Diskussion in Wien

Umweltgefährdung durch Mikroplastik: Viele Fragen sind noch offen

Mikroplastik hat in der Natur nichts verloren - wie schlimm jedoch die Auswirkungen für die Umwelt sind, darüber sind sich Experten derzeit nicht einig. Es fehlt an genauen Daten über diese winzigen Kunststoff-Teilchen.

Plastikmüll am Meeresgrund - wo landet der Mikroplastik-Müll? © Richard Carey - Fotolia
 

Winzige Kunststoff-Teilchen etwa aus Kosmetika, vom Reifenabrieb und von Bekleidung gelangen über die Flüsse in die Ozeane. Dort hat dieses Mikroplastik prinzipiell nichts zu suchen. Ob es für die Umwelt schädlich oder sogar gefährlich ist, kann man nach heutigem Wissensstand aber nicht sagen, erklärten Experten am Dienstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung im Naturhistorischen Museum Wien.

Große Plastikteile (Makroplastik) sind leicht zu entdecken und mit Sicherheit für die Umwelt und Tiere eine Bedrohung, erklärte Gunnar Gerdts vom Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung auf Helgoland (Deutschland). So verhungern etwa Meeresvögel, deren Magen voll von Plastikpartikeln statt Nahrung ist, und Wale verenden in "Geisternetzen". Mikroplastik sei jedoch schwierig in der Umwelt nachzuweisen und man könne seine Menge dort nicht genau messen. Deshalb seien viele skurrile Zahlen darüber im Umlauf.

Zahlen-Schätzungen gehen auseinander

"Man kennt die weltweite Menge an Kunststoffproduktion, weiß, wie viele Plastiksackerln und andere Kunststoffgegenstände im Umlauf sind, kann aber kaum abschätzen, wie viele Mikropartikel daraus in die Flüsse und Meere gelangen", sagte Thilo Hofmann vom Department für Umweltgeowissenschaften der Universität Wien. Deshalb sind die Unsicherheiten sehr groß. Beim österreichweiten Reifenabrieb gehen die Schätzungen etwa sogar von sechs bis sechstausend Tonnen im Jahr auseinander.

In den Ozeanen findet man eigentlich weniger Mikroplastik als erwartet, zumindest nahe der Oberfläche, so Gerhard Herndl vom Department für Meeresbiologie der Uni Wien. Es sei unklar, ob es vielleicht von Mikroorganismen abgebaut wird oder zum Ozeanboden sinkt und dort möglicherweise Schaden anrichtet.

Zumindest bei den Fischen könne man Entwarnung geben, dass sie es nicht in Massen schlucken und daran verhungern, erklärte Wilhelm Vogel vom Umweltbundesamt in Wien. Untersuchungen in der Donau hätten gezeigt, dass sich Mikroplastik nicht in ihren Mägen ansammelt so wie größere Kunststoff-Teile bei Meeresvögeln. Er schließt dennoch nicht aus, dass es auf andere Weise schädlich sein kann.

Obwohl bisher noch keine konkrete Gefährdung nachgewiesen ist, betonten die Experten einhellig, dass Plastik in beliebiger Größe in der Natur nichts zu suchen hat und sich dort viel zu lange hält. Deshalb sollten die Menschen unbedingt versuchen, den Mikroplastikausstoß so weit wie nur möglich zu vermeiden.

Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.