Zuletzt aktualisiert: 13.02.2011 um 08:08 UhrKommentare

Tiefe Trauer um Peter Alexander

Peter Alexander, dereinst Megastar der deutsch-österreichischen Show-Branche, ist am Samstag im Alter von 84 Jahren in Wien gestorben. Rückblick auf eine große Karriere.

Foto © APA

Vielleicht haben sie ihm da oben zum Empfang ja einen Salut geblasen. Ohne Zweifel hätte sich Peter Alexander dann an den Film erinnert, mit dem alles begann. Er hieß "Der Engel mit der Posaune", entstand 1948 und Peter Alexander hatte darin eine kleine Statistenrolle. 39 weitere Filme sollten folgen, sehr bald spielte der eloquente Wiener größere, dann nur noch Hauptrollen.

Aus dem Umfeld der Familie erreichte uns am Samstag die Nachricht, dass Alexander verstorben ist. Nähere Umstände waren bei Redaktionsschluss nicht bekannt. Dem Vernehmen nach soll er am Montag im Familiengrab in Grinzing beigesetzt werden. Er war wie gemacht für diese Zeit nach dem großen Krieg. In Person so harmlos, wie es gerne das ganze Land in den furchtbaren Jahren zuvor gewesen wäre. Ein charmanter Typ, dem man alles verzeihen konnte, so wie man sich so gerne verziehen hätte.

Auf der Butterseite

Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer, Sohn eines Bankangestellten und einer Hausfrau, hatte nach schulischen Schwierigkeiten in Wien 1944 im heute tschechischen Znaim die Matura geschafft. Danach wurde er zur Kriegsmarine eingezogen, um zu seinem Glück in britischer Gefangenschaft zu landen. Sein Leben neigte sich offenbar schon früh auf die Butterseite: Die Monate militärischer Haft nutzte er dazu, sein schon vorher notorisches Show- und Parodietalent vor den Mitgefangenen zu erproben und zu optimieren.

Fescher Lausbub mit Leidenschaft

1946 unterzog er sich dann einer professionellen Ausbildung am Wiener Max Reinhard Seminar. Danach stürzte er sich regelrecht ins Filmgeschäft. Es waren die Feel-good-Regisseure jener Zeit, Franz Antel und vor allem Géza von Cziffra, die den feschen Lausbuben mit zunehmender Leidenschaft engagierten.

Ihre Filme trugen Trost verheißende Titel wie "Liebe, Tanz und 1000 Schlager", "Die süßesten Früchte", "So ein Millionär hat’s schwer" und ähnlich. Später kamen diverse Wachau-Operetten und die Graf-Bobby-Serie mit dem kongenialen Blödler Gunther Philipp dazu. Daneben nahm er Platte um Platte auf, 120 sollen es insgesamt gewesen sein. Die Verkaufsauflage wird auf 54 Millionen geschätzt. In Summe könnte man seine Film- und Sangeskarriere unter dem Titel seines bekanntesten Schlagers stellen: "Komm mit und steck dir deine Sorgen an den Hut". Sein Publikum sah buntes Rampenlicht statt fahler Flakscheinwerfer.

Publikumsliebling

Das alles war nur sein Fundament, der Aufstieg in den Olymp der Megastars, und ein solcher war er in den Siebziger- und Achtzigerjahren, führte über das Fernsehen. Und zwar das gute alte deutsche Fernsehen mit seinen Rundfunkorchestern, seinen Balletts und seiner Hauptabendunterhaltung, für die es damals noch ein einig Vaterland gab. In seinen besten Zeiten versammelte der Wiener Charme-Export mit seiner Peter-Alexander-Show bis zu 40 Millionen Seher vor den Bildschirmen. Vor nunmehr 15 Jahren ging die Peter-Alexander-Show ins Finale.

Er war vermutlich der erste echte Voll-Entertainer deutscher Zunge. Frank Sinatra, Sammy Davis und Dean Martin mögen seine Vorbilder gewesen sein. Doch während das "Rattenpack" (Eigendefinition) Fässer von Whisky leerte und zahllose Groupies ins Bett zerrte, nippte Peter Alexander bloß artig am Veltliner.

Geliebte Frau und Managerin

Vermutlich hatte das mit dem stabilisierenden Einfluss seiner geliebten Frau und später gestrengen Managerin Hilde zu tun. In den besten Zeiten vertraute er sich ihr bis an die Grenze zur Entmündigung an, Journalisten wussten, dass ohne sie absolut nichts ging, und ordneten sich ihrem bisweilen rigiden Diktat unter. Aber sie schaffte es auch, ihren Mann durch die auch damals schon turbulenten Fährnisse einer Branche zu geleiten, die schon manche Kollegen Alexanders das Leben vor dem Tod gekostet hatte. Als Hilde 2003, nach 51 Jahren Ehe, überraschend starb, muss ihm buchstäblich ein Teil seines Herzens gebrochen sein. Mit einer radikalen Konsequenz zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück. Nur sein allerengster Freundeskreis hatte noch Zutritt zu seiner Grinzinger Villa. Sein Haus am Wörthersee hatte er schon lange gemieden. Der Unfalltod seiner Tochter Susanne 2009 ließ ihn vollends in sich kriechen.

Alexander war ein Künstler, dem schon zu Lebzeiten viele Kränze geflochten wurden: Bambi, Goldene Kamera, Romy, Bundesverdienstkreuze, Ehrenringe etc. pp. hat er bekommen. Auf Erden hätte man ihm nicht mehr viel Gutes tun können. Nun, da er unzweifelhaft „oben“ gelandet ist, haben sie doch hoffentlich wenigstens gesungen, wenn gerade keine Posaune zur Hand war.

Mitarbeit Achim Schneyder

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Biografie

  • Peter Alexander (eigentlich Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer; * 30. Juni 1926 in Wien) war ein österreichischer Sänger, Schauspieler, Entertainer und Showmaster.

    Er gehörte vor allem in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren zu den populärsten Unterhaltungskünstlern in Österreich und der BRD.

Entertainer und Filmschauspieler

  • Alexander trat von 1952 bis 1972 als Darsteller in insgesamt 38 Unterhaltungs- und Revuefilmen auf, in denen er zumeist auch als Sänger zu hören war.

    Von 1969 bis 1995 erzielte die Peter Alexander Show, in denen er als moderierender Gastgeber, Entertainer, Parodist und Sänger auftrat, hohe Einschaltquoten im Fernsehen.

Auszeichungen

  • Peter Alexander erhielt mehr als 50 Auszeichnungen und Preise, darunter zehn Bambis.

Erinnerungen

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