Poison Ivy

Giftpflanze wächst am Grazer Plabutsch

Nach der Entdeckung des gefährlichen Giftsumachs geht Experte von weiteren Standorten um Graz aus. Ausrottung wird zu Kampf gegen die Zeit. Auch andere fremde Pflanzen werden zur Bürde. Von GÜNTER PILCH, ROBERT PREIS

Christian Berg, Gartenleiter im Botanischen Garten © Botanischer Garten
 

Die Nachricht erschütterte nicht nur die Welt der Botaniker. In einem Garten im Grazer Westen wächst der bislang in Österreich unbekannte Kletternde Giftsumach, eine aus den USA stammende Pflanze, die schwere Hautverätzungen auslösen kann und dort deshalb „Poison Ivy“ genannt wird. Nun steht für Experten aber so gut wie fest: Das giftige „Kraut“ wächst auch am Plabutsch.

„Ich gehe davon aus, dass es sich bei der gefundenen Pflanze nur um einen Sekundärfund handelt“, stellt Christian Berg, Gartenleiter im Botanischen Garten, fest. Im selben Atemzug nimmt er aber die Angst vor der Giftpflanze mit dem wissenschaftlichen Namen Toxicodendron radicans (L.) Kuntze: Die erste Berührung sei oft harmlos, die Allergie baue sich erst nach und nach auf. Vorsicht ist dennoch geboten, denn mehrmaliger Kontakt könne zu schweren Verätzungen führen.

Noch ist unklar, wie man mit der Pflanze umgehen wird. Wolfgang Hübel, Sicherheitsmanager der Stadt Graz, bestätigt: „Wir werden nächste Woche eine Entscheidung treffen.“ Bis dahin werde recherchiert, was die beste Methode sei, um sich der Pflanze ein für alle Mal zu entledigen. Die Zeit drängt, Mitte des Monats steht die Blüte der Pflanze bevor.

Doch der Giftsumach ist nicht die einzige exotische Pflanzenart, die sich in der Steiermark breitmacht und ein Verletzungsrisiko birgt. So hat der aus dem Kaukasus stammende, bis zu vier Meter hohe Riesenbärenklau in den vergangenen Jahrzehnten bereits ganze Bachläufe und Waldlichtungen erobert. Das Problem: Er verdrängt durch sein wucherndes Wachstum nicht nur heimische Pflanzenarten, sein Saft ist für den Menschen auch giftig.

„Bei Hautkontakt entstehen Blasen, sogar Verbrennungen dritten Grades sind möglich“, sagt Andrea Krapf vom Naturschutzreferat des Landes. Beseitigt werden kann die Pflanze nur mit Schutzanzügen. „Aber man erwischt meistens nicht alles und der Bärenklau breitet sich weiter aus.“

Ähnlich verhält es sich bei der aus Nordamerika stammenden Ambrosie, bekannt auch unter der Bezeichnung Ragweed. Sie war einst über verunreinigtes Vogelfutter nach Mitteleuropa gelangt und wuchert seither immer weiter. Die besonders aggressiv wirkenden Pollen der Pflanze setzen Allergikern schwer zu. „Und die Blühzeiten dauern vom Ende der Gräsersaison bis zum ersten Frost“, sagt Krapf.

Ebenso aus Nordamerika stammt die Robinie. „Rinde und Samen sind giftig, wenn man sich an einer Dorne sticht, entzündet sich die Wunde. Solche Fälle hatten wir schon mehrfach“, erklärt Krapf. Auch der eingeschleppte Götterbaum kann Hautausschläge hervorrufen. Der Buchkogel bei Graz ist mit diesen Gewächsen bereits überzogen.

Aussichtsloser Kampf

Die meisten der eingeschleppten Pflanzenarten, in der Fachsprache Neophyten genannt, sind vor Jahrzehnten als Zierpflanzen zu uns gekommen. Die Abwesenheit natürlicher Konkurrenten ließ einige der Arten dann ungehemmt wachsen. „Das Drüsige Springkraut etwa hat sich bereits so stark verbreitet, dass der Kampf fast schon aussichtslos geworden ist“, meint Krapf. Am 2. Juli bläst das Land Steiermark deshalb wieder zum Aktionstag gegen invasive Neophyten, um zumindest das Schlimmste einzudämmen.

Kommentare (1)

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styrianprawda
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2
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Eifrige Behörden?

Voriges Jahr habe ich das Stadtgartenamt auf einen riesigen Riesenbärklau unmittelbar an einer Bushaltestelle aufmerksam gemacht.

Als nach 2 Wochen nichts geschehen war, habe ich nachgefragt, wie lange es noch dauern wird.
"Jaaa, der befindet sich teilweise auf Privatgrund. Da werden wir noch schauen, was wir machen."

Noch eine Woche konnte der vor sich hin wuchern, bis er endlich enfernt wurde.

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