Parteipolitik purJoanneum: Aufregung um schwarz-roten Posten-Deal

Die Neubesetzung der Chefs im Universalmuseum Joanneum wird auch als politische Farce wahrgenommen. Auch im Landesschulrat wird es spannend.

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Die Chefsuche im Universalmuseum Joanneum hat ein deftiges Nachspiel: Mit schriftlichen Anfragen an LH Hermann Schützenhöfer und Kulturlandesrat Christopher Drexler (beide ÖVP) wollen die Grünen die ominösen Vorgänge beleuchten. „Ich gehe davon aus, dass der Landesrechnungshof diesen Bestellvorgang prüft“, sagt Grünen-Klubchef Lambert Schönleitner. Sogar der Grazer VP-Kulturstadtrat Günter Riegler räumt ein, dass „die Optik schlecht“ sei.

Von Drexler wollen die Grünen etwa wissen, wieso es für das zweitgrößte Museum Österreichs „keinen qualitätvollen Findungsprozess“ unter Beiziehung internationaler Museumsexperten gab. Die Antwort ist klar: Es war kein Aufwand nötig, denn das Resultat stand von vornherein fest. Der bisherige Alleingeschäftsführer Wolfgang Muchitsch war fachlich unbestritten, seine Weiterbestellung fast eine Formsache.

Der neue zweite Chefposten hingegen ist Parteipolitik pur. Der 125.000-Euro-Job musste dringend her, um die Ex-SPÖ-Landtagsabgeordnete Alexia Getzinger zu versorgen. Die ist zwar eine angesehene Kulturmanagerin, nun soll sie aber plötzlich als Museumsfinanzchefin mit einem 38-Millionen-Euro-Budget agieren.

Blick in die Vergangenheit

Wie dreist man vorging, zeigt ein Blick zurück ins Jahr 2015: Damals vereinbarten Schützenhöfer und SPÖ-Vize Michael Schickhofer eine Halbzeitlösung im Landesschulrat. Präsidentin Elisabeth Meixner (ÖVP) und Vizepräsidentin Getzinger (SPÖ) sollten per Jahresende 2017 ihre Jobs tauschen, also Getzinger dann Präsidentin und Meixner Vize werden. Doch dann funkte die Bildungsreform des Bundes dazwischen. An der Spitze der neuen „Bildungsdirektion“ gibt es nur mehr eine(n) „Bildungsdirektor(in)“, aber blöderweise keinen Stellvertreter mehr. Damit hätte Meixner – sie ist freigestellte Lehrerin an der Neuen Mittelschule in Gnas – womöglich zurück in den Unterricht müssen.
Das galt es zu verhindern, zumal Meixner in VP-Funktionärskreisen gut vernetzt und anerkannt ist. Schon 2016 versuchte die ÖVP vertraulich, das Schulratspaket aufzuschnüren. Reaktion der SPÖ: Meixner könne Präsidentin bleiben, aber dann müsse für Getzinger eine „andere Lösung“ her.

So kam es, dass ÖVP-Landesrat Drexler notgedrungen für die SPÖ-Frau auf Jobsuche ging. Kurz zuvor hatte Getzinger noch als ÖVP-Feindbild gegolten, weil sie für die SPÖ-Kinderfreunde ständig hohe Landesförderungen lukrierte.

Nun aber agierte die steirische „Zukunftspartnerschaft“ in höchster Pracht und Vollendung. Die Joanneum-Führung spaltete man auf, der Finanzjob wurde völlig ungeniert auf Getzinger zugeschnitten: Gesucht wurde nicht etwa ein Betriebswirt, sondern jemand mit Studium „vorzugsweise im Bereich Kulturmanagement“ (das studierte Getzinger). Weitere Schmankerln aus dem Stelleninserat: Ideal wären Führungserfahrung in einer „Bildungseinrichtung“ sowie „Vernetzung mit Schulen und Bildungseinrichtungen“. Also Landesschulrat!

