehen.

Viele Lokale stehen derzeit leer - die neuen Automaten sind noch nicht genehmigt, die Lizenzen für die alten liefen aus © Jürgen Fuchs
 

 

Seit 1. Jänner gilt in der Steiermark ein neues Glücksspielgesetz. Derzeit stehen die alten Hallen leer. Drei Betreiber haben um neue Lizenzen angesucht. Anträge für  53 neue Salons wurden bereits eingereicht. Es dürfen nur noch 1.012 Automaten sein. In drei bis vier Wochen werden die ersten stehen. Claudia Gigler diskutierte mit Heinz Drobesch, Edith Zitz, Gerald Pfeiffer und Julia Eckhart über die neue Ära, die mit einer Pause begann.

Die Debatte im Kleine TV-Studio zum Nachsehen:

1.200 alte Automaten mussten abgebaut werden, die neuen werden erst genehmigt. Das Casino Graz freut sich: Direktor Andreas Sauseng verzeichnet um 20 Prozent mehr Gäste seit 1. Jänner, weil im Casino weiterhin Automaten stehen. Man hat sogar aufgestockt, von 130 auf 170.

Der Hauptgrund für das neue Landesgesetz ist ein verbesserter Spielerschutz. Dieser Spielerschutz wird vom Casino, der nicht dem Landes- sondern einem Bundesgesetz unterliegt, schon seit Jahren groß geschrieben.  2,4 Millionen Österreicherinnen und Österreicher zählen die Casinos Österreich zu ihren Kunden. 80 Prozent spielen nur einmal pro Jahr. Aber 80.000 Spieler sind österreichweit gesperrt, weil sie sich und ihre Spielsucht nicht im Griff haben.

Andreas Sauseng im Interview:

 

Spielerschutz

Nun wurde auch der Spielerschutz für das "kleine Glücksspiel", also das Spiel an den Automaten außerhalb der Casinos, neu geregelt. Mit drei Lizenznehmern, die nun noch die Standorte und Automaten genehmigen lassen müssen.

  • Es dürfen nur noch neue Automaten stehen, die an das Bundesrechnungszentrum angeschlossen werden, und es sind weniger als bisher
  • Es gilt absolutes Rauch- und Alkoholverbot
  • Es gibt Maximal-Grenzen für Einsatz (10 Euro) und Gewinn (10.000 Euro)

Ehemaligen Betreibern, die ihre Automaten einfach stehen lassen, drohen Strafen von bis zu 60.000 Euro. Einige davon hat es schon erwischt: "In Graz, Weiz, Voitsberg und Leoben hat es schon Beschlagnahmungen gegeben", berichtete Heinz Drobesch, Leiter der Abteilung 3 des Landes, zu der auch das Glücksspielreferat gehört.

Drobesch hofft, dass Bezirkshauptmannschaften und Polizei von Anfang an hart durchgreifen: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur Verwarnungen gibt, auch beim ersten Mal, weil ja dann die, die sich an das Gesetz halten, die Dummen wären."

Mindestens 3.500 Sterierinnen und Steirer sind spielsüchtig. 35.000 sind suchtgefährdet, ihre Angehörigen, Chefs und Kollegen erwischt es, weil sie finanziell n die Ziehung kommen, wenn sich einer ins Unglück manövriert. Gerald Pfeiffer war einer von ihnen. Heute klärt er andere über die Gefahren auf. "Spielsüchtig bleibe ich ein Leben lang, aber heute habe ich mich im Griff und gebe dem Impuls nicht nach."

Umwege zum "Glück"

Edith Zitz arbeitet beim Verein Jukus, in der Suchtprävention. Sie begrüßt den verstärkten Spielerschutz als Schritt in die richtige Richtung, aber: Auch die Sportwetten, die derzeit überhaupt keinem Spielerschutz unterliegen, müssten als "kleines Glücksspiel" definiert werden, sie stehe mit den Landtagsparteien bereits diesbezüglich in Kontakt. Und es müsse eine einheitliche Spielerkarte geben, die die Aktivitäten bei allen Betreibern erfasse.

Drobesch: "Darüber sind wir bereits im Gespräch, aber ich kann nichts garantieren." Ein weiterer Wermuthsttropfen sei, dass Online-Spiele keinerlei Beschränkungen unterliegen.

Quasi-Monopol

Julia Eckhart, Anwältin ehemaliger Betreiber, die ihre Lizenz verloren und sich um ihre Einnahmen geprellt sehen, spricht Klartext: "Das gesamte Glücksspielgesetz schaltet den Wettbewerb quasi aus. Bei der Werbung dürfen nicht Konsumentenschützer sondern nur die Aufsichtsbehörde prüfen, ob sie gesetzeskonform abläuft. Und das Interesse von Bund und Land ist in Wahrheit nicht der Spielerschutz sondern die Aufrechterhaltung, ja sogar Erhöhung der Einnahmen für den Staat."

