4,1 ProzentWirtschaft in Osttirol wuchs stärker als in Tirol

Der Bezirk holt auf. Aber bei Kaufkraft hinkt Osttirol nach, weil Bezirk von der Wirtschaftsstruktur her stärker dienstleistungsorientiert ist.

Keine Tiroler Region hat beim Wirtschaftswachstum so stark aufgeholt wie Osttirol © Brunner
 

Er bewegt sich kaum vom Fleck, wenn es um Kaufkraft geht: Der Bezirk Lienz liegt im Ranking aller österreichischen Bezirke an fünftletzter Stelle (wir berichteten exklusiv). 2017 betrug die Kaufkraft in Osttirol 18.324 Euro, 2017 lag sie bei 17.625 Euro, 2016 bei 16.948 Euro. In kleinen Schritten arbeitet sich Osttirol bei den verfügbaren Einkommen, die die Kaufkraft ausmachen, nach oben.

Warum es schwierig ist, schneller vorzurücken, weiß Stefan Garbislander von der Wirtschaftskammer Tirol: „Die Wirtschaftsstruktur in Osttirol ist dafür verantwortlich.“ Der Bezirk sei stärker dienstleistungsorientiert. „In Gebieten, wo es viele Produktionsbetriebe mit hoch qualifizierten Arbeitskräften gibt, etwa in Oberösterreich, ist die Kaufkraft wesentlich höher“, sagt Garbislander. Schuld sind also nicht die Löhne als solche, sondern die Art der Einkommen. Der Experte der Wirtschaftskammer betont, dass letzten Endes die Strategie, in Osttirol technologieorientierte Betriebe anzusiedeln, der richtige Ansatz sei: „Je größer in einem Bezirk die Nachfrage nach qualifizieren Arbeitskräften ist, desto höher sind die Löhne.“

Stefan Garbislander von der Wirtschaftskammer Tirol Foto © Egger

Für Osttirol kann Garbislander mit positiven Nachrichten betreffend Wirtschaftswachstum aufwarten. Lange sei der Bezirk im Tirol-Vergleich hinten nach gehinkt. „Den Rückstand aufzuholen, den der Bezirk Lienz aufgrund seiner Topografie und Struktur hat, dauert Jahrzehnte. Doch die Lücke beginnt sich langsam zu schließen“, sagt er und definiert das Wachstum in Osttirol anhand von Zahlen. Demnach ist die Regionalwirtschaft in Tirol nominell in den letzten 15 Jahren durchschnittlich pro Jahr um 3,2 Prozent gewachsen. In Osttirol betrug dieses Wachstum in den vergangenen 15 Jahren 4,1 Prozent.

Garbislander: „Keine andere Region ist so stark gewachsen.“ Aber: Mit dem daraus resultierenden Wachstumsvorsprung von 0,9 Prozent würde es immer noch über 30 Jahre dauern, bis die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung in Osttirol an jene von Tirol angeglichen ist. „Regionalentwicklungsprogramme, die in Osttirol zu greifen beginnen, zeigen ihre Wirkung nicht in Jahren, sondern in einer Generation.“

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