Der Neos-Chef im Kleine-TalkStrolz will "Tempomacher" in der Regierung sein

Zu Gast im Kleine-Talk war Dienstag in Klagenfurt Neos-Spitzenkandidat Matthias Strolz. Er will die Grünen überholen und als viertstärkste Partei in der Regierung mitmischen: Ganztagsschule und gemeinsame Schule der 10 - 14-Jährigen seien Koalitionsbedingung.

Strolz stellte sich an der Universität Klagenfurt den Fragen
Strolz stellte sich an der Universität Klagenfurt den Fragen © KLZ/Weichselbraun
 

Es war wie eine Rückkehr: Der gebürtige Vorarlberger Matthias Strolz, Neos-Spitzenkandidat für die Nationalratswahl, hat sein Doktorat an der Universität Klagenfurt (interuniversitäres Institut) gemacht. Gestern war er nach Langem wieder dort, dank der Kleine-Zeitung-Diskussion „Mittendrin in der Bildung“ – energiegeladen, wie man den 44-Jährigen kennt. Ob es auch Momente gibt, in denen er nicht übermäßig viel Energie habe, wollten Carmen Lienbacher und Jörg Stückler von der jungen Jury wissen. „Jetzt im Wahlkampf, wenn die Tage um 5.30 Uhr beginnen und gegen Mitternacht enden, bist am Wochenende ziemlich paniert. Aber ich brauch nur einen Tag und bin wieder voll da“, gab Strolz Einblick in seinen Energiehaushalt. Wie so oft verwies er auf seine bäuerlichen Wurzeln: „Als Bergbauernkind habe ich das Anpacken mitgekriegt.“

Der Live-Stream zum Nachschauen

Zweistelliges Ziel

Anpacken wollen es die Pinken am 15. Oktober. Ein zweistelliges Ergebnis würde „ihn glücklich machen“, sagte der Parteigründer zu Moderator Uwe Sommersguter und verwies auf einen „leichten Aufwärtszeiger“. 4,9 Prozent waren es 2013. Diesmal will Strolz in Regierungsverantwortung, will „Tempomacher sein“: in der Regierung oder im Parlament.

Um jeden Preis in die Regierung zu wollen, diesen Eindruck wies er zurück. „Sicher nicht. Aber billig wollen wir es nicht geben.“ Die Neos wollten viertstärkste Partei werden - noch vor den Grünen - und damit Tempomacher auch in bezug auf die künftige Regierung. Es gebe Koalitionsbedingungen: allen voran das Schwerpunktthema Bildungswende mit der freiwilligen Ganztagsschule, mit der Gesamtschule mit mittlerer Reife, „die so bunt wie das Leben sein darf“. Die Steuerabgabenquote müsse über acht Jahre auf 39 Prozent gesenkt werden, „damit den Menschen zehn Prozent mehr in der Geldtasche bleiben“. Zudem: Pensionsreform und Bekenntnis zu Europa.

Im Gespräch mit Strolz war als Experte dieses Salons Oliver Vitouch, Rektor der Alpen-Adria-Universität und Präsident der Universitätskonferenz, zu Gast. Vitouch hinterfragte, was gegen ein „österreichisches Apartheidsystem an Schulen“ getan werden könne, und Strolz antwortete mit dem Hinweis auf die Niederlande. Es brauche höhere Finanzierung an Schulen mit Kindern von Eltern mit niedrigem Bildungsstand. „Wir müssen uns mehr um Durchmischung bemühen, sonst droht uns Spaltung“, warnte der Neos-Chef. Er tritt für Studiengebühren ein, für einen Universitätenplan, für autonome Unis und ein Studienplatz-Finanzierungsmodell, für den Ausbau der Stipendien.

