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Wolfgang Dittmar: "Sehe meinen Beruf als ein Privileg an"

ORF-Redakteur Wolfgang Dittmar wuchs in Feldkirchen auf. Mit der Kleinen sprach er über seinen Beruf, Politik und bewegende Momente.

 

Sie sind seit 1974 beim ORF, also genau seit 35 Jahren. Wie sind Sie dazu gekommen?

Wolfgang Dittmar über seinen Werdegang

© Kleine Zeitung

WOLFGANG DITTMAR: Ich habe mein Grundstudium in Psychologie in Graz abgeschlossen. Während eines Sommers hatte ich einen langweiligen Ferialjob. Ich habe damals meinen ehemaligen Schulkollegen Werner Freudenberger gefragt, ob er nicht einen Job für mich im Landesstudio hat. Ich habe dann in der Sport-Redaktion als freier Mitarbeiter begonnen. Das war gerade eine sehr offensive Phase beim ORF, ich habe immer mehr gearbeitet und weniger studiert. Seit 1978 bin ich nun beim Aktuellen Dienst.

Wie hat sich die Arbeit beim ORF in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt?

DITTMAR: Man kann sagen, kein Jahr war wie das vorangegangene. Das Bundeslandfernsehen kam erst Richtung 1980er Jahre auf. Damals mussten wir nach Wien zum Schneiden fahren. Beim Radio war ich jahrelang mit Tonmeister und Funkwagen unterwegs. Heutzutage macht man alles in Eigenregie. Was jetzt in so kurzer Zeit möglich ist, war damals unvorstellbar.

Was finden Sie eigentlich spannender, die Arbeit beim Radio oder beim Fernsehen?

DITTMAR: Beide Bereiche sind so unterschiedlich, das kann ich schwer sagen. Mit dem Radio kann man blitzschnell reagieren. Beim Fernsehen hat man mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Was macht für Sie einen guten Journalisten aus?

Über die Entwicklung von Radio und Fersehen

© Kleine Zeitung

DITTMAR: Anfangs war dieser Beruf, dadurch dass ich durch Zufall dazu gekommen bin, unglaublich anstrengend. Ich war innerlich nicht vorbereitet. Mittlerweile sehe ich diesen Beruf als Privileg an. Ich genieße große Freiheit, habe dadurch aber auch eine hohe Eigenverantwortung. Mir ist der Respekt vor dem Publikum sehr wichtig und außerdem ist es mein Bestreben, die Leute klar zu informieren, komplizierte Sachverhalte so aufzubereiten, dass sie jeder versteht. Und es ist wichtig, bei jedem Thema immer mehr als eine Seite zu sehen.

Ihr Schwerpunkt ist die Politik. Wie schätzen Sie die derzeitige politische Lage in Kärnten ein?

DITTMAR: Ich finde, die Landespolitik war immer schon spannend. Meine Arbeit wurde über Jahre hinweg vom verunglückten Landeshauptmann Jörg Haider geprägt, der ein dynamischer und talentierter Politiker war. Durch seine Orientierung in Richtung Bundespolitik waren wir das Landesstudio, das eine Zeit lang die meisten überregionalen Berichte nach Wien geliefert hat. Seit dem Tod Haiders ist das Tempo aus der Kärntner Politik heraußen. Ich denke aber, dass die Landespolitik nicht so schlecht funktioniert, wie sie oft dargestellt wird. Dennoch bin ich der Meinung, dass Politiker nicht bei jeder kleinen Veranstaltung auftreten müssen. Da wird kostbare Zeit vergeudet.

Rückblickend, was waren bisher die bewegendsten Momente in Ihrer Karriere?

Über seine Arbeit

© Kleine Zeitung

DITTMAR: Davon gab es einige. Die Reisen mit Landeshauptmann Jörg Haider in die arabischen Länder sind mir noch gut in Erinnerung. Erlebnisse waren aber auch Tschernobyl oder das Attentat auf Leopold Wagner. Und natürlich waren für mich die ganzen Wahlgänge in dieser Zeit in Kärnten immer eine besonders spannende Sache.

Man kennt Sie aus Radio und TV. Wie ist Wolfgang Dittmar eigentlich privat?

DITTMAR: Es ist schwer, sich selbst zu beschreiben. Die Familie und der Beruf, das sind die zwei wesentlichen Bereiche in meinem Leben. Für etwas anderes bleibt da kaum Zeit.

Dennoch geben Sie bei Ihren Hobbys die Zeitgeschichte an. Mit welchem Thema beschäftigen Sie sich da vorwiegend?

DITTMAR: Aufgrund meines Berufes liegt mein Augenmerk auf dem 20. Jahrhundert und hier vor allem auf den Kriegsjahren sowie der besonderen Geschichte Kärntens. Ich habe das sozusagen im Eigenstudium nachgeholt.

Auch zur "Geschichte" gehört Ihr Leben in Feldkirchen, wo Sie einen Teil Ihrer Kindheit verbracht haben. Wie oft kommen Sie noch dort hin?

DITTMAR: Kaum mehr. Zwar habe ich dort noch eine Tante. Dieser verspreche ich mittlerweile aber auch schon seit Jahren, dass ich sie endlich einmal besuchen komme.

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