Kärnten"Wilde Jagd" im Revier der Bundesforste hat jetzt ein Nachspiel

Der zuständige Hegeringleiter erstattete nach umstrittenen Treibjagden Anzeige. Vorwürfe, dass gravierend gegen Weidgerechtigkeit verstoßen wurde.

Wie weidgerecht ging es bei den Treibjagenden im Bundesforsterevier Bärnbad zu?
Wie weidgerecht ging es bei den Treibjagenden im Bundesforsterevier Bärnbad zu? © KK
 

Wenig schmeichelhaft für die Verantwortlichen sind die Vorwürfe, die der Sachsenburger Hegeringleiter Sepp Pleßnitzer nach zwei Treibjagden kürzlich im Revier Bärnbad der Bundesforste in den Raum stellt:
Wider die Weidgerechtigkeit bzw. das Tierschutzgesetz seien Muttertiere geschossen worden, sodass man später auch die verwaisten Kälber erlegen musste. Und das Wild sei entgegen der Gebote der Weidgerechtigkeit unnötigen Qualen ausgesetzt gewesen, weil es trotz der gegebenen Schneelage von Hunden gehetzt wurde und keine Chance gehabt habe.

Sturm der Entrüstung

50 bis 70 Jäger und 30 Hunde sollen an den beiden Jagden in dem als empfindliches Wildschadensgebiet eingestuften Revier am 18. November bzw. 9. Dezember beteiligt gewesen sein. Dabei wurden Kahlwild und 17 Geweihträger erlegt. Bereits kurz danach brach auch in Jägerkreisen ein Sturm der Entrüstung aus. Man stieß sich an der in Relation zur Reviergröße aberwitzig hohen Zahl von Abschüssen und auch an der Aufhebung der Klassen (die nach dem Wildalter definiert sind).

Bewilligt hatte diesen „klassenlosen Abschuss“ zur Reduzierung der Wilddichte in einem Revier mit erheblichen Verbissschäden Bezirksjägermeister Franz Kohlmayer, der aber sofort klarstellte: Seine Genehmigung beziehe sich auf einen erhöhten Abschussplan, aber nicht auf einen Totalabschuss.

Vorangegangen war den „wilden Jagden“ ein Match zwischen Bundesforsten und der Forstinspektion der Bezirkshauptmannschaft Spittal. Diese verlangte als „gelindestes Mittel nach dem Jagdgesetz“ statt rigoroser Abschüsse das Einwickeln von Stämmen. Die Bundesforste beriefen dagegen und schufen, da eine Entscheidung noch aussteht, dank einer Ausnahmebewilligung des Bezirksjägermeisters vorerst einmal vollendete Tatsachen.

Für den zuständigen Jagdleiter und beteiligte Jäger kann es nach der Anzeige von Hegeringleiter Sepp Pleßnitzer jetzt aber ungemütlich werden, denn mit den Vorwürfen werden sich Bezirkshauptmannschaft Spittal wie auch der Disziplinarrat der Kärntner Jägerschaft beschäftigen. Erstere ist für gemeldete Verwaltungsübertretungen wie etwa die Nichtvorlage von 14 erlegten Hirschen beim Hegeringleiter zuständig. Die Höchststrafe liegt bei 30.000 Euro, im konkreten Fall werden allfällige Geldbußen aber kaum mehr als ein paar Hundert Euro betragen.

Es geht um das Ansehen der Jägerschaft

Verstöße gegen die Weidgerechtigkeit und das Jagdgesetz sind ein Fall für den Jäger-Disziplinarrat. Dieser wartet laut Landesjägermeister Ferdinand Gorton, bis ein Strafbescheid der Bezirkshauptmannschaft vorliegt. Die Sanktionsmöglichkeiten reichten von einem Verweis bis hin zum lebenslangen Ausschluss aus der Jägerschaft.

Die Causa ist jedenfalls brisant: Nicht nur Hegeringleiter Pleßnitzer sieht das Ansehen der Jägerschaft auf das Gröblichste verletzt.

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Danke für Ihr Verständnis.