Mittendrin Strolz Universitaet Klagenfurt
Rektor Oliver Vitouch: Was tun gegen ein "Apartheidsystem" in der österreichischen Bildungslandschaft? Foto © Kleine Zeitung Helmuth Weichselb
 

Wie Österreich enkelfit werden soll, hinterfragte Vitouch. Bei den Ausgaben könnten binnen acht Jahren 19 Milliarden schaffbar sein, meint Strolz. Also weg mit den Sonderpensionen, ab 61 entscheiden die Leute selbst über ihren Pensionseintritt. Weg mit Doppel- und Dreifachförderungen, Umsetzen der Transparenzdatenbank, weniger Parteienförderung. Die Grundsteuer könnte erhöht werden. In Sachen Erbschaftssteuer meinte Strolz: „Wir haben mit der Kapitalertragssteuer eh eine Light-Form. Das ist okay so.“

Irmgard Griss, Allianzpartnerin und Zweite auf der Liste, würde Strolz mit auf eine einsame Insel nehmen. Seitenhieb auf Mitbewerber: „Jetzt bauen uns alle die Bewegung nach. Doch wir sind einen Schritt weiter, wir bauen Allianzen.“

Großspender

Wie’s um Großspender steht? „Hans Peter Haselsteiner kann sich von mir nie etwas wünschen“, stellte Strolz klar und rechnete vor: „Uns fehlen noch 600.000 Euro. Wir haben 50 Prozent des Wahlkampfbudgets der Grünen und ein Fünftel jenes von SPÖ und ÖVP.“

Im Spiegel der "jungen Jury"

Nach einem langen Wahlkampftag und vor dem Eishockey-Match, zu dem Matthias Strolz nach der Debatte aufbrach, wirkte er gestern entspannter als im ORF einen Tag zuvor. Er komme „menschlich“ rüber, wirke „sehr sympathisch“, fanden Lorenz und Simone von unserer „jungen Jury“.

Die sprachlichen Bilder beeindruckten die Jungen – der ehemalige Kommunikationsberater, der dem heutigen ÖVP-Spitzenkandidaten Sebastian Kurz dereinst, als der 15 war, seinen ersten Rhetorikkurs verpasste, gehe auch heute kreativ mit Sprache um, beobachteten Teresa und Martin.

Das Hauptthema des Abends war die Bildung – Lehre, Schule, Universität. Christian empfindet die Pläne für die Frühförderung der Kinder als sehr wichtig und gelungen und auch die Vorschläge dafür, dass die Lehre ausgebaut, dass junge Menschen vor allem bei der Karriereplanung unterstützt werden, seien gut. „Wobei ich hier das Problem eher am Standing der Lehre innerhalb der Gesellschaft sehe und nicht an der Qualität der Ausbildung.“

Für Martin war es fast ein wenig überraschend, dass der eloquente und bildungsaffine Neos-Spitzenkandidat auch so positiv über die Lehre gesprochen hat. Allerdings: Strolz war ja selbst Unternehmer, arbeitete viel für die Wirtschaftskammer, hat einen guten Einblick in die duale Ausbildung in Österreich.

Was spielte sich in den Augen unserer jungen Beobachter politisch ab? „Spitzen gegen Kern gab es einige, gegen Kurz aber kaum, oder?“, beobachtete Martin. Auch das ein Hinweis darauf, dass die Wurzeln der Neos in ÖVP-Gefilden liegen, obwohl Strolz betonte: „Ich habe für die ÖVP gearbeitet. Mitglied war ich nie.“

Das einzige „Minus“ in den Augen der jungen Jury: „Man merkt, dass Herr Strolz gerne mit Detailwissen punktet. Das führt leider oft dazu, dass er eine umfassende Rede hält und der springende Punkt gar nicht mehr herauszuhören ist.“

Kurz und bündig habe Strolz dann vor allem gegen Ende gewirkt, bei der Beantwortung der Leserfragen. Christian: „Ich würde mir wünschen, dass das öfter der Fall ist.“

Nächster Termin

Das nächste Mal heißt es am 22. September ab 17 Uhr „Mittendrin im sicheren Leben“ mit Peter Pilz (Liste Pilz) in Kapfenberg: im Livestream via kleinezeitung.at und in der App.

Kommentare (1)

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HerbertKoenig
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12
Lesenswert?

Bitte unbedingt ansehen...

Sind die Verfehlungen der Blauen, Als Beispiel 60 solcher Verfehlungen.
Bei Google folgendes einfügen:

Lauter Einzelfälle? - Mauthausen Komitee Österreich

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