PersonaliaWolfgang Muchitsch und Alexia Getzinger neue Joanneums-Spitze

Bisheriger Direktor bestätigt. Kaufmännische Leiterin für steirisches Universalmuseum kommt aus dem Landesschulrat.

Die neue Joanneums-Spitze: Wolfgang Muchitsch und Alexia Getzinger © Johannes Repelnig
 

Wolfgang Muchitsch und Alexia Getzinger bilden wie berichtet das zukünftige Führungsduo des steirischen Universalmuseums Joanneum (UMJ), wurde bei einer Pressekonferenz am Montag in Graz nun auch offiziell mitgeteilt. Muchitsch war bereits Direktor des Museums und wurde nun als wissenschaftlicher Leiter bestätigt. Getzinger fungiert derzeit als Vizepräsidentin des steirischen Landesschulrats.

Die Entscheidung nach den Hearings am 19. und 20. Oktober wurde bereits seit Wochen kolportiert. Muchitsch (54) leitete nach dem Ausscheiden von Peter Pakesch das Joanneum zwei Jahre allein. Nun wird die frühere SPÖ-Landtagsabgeordnete Alexia Getzinger (50) zusätzlich als kaufmännische Leiterin tätig sein. Beide übernehmen ihre Aufgaben am 1. Jänner 2018 bis zumindest Ende 2022.

Franz Marhold, Leiter der Hearing-Kommission und Aufsichtsratsvorsitzende des UMJ, nahm Stellung zu den medial kolportierten Hintergründen: Er betonte, dass die Geschäftsführung vorschriftsmäßig auszuschreiben war und argumentierte auch, weshalb sich nur wenige Bewerber gemeldet hatten. Er meinte, dass sinkende Kosten und steigende Besucherzahlen ein Bild einer funktionierenden Führung abgeben. Zudem würden sich generell weniger Bewerber melden, wenn der bisherige Leiter sich wieder bewirbt. "Diese Situation ist mir aber tausend Mal lieber" als weniger Besucher.

Ein Generalist

Inhaltlich sagte Marhold, dass sich nun die alleinige Geschäftsführung von Muchitsch mehr in Richtung wissenschaftliche Leitung verschieben wird. Der 54-Jährige bringe die entsprechenden Perspektiven und Qualifikationen mit - "im deutlichen Abstand zu den sonstigen Bewerbern", unterstrich Marhold. Er sei ein Generalist und genau das habe man gesucht, "keinen Chef-Kurator". Muchitsch soll die einzelnen Häuser mit einem Leitmotiv unterstützen und damit "leitmotivierend" sein.

Aus kaufmännischer Sicht habe man bisher eine "ausgezeichnete wirtschaftliche Situation erzeugt - die Latte war hoch", so der Aufsichtsratsvorsitzende. Nun habe man nach einer zusätzlichen Vernetzung des Hauses gesucht, nämlich in der Region, lokal und grenzüberschreitend. Von Getzinger, die ein Kulturstudium absolvierte sowie berufliche Erfahrungen mitbringe, erwarte man sich neue Sponsoren. Sie sei auch bereit gewesen, diese erwartete Sponsorsteigerung an ein variables Gehalt zu knüpfen, schilderte Marhold.

Der neue Team-Chef

Muchitsch sagte bei der Pressekonferenz: "Ich bin nicht der neue Spitzenstürmer, sondern der neue Team-Chef. Gemeinsam wollen wir zum Erfolg kommen, einmal schießt der eine ein Tor, dann wieder ein anderer." Er wolle auch künftig die gesellschaftlichen Fragestellungen aufgreifen und der Interdisziplinarität treu bleiben. Die Häuser sollen autonom bleiben - er wolle die Vermittlung in den Fokus nehmen sowie die Balance zwischen Kunst, Kultur und Natur in Kooperation mit den Regionen.

Getzinger meinte, dass die Findung mit den medialen Begleitgeräuschen zwar ein "mühsamer Weg" gewesen sei, aber sie freue sich "unbändig" über ihre neue Aufgabe: Sie wolle "auf's Gerstl schauen", die Subventionen erhalten und mehr Drittmittel - auch von der EU - akquirieren. Zusätzlich sollen noch mehr Kinder, Jugendliche und Studierende angesprochen werden - etwa mit digitalen Rundgängen und Apps.

Kulturlandesrat Christopher Drexler und Kulturstadtrat Günter Riegler (beide ÖVP) blickten nach der Bestellung der neuen Leitung auf die Aufgaben der kommenden Jahre: Die unter dem Arbeitstitel "Steiermark-Expo" laufende Neuauflage der alten Landesausstellungen sowie das geplante Kulturjahr 2020 in Graz. Für die "Steiermark-Expo" soll es übrigens ein eigenes Budget geben. Ein genaueres Konzept soll im ersten Quartal 2018 stehen. Drexler würde dieses gerne schon 2019 erstmals umsetzen und nicht erst im Wahljahr 2020.

Die Steckbriefe

Wolfgang Muchitsch stammt aus Graz, wo er Geschichte sowie Anglistik und Amerikanistik studierte. Nachdem er wissenschaftliche Universitätsprojekte in England, Nordirland und Wien geleitet hatte, war er ab 1995 im Büro des Ersten Landeshauptmannstellvertreters Peter Schachner (SPÖ) im Bereich Kultur tätig. 2003 wurde er gemeinsam mit Peter Pakesch zum Geschäftsführer des Universalmuseums Joanneum ernannt, wo er nach dem Ausscheiden von Pakesch ab September 2015 allein an der Spitze stand. Muchitsch ist seit 2012 Präsident des Museumsbunds Österreich.

Alexia Getzinger wurde in Klagenfurt geboren und erwarb einen Master of Advanced Studies (MAS) des "European Executive Management Programme for the Arts and Media" der Johannes-Kepler-Universität Linz und des International Center for Cultural Management Salzburg. Sie war von 2010 bis 2015 Landtagsabgeordnete (SPÖ), anschließend wurde sie Vizepräsidentin des steirischen Landesschulrats.

Kommentare (1)

Kommentieren
hcandussi
2
2
Lesenswert?

Die muss gut sein, die Frau Getzinger, ...

... denn andere hätten das nur mittels Postenschacherei geschafft.

Die nächste Filiale des parteipolitischen Selbstbedienungsladens eröffnet in Kürze im Kulturamt der Stadt Graz.

Antworten

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.