Getarnt wurde die böse Absicht nur notdürftig, indem man dem neuen Finanzchef – neben der kaufmännischen Führung – auch die „Entwicklung von Angeboten im Jugend- und Bildungsbereich“ zur Aufgabe stellt. Getzinger soll das Museum mit den Schulen vernetzen (allerdings gibt es im Joanneum bereits jetzt ein exzellentes Schulkarten-Modell für jährlich 26.000 Schüler).

Heikle Aufgabe

Ergebnis ist also eine bemerkenswert unscharfe Rollenverteilung der Geschäftsführer und ein Anforderungsprofil, über das die Fachwelt lacht. Die Ausschreibung sei „komplett unlogisch“, urteilt etwa der Finanzvorstand der renommierten Chip-Schmiede ams AG, Michael Wachsler-Markowitsch. Auch der Wiener Gesellschaftsrechtsanwalt Lukas Fantur hält das Vorgehen für unüblich. Man kann hinblicken, wo man will: An der fast namensgleichen FH Joanneum wurde soeben ein kaufmännischer Chef bestellt – er heißt Martin Payer und ist Betriebswirt. Für das Internationalisierungscenter Steiermark läuft gerade die Ausschreibung – gesucht wird ein Betriebswirt.

Aber alles wurscht. Getzinger wird heikle Aufgaben lösen müssen. Der Haushalt des Museums besteht aus 220 Teilbudgets, er ist nur mit 1,5 Millionen Euro Eigenkapital unterlegt. Spätestens 2019 wird die Finanzsituation dort brisant.

Auch im Landesschulrat wird's spannend

Auch bei Meixner wird es noch spannend: Die steirische Bildungsdirektion wird erst mit Verspätung 2019 geschaffen. Und sie wandert von der ÖVP zur SPÖ, zuständig ist künftig Bildungslandesrätin Ursula Lackner. Im Jahr 2020 wird der Direktorjob neu ausgeschrieben. Ob Meixner bleiben kann, ist offen. Laut Gesetz ist für den Job ein Uni-Studium nötig.

Kommentare (17)

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stadtkater
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125.000 Euro-Job?

Dabei dürfte es sich aber nur um das Fixum handeln, denn es ist doch auch eine variable Fundraising-Prämie für zusätzliche Sponsorengelder vereinbart. Und dazu kommen noch anteilige Abfertigungs- und Betriebspensionsansprüche und Dienstgeberbeiträge.

Was kostet denn die bisher nicht notwendige Vize-Stelle insgesamt tatsächlich?

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office1
1
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Die Grünen

hier sieht man wieder, wie wichtig die Grünen sind!! Oder glaubt jemand, dass die Blauen, die Schreihälse, hier etwas faul finden? Sicher nicht, denn es ist ja Koalitionsverhandlung!! Ein Gesindel sondergleichen. Frau Meixner zu fein, um in NMS zu unterrichten!! So wenig Gehalt gegenüber einer Landesschulratspräsidentin!! Und erst die wichtigen Inspektoren! Auch in der Lehrerausbildung in der Theodor-Körner-Str. müssen sie mit"wirken". Ohne Studium!!! Alles nur gewöhnliche Lehrer. Zumindest bei den Berufsschullehrern.

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calcit
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Die Grünen sind so lange wichtig...

...solange sie nicht selbst am Futtertrog sitzen. Bestes Beispiel: Wien und die Grünen in der Stadtregierung.

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goje
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die grünen

sind wichtig, keine frage. jedoch krähte auch dort vor sechs, acht wochen kein hahn nach dem procedere. zu der zeit war das thema längst bekannt. aber kein pieps von den grünen. jetzt besinnt man sich plötzlich?

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checker43
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goje

Vor sechs, acht Wochen war auch noch nicht bekannt, wer es wird. Das wurde erst am 22.10. verlautbart. Reichen Ihnen sechs Tage Reaktionszeit?

