500.000-Euro-KlageStadtwerke-Prozess geht ins Finale

Ex-Vorstand Romed Karré klagt Stadtwerke auf mehr als eine halbe Million Euro. Am Donnerstag gab es den letzten Verhandlungstag.

Romed Karré klagte seinen ehemaligen Arbeitgeber
Romed Karré klagte seinen ehemaligen Arbeitgeber © KLZ/Markus Traussnig
 

Am Ende eines langen Tages blickte Richterin Christine Kieber-Trattner auf den Stapel an Unterlagen vor ihr und sagte: „Ich meine, wir haben nun Spruchreife.“ Einen Urteilsspruch gab es im Verfahren zwischen den Stadtwerken Klagenfurt und ihrem ehemaligen Vorstand Romed Karré dennoch nicht. Dieser ergeht schriftlich. Damit ist vorerst offen, ob seine Forderung nach mehr als einer halben Million Euro aus seinem Vorstandsvertrag erfüllt wird.

In den Stunden zuvor wurde – wie schon an anderen Verhandlungstagen – ein Bild der Stadtwerke gezeichnet, das eher an einen Intrigantenstadel denn einen städtischen Infrastrukturnahversorger erinnert.

Zu Mittag nimmt Walter Groier im Zeugenstand Platz. Seit mehr als zwei Jahren fungiert er als Aufsichtsratschef und erklärt, warum man die Satzung änderte, um einen dritten Vorstand bestellen zu können. „Als die Causa Leyroutz aufgepoppt ist (er verrechnete den Stadtwerken 130.000 Euro Beratungshonorar, die Staatsanwaltschaft ermittelt noch; Anm. d Red.), war absehbar, dass dies eine Beeinträchtigung für Karré werden könnte.“ Zudem habe ihm Karré zu verstehen gegeben, dass er kein Interesse an einer Erfüllung oder gar Verlängerung seines Vertrages hätte. „Sechs Jahre vor Erreichen des gesetzlichen Pensionsalters“, raunt Karré und schüttelt zum Widerspruch den Kopf. Groier geht weiter und wirft Karré Managementfehler vor, die „immer noch nicht ausgestanden sind.“ Etwa die Umstellung auf das Computersystem SAP. Karrés Kommentar zur Causa in seiner Befragung: „Man hat dann eine Vorständin geholt, deren IT-Kenntnisse sich auf MS Office beschränkt haben. Sie hat sich eingeklinkt und dadurch den Fixpreis von 4,6 Millionen Euro aufgemacht.“ Am Ende kostete das IT-Projekt die Stadtwerke zehn Millionen Euro. Als Karrés Anwalt bei Groier nachstoßen will, reicht es diesem: „Ich bin nicht hier, um mich vor ihnen zu rechtfertigen.“

Karré selbst wirkt bei seiner Einvernahme fahrig, zuckt permanent mit den Füßen. Erzählt davon, dass ein anderes Aufsichtsratsmitglied ihm gedroht hätte. „Wenn wegen der Fernwärme in Klagenfurt der Holzpreis steigt, habe ich mit beruflichen und privaten Kollateralschäden zu kämpfen.“

Dass mit ihrem Urteilsspruch die Causa zu Ende ist, glaubt auch Richterin Kieber-Trattner nicht. „Wir klären jetzt einmal den Sachverhalt. Und dann wird wohl noch die zweite und dritte Instanz entscheiden.“

Kommentare (4)

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orbil
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MS-Office reicht für die Stadtwerke?


aber wer hat die 5 Millionen eingesteckt? Waren das die Spesen für den Fixpreisvertrag?

Oder gar der Stadtwerke-Beitrag für den Wahlkampf?

Intrigenstadel passt sicher gut !

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CuiBono
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Was soll man sagen

Ich bin überzeugt, die mit fantastisch aussehender und bekanntermaßen mit markanter Haarfarbe auftretende sicherlich von fast allen Einwohnern Klagendorfs überaus geschätzte liebe Frau BürgermeisterIn hat mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Magistratskollegen und Mitarbeitern, insbesondere auch der aus dem Stadtsäckel bereitwillig honorierten Assistenz durch den - zumindest in grauer Vorzeit politisch andersfarbigen - speziell engagierten äußerst erfahrenen Herrn Strutz, ALLES - aber auch wirklich ALLES fest im Griff.

WER auch immer sich was anderes denkt, liegt sicherlich falsch.
ICH beuge mein Haupt in Demut vor der hier in diesem Forum vorbildlich gelebten Meinungsfreiheit.

Danke.

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archiv
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Ist das ein Unternehmen, wo Geld keine Rolle spielt???

Dem Bericht entnehme ich, dass auf ein Computer-System (SAP) mit einem Fixpreis von 4,6 Mio. Euro umgestiegen werden sollte. Angeblich hat die Umstellung 10 Mio. Euro gekostet.

Anmerkung/Frage: Differenz rund 5,4 Mio. Euro und niemand ist verantwortlich?

Hallo, wo bleibt die "Stadtpolitik" und wer kommt für diese Mehrkosten auf?

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GordonKelz
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500 000,00 Euro.....

Peanuts ,wenn man an die vielen anderen
Skandale denkt ....der blanke Wahnsinn, wenn man darüber nachdenkt ,wie lange der Bürger für eine solche Summe Arbeiten muss ......
Gordon Kelz

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