Smusmu
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Ansehen der Jägerschaft?

Wenn’s dir nicht leisten kannst, kannst bei uns sowieso kein Jäger sein.
Aus Sicht der Verantwortlichen ist der Zweck erfüllt und die paar Hunderter Strafe werden sowieso aus der Portokasse gezahlt.
Der Rest, wie schon gesagt, verläuft im Sand.
Pfui!

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ChristineMiller
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Kriegserklärung?

Was ist denn hier los? Da setzt sich ein Angestellter eines Staatsunternehmens über rechtliche Regeln und behördliche Vorgaben hinweg? Und da ich ähnliche Vorkommnisse auch aus anderen Bundesländern (T, OÖ, S) kenne, frage ich mich (als Deutsche): hat da eine AG im Besitz der Bundesrepublik Österreich Wild, Natur und Anstand den Kampf angesagt? Kann mir das vielleicht jemand erklären?

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CuiBono
1
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@ChristineMiller

Ich bin ein höchst einfach gestrickter Mensch (LOL, da muss ich selber lachen) und reduziere meine Fragen eigentlich meistens auf die EINE:
Wem nützt es?

Im gegenständlichen Fall ist es eigentlich relativ einfach.
Zu hoher Rotwildbestand, warum auch immer. Füttern wird wohl eine Rolle spielen und die mangelnden Abschüsse wurden ja erwähnt.
Bäumchen schutzumwickeln - zu aufwändig, sprich zu teuer.
Also - HaLaLi.

Nutzniesser: zumindest Zwei.
Der Forsteigentümer und - wie sag ich das jetzt? - einfach gestrickte, auf Schießen und Töten ausgerichtete "Jäger", die offensichtlich zu bequem sind, um in mehr oder weniger anstrengenden mehrfachen Reviergängen die Abschusszahlen zu sichern.

Wäre sehr einfach gewesen, gäbe es nicht die Öffentlichkeit und die Medien. Aber DAS wäre auch noch zuwenig gewesen.
Offensichtlich gibt es doch auch noch verantwortungsvolle ethisch eingestellte Jäger, denen die Schlächterei die hier passiert ist, nicht ganz wurscht ist.

Trotzdem glaube ich, dass die Sache mehr oder weniger im Sande verlaufen wird. Zu groß ist die (immer wieder falsch verstandene) Gruppendynamik.

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ChristineMiller
1
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Fragwürdiges Abschiedsgeschenk

Das Vorgehen war strategisch geplant. Der zum Ende 2017 scheidende Forstchef Tragatschnig wollte wohl seiner Nachfolgerin Tabula rasa hinterlassen und hat sich in dieses fragwürdige Vorgehen gestürzt. Die mutmaßliche Unterstützung durch den BJM bedarf noch einer Klärung. Aber was ist passiert: in Deutschland würden diese Herren eindeutig im Verdacht des Begehens der Straftat "Tierquälerei" stehen. Das und nichts anderes ist es, wenn man eine Jagd organisiert und die "Klassenaufteilung" (das heisst Tierschutzbedenken) dabei außer Kraft setzt. Ob das tatsächlich auch in Österreich rechtens ist sollte gründlich geprüft werden. Und auch die ach so schrecklichen Waldverwüstung sollten mal von externen fachkundigen Wissenschaftlern sorgfältig und nicht willfährig geprüft werden.

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pescador
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.

Hier sind wohl wieder die niederen Instinkt ausgebrochen. Eigentlich sollte der Mensch diese im Griff haben.

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CuiBono
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Wetten

dass keinem was ernstliches droht und die ganze Sache im Sande verlaufen wird.
Wie so vieles in diesem Land.

Wie heisst es doch schon seit gefühlten hundert Jahren:
Ach Gott - dem Herrgott sei's geklagt, es gibt nix dümmers als die Jagd.

So - und jetzt werd ich hier wohl "rotgeschossen".
LOL :-)

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GordonKelz
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CuiBono

...jede Unterstützung von mir !
Wie man sich an toten Tieren erfreuen kann ,ist mir ein Rätsel !
Gordon Kelz

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