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blackpanther
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Gruselige Optik

Eine Landesschulratvizepräsidentin wird plötzlich Finanzchefin im Kulturbereich, ein Liste Kurz-ÖVPler Riegler, der selbst einräumt, dass die Optik schlecht sei, ein weiterer Liste Kurz-ÖVPler Drexler, der für eine SPÖlerin auf Jobsuche gehen muss... hier wird offenbar schamlos das alte Spielchen gespielt, von der von Basti vielgepriesenen Erneuerung ist hier nichts zu sehen - was sagt eigentlich Basti zu diesem Skandal?

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tannenbaum
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Na, dann wartet einmal ab, was da an Postenschacherei mit der neuen Bundesregierung auf uns zukommen wird! Haben alle die Regierung Haider - Schüssel schon vergessen? Scheinbar, sonst könnte nicht so ein Wahlausgang zustande kommen! Das wird uns Steuerzahler wieder teurer zu stehen kommen!

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calcit
2
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Ja genau...

...weil die Roten so was ja überhaupt nicht machen...

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burgring0
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Sind Sie Hellseher....

...oder lesen sie Tal Silberstein ?

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hcandussi
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Nun ja, wir werden sehen, ...

... wie Kulturstadtrat Riegler es mit der Optik bei der Besetzung des Grazer Kulturamtsleiterpostens halten wird. Das bisherige Prozedere von Schwarz-Blau in dieser Sache läßt nichts Gutes erwarten.

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checker43
0
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Wieso nur

den zahnlosen Landesrechnungshof damit beschäftigen, Herr Schönleitner? Wäre nicht eine Prüfung auf Amtsmissbrauch empfehlenswerter?

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voit60
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eine absolute Sauerei

und da brauchen sich die Herrn Politiker nicht wundern, dass sie in der Bevölkerung unten durch sind.
Kleine Hauptschullehrerin mit wichtigen Parteibuch darf Landesschulratspräsidentin sein, da wundert es einen nicht. Gleiches gilt dann für ihre Stellvertreterin, die keine Ahnung von einem Museumsbetrieb hat, bzw. keine Ahnung von Finanzen hat, bekommt diesen Posten.
Einfach nur grauslich diese Optik.

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alsoalso
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Meixners Vater war ....

öVP Landtagsabgeordneter .....so bleibt alles in der Familie ...Clanbildung !

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alsoalso
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Meixners Vater war ....

öVP Landtagsabgeordneter .....so bleibt alles in der Familie ...Clanbildung !

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voit60
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"schwarz-roter Postendeal" stimmt wohl nicht ganz,

denn es handelt sich hier wohl eher nur um einen schwarzen Postendeal, damit die Hauptschullehrerin nicht wieder in die Neue Mittelschule nach Gnas zurück gehen muß.

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Lodengrün
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Überrascht uns das?

Beschäftigt man sich etwas mit unserer Steiermark dann wird einem bald bewußt das trotz heftiger Beteuerungen "gepackel" wird was das Zeug hält. Wer sitzt in der Theaterholding? Ja da war ein hearing, aber wer wurde eingelanden? In ganz Europa ließ sich offensichtlich niemand besserer finden als Herr Rinner. Wie kamen wir zu der Ehre von Herrn Graf bei der Energie Steiermark.
Ich finde die Installierung eines mir bekannten Gesichtes nicht verwerflich. Nur dann soll er auch die Qualifikation in irgendeiner Weise dafür haben. Und von Parteiseite soll man auch dazu stehen.
Und die Blauen? Die betreiben das offen und in einem kaum erlebten Engagement.

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schetzgo
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Respekt der Kleinen Zeitung für's Aufdecken der Packelei

Endlich erfährt auch einmal der einfache Leser, wie"die da oben" es sich richten!
Macht doch einfach einen Sündenkatalog, der den Parteien dann VOR der nächsten Wahl unter die Nase gehalten wird!

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