Eckhart nannte ein Beispiel: Eine  Spielerin mit einem Arbeitslosenbezug in Höhe von 800 Euro habe in Kärnten, wo die neuen Automaten bereits in Betrieb sind, innerhalb von 7 Minuten und 30 Sekunden 1.000 Euro verspielt.  "Wo bleibt da der Spielerschutz? So weit darf es gar nicht kommen!"

Drobesch will jetzt einmal abwarten, wie das neue Gesetz in der Steiermark wirkt. Und Zitz verweist darauf, dass in der automatenfreien Zeit wertvolle Erkenntniss über das Suchtverhalten zu gewinnen sind. Die Fachstelle für Glücksspielsucht Steiermark bittet Spielerinnen und Spieler dringend, sich an einer Umfrage zu beteiligen, die darüber Aufschluss geben kann, was dazu beiträgt, beim Entzug zu unterstützen.



 

Kommentare (11)

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Olivia30
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Wer das Geld hat ...

bestellt die Musi! Alles Augenauswischerei, betreffs Glücksspielverbot. Es wird wieder Dutzende in dem Ruin und damit in den Selbstmord treiben. Aber das verschweigt man gewissentlich! Ich würde auch jede Werbung verbieten und solche Abzockertempel schließen!

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Efried
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Opferfonds

Es braucht einen Fond in den die Glückspielindustrie einzahlt und mit dem den für Kredite mithaftenden Verwandten und Firmen der Spieler geholfen wird.

Weiters verstehe ich nicht wieso schulnahe Spielhöhlen mit dem einfachen Club Trick "Zutritt nur für Mitglieder" durchkommen.

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MiauCerberus
1
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zum Glück!

Keine Ahnung wie viele Spielsüchtige es gibt aber mit 15.000 Österreich weit das ist einfach Falsch. 150.000 - 2.000.000 trifft es wohl eher. Am besten Automaten-Glücksspiel nur mehr in Casinos

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pesosope
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aha, und warum sollten Automaten nur mehr im Casino stehen dürfen?

...weil da nur mehr der Staat daran verdient?

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luxx
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neues Glückspiel

Ich habe das neue Glückspiel Gesetz genau durch gelesen. Es ist um vieles besser als das alte, aber nur wenn es seitens der zuständigen Behörde auch genau kontrolliert wird. Wir haben so viele ältere gut ausgebildete arbeitslose, warum kann man diese, nach einer gründlichen Einschulung nicht für diese Kontrollen beschäftigen. Die Polizei hat ja genug andere Arbeit. Nicht nur die Bedürfnisse der Novomatic entgegen zu kommen, sondern auch neue Jobs zu schaffen wäre innovativ gewesen .

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melisse
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"Wie werden die Spieler geschützt"....

Scherzkekserl, der Herr Reporter :(

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Vorurteil Einspruch
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Halbherzige Verbote

Glücksspiele gab es schon 2000 v Christus mit Knochen und Elfenbein Fundstätten sind in China Wenn man Verbote macht dann auch für Casinos Austria Spielautomaten, wovon 80 Prozent der Staat bekommt Bei Lotto ist die Gewinnchance unter einen Zehnmillionstel liegt für Hauptgewinn bei 1:140.000.000 Der Lottospieler unterliegt genauso einer Fehleinschätzung. Schätze in Österreich sind ca 15.000 Spielsüchtig sogenannte
pathologische Spieler Brieflose oder Idiotensteuer wird zweckentfremdet vom Staat und sind Glücksspiele wie Toto, Zahlenlotto. Nicht 9 Bundesländer 9 unterschiedliche Massnahmen sondern 1 Land 1 Glücksspielnovelle Ein kontrolliertes Organisiertes Spiel. Man spielt nun über Internet.Es probierten einige sogar beim Milliardengewinn in den USA dabeizusein.

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Efried
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Reiche sind eher im Casino und überleben das auch...

Das ist eine Frage des Stils.
Fragen Sie mal Hannes K.!

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Gewissenhafte
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Weg damit

Seit 1.1.2016 sind die ganzen Wettlokale leer und teilweise geschlossen! Das sollte auch so bleiben. Konten werden in Zukunft weniger überzogen, Scheidungen, Einbrüche und die Privatkonkurse werden auch zurück gehen. Also bitte geschlossen lassen!!!!!

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Felix2109
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Überfälle bis hin zu Selbstmord bitte nicht zu vergessen....diese Konzerne haben ja eh schon mehr als genug abgesahnt!

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pesosope
1
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Vollkommen richtig.....

....Sie meinen ja eh auch die dem gesetzgeber gehörenden Lotto-, Toto-, Bingo-Stellen und vor allem die millionenschweren Casinos?

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