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Zuletzt aktualisiert: 14.07.2013 um 20:21 UhrKommentare

Florian Brody: "Das Ziel ist nicht, reich zu werden"

Der gebürtige Österreicher Florian Brody lebt und arbeitet seit 20 Jahren im Silicon Valley. Er hilft Start-ups - auch auf ihrem Weg in die USA.

Foto © KLZ/Markus Traussnig

Sie unterstützen junge Unternehmen bei der Gründung. Sie selbst sind vor Jahren ins Silicon Valley gegangen, um dort ein Start-up zu gründen. Ein Weg, den Sie jedem empfehlen würden?

BRODY: Nicht jedem, es ist extrem brutal dort. Es wird einem nichts geschenkt. Viele denken, wenn sie am Flughafen ankommen, wartet schon jemand mit einem Geldkoffer. Das ist leider nicht so. Aber es stimmt. Man kann in Kalifornien sehr viele Erfahrungen sammeln.

Sie forcieren eine stärkere Kooperation mit Österreich?

BRODY: Ich arbeite derzeit ein Konzept aus, um Österreicher für drei Wochen ins Silicon Valley zu bringen. Man kann dort lernen, wie die Leute Projekte machen und Netzwerke knüpfen. Mir ist es wichtig, dass österreichische Technologie dort bekannt wird.

Vor zehn Jahren waren Sie der Gründungspräsident der Vereinigung "Ascina" für österreichische Forscher und Wissenschaftler, die in Nordamerika arbeiten oder dort gearbeitet haben. Was war Ihre Intention?

BRODY: Ziel ist es, Österreicher zu unterstützen, die hinübergehen wollen oder zurückwollen.

Wissen Sie, wie viele Österreicher derzeit im Silicon Valley tätig sind?

BRODY: Bei "Ascina" haben wir über 200 Mitglieder aus der San Francisco Bay Area. Die Zahl im Silicon Valley weiß ich nicht genau. Derzeit bemühen wir uns, eine österreichische Vertretung aufzubauen. Eine solche Stelle wäre wichtig.

Was müssen Start-ups Ihrer Meinung nach beachten?

BRODY: Es ist wichtig, ein klares Ziel zu haben - und dieses sollte nicht sein, reich zu werden. Außerdem muss man authentisch sein und sich selbst kennen. Es geht immer um die Interessen der Firma, nicht des Einzelnen. Man sollte sich auf eine Sache konzentrieren. Multitasking gibt es nicht - wenn man drei Dinge zugleich macht, macht man drei Dinge schlecht.

Wie unterscheidet sich das Arbeitsumfeld in den USA zu dem in Österreich?

BRODY: Ich erkläre es Ihnen anhand eines Beispiels: Wenn du in Österreich mit einem Unternehmen in Konkurs gehst, dann bist du gesellschaftlich ziemlich erledigt. In Amerika heißt es: Super, dann weißt du ja jetzt, wie es geht. Wenn jemand auf die Nase fällt, probiert er es gleich noch einmal.

Was halten Sie von Facebook & Co.? Wie wichtig sind soziale Netzwerke für Start-ups?

BRODY: Ich habe solche Accounts. Facebook & Co. sind teils sehr effiziente Tools. Allerdings kann ich persönlich mit Facebook wenig anfangen, auch wenn es ein interessantes Phänomen ist. Ich muss nicht ständig im Internet sehen, was andere Leute gerade essen. Ich will Infos, mit denen ich etwas anfangen kann. Twitter vermittelt Informationen, Facebook ist oft nur Selbstdarstellung.

Wie viel Zeit verbringen Sie täglich im Internet?

BRODY: Zu viel. Ich lese beispielsweise alle deutschen Tageszeitungen online.

Sie gelten als österreichischer Pionier für digitale Medien. Der Übergang von alten Medien zu neuen Medien hat Sie immer schon fasziniert?

BRODY: Ja, absolut. Dieser Wandel interessiert mich. Nehmen Sie die Tageszeitungen als Beispiel her: Man muss verstehen, dass eine Sache entsteht und irgendwann wieder verschwindet. Das Berichten an sich wird es immer geben, nur das Businessmodell verändert sich.

Sie sind auch im Bereich Mobile Payment, wo man mit Handy bezahlen kann, tätig. Wird es irgendwann kein Bargeld mehr geben?

BRODY: Das kann ich nicht sagen. Aber das Mobile Payment wird sicher noch viel stärker kommen. Auch hier kann man diesen Wandel von Alt auf Neu wieder gut beobachten.

Sie selbst haben bei einem solchen Wandel mitgewirkt, nämlich bei der Entwicklung von elektronischen Büchern.

BRODY: 1989 bin ich in die USA, um elektronische Bücher mitzuerfinden. Mich hat es schon immer interessiert, wie man ein Buch auf Bildschirm lesen kann.

Haben Sie keine richtigen Bücher mehr zu Hause?

BRODY: Doch, ich lese viele Bücher. Aber ich habe auch mein Kindle und mein iPad.

Sie schreiben auf Ihrer Homepage, dass die Kluft zwischen kreativem Denken und Business-Denken geschlossen werden muss. Jedoch hat man oft das Gefühl, dass einem die Kreativität schon im Kindesalter ausgetrieben wird. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

BRODY: Da haben Sie recht. Was die Kreativität betrifft, so könnten wir von Kindern viel lernen. Meine Tochter hatte jüngst die Idee zu einer App, mit der man den Akku des Handys aufladen könnte. Egal ob das möglich ist, oder nicht: Nur weil etwas im ersten Moment unmöglich erscheint, heißt das nicht, dass man es nicht verfolgen sollte.

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Zur Person

  • Florian Brody arbeitet seit 20 Jahren im Silicon Valley. Als Marketing-Stratege unterstützt er Start-ups. Außerdem ist Brody Publizist und Vortragender an Universitäten. Er gilt als österreichischer Pionier für digitale Medien.

    Homepage. www.brody.org

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