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KärntenNachhaltiges Bauen für Klimaneutralität

Wahl der Klimaschutzkriterien entscheidet bei Neubau und Sanierung für Jahrzehnte über den Energieverbrauch. Ein nachhaltiges Projekt in Kärnten: Umbau des zt:haus.

Das zt:haus der Ziviltechnikerkammer in Klagenfurt ist ein gelungenes Beispiel für nachhaltiges Bauen © nikolauspfusterschmid.com
 

Wenn es um die Themen Nachhaltigkeit und Klimaneutralität geht, spielt der Gebäudesektor eine zentrale Rolle. Sein Anteil am Energieverbrauch liegt in Österreich bei 35 Prozent. Plant oder saniert man ein Gebäude, egal ob Einfamilienhaus oder Großprojekt, entscheidet man daher über Jahrzehnte hinaus über den Energieverbrauch und CO2-Emissionen.

„Damit ein Projekt den Zielen und Anforderungen der Nachhaltigkeit und der Klimawirksamkeit tatsächlich gerecht werden kann, müssen entsprechende Kriterien in der Projektentwicklungsphase definiert und bis zum Projektende unabhängig begleitet und kontrolliert werden“, erklärt Gustav Spener, Präsident der Kammer der Ziviltechniker für Steiermark und Kärnten. Fundierte Machbarkeitsstudien durch unabhängige Planer würden dabei helfen, Gebäude in architektonischer Qualität und klima- und ressourcenschonend zu realisieren, ohne dabei die Wirtschaftlichkeit aus den Augen zu verlieren.

Ziviltechnik
Gustav Spener, Präsident der Ziviltechnikerkammer © Ziviltechnik

Kriterien für Nachhaltigkeit in der Projektentwicklungsphase definieren.

Gustav Spener, Präsident der Ziviltechnikerkammer

„Nachhaltig zu bauen ist eine bewusste Entscheidung“, erklärt Hans-Peter Weiss, Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), des größten Bauherren in Österreich. Für Neubauten und Sanierungen habe man deshalb einen verpflichtenden Kriterienkatalog definiert. „Mit diesem Nachhaltigkeitsstandard forcieren wir Klima- und Umweltschutzmaßnahmen im Gebäudebereich“, so Weiss. Mit dem Holistic Building Program (siehe auch weiter unten) sei ein Tool entwickelt worden, welches Planung und Bau unterstütze, um mit dem jederzeit transparent dokumentiert werden könne, worin die nachhaltige Qualität eines Gebäudes besteht“.

Hans-Peter Weiss, BIG-Geschäftsführer Foto © APA/HANS PUNZ (HANS PUNZ)

Nachhaltig zu bauen ist eine bewusste Entscheidung.

Hans-Peter Weiss, BIG-Geschäftsführer

Es ginge aber nicht allein darum, bestimmte Kennwerte quantitativ messen und bewerten zu können. Die Qualitätssicherung durch die Planungsqualität sei ausschlaggebend für den Erfolg eines Projektes und könne auch sicherstellen, dass für eine konkrete Bauaufgabe die tatsächlich beste Lösung gefunden wird, so Barbara Frediani-Gasser, Vizepräsidentin der Ziviltechnikerkammer.

Das bestätigt auch der BIG-Geschäftsführer, denn am größten sei der Hebel in Bezug auf Energieeffizienz und Umweltschutz zu Beginn der Planung. „Der Architekturwettbewerb ist damit ein wirkungsvolles Instrument, um richtungsweisende Rahmenbedingungen festzulegen“, ist Weiss überzeugt.

Mit neuen Nachhaltigkeitsstandards werden Klima- und Umweltschutzmaßnahmen im Gebäudebereich forciert Foto © Christian Maurer - Fotolia


In Kärnten gibt es aktuell ein Projekt der BIG, welches mit diesem Nachhaltigkeits-Mindeststandard umgesetzt wird – den Neubau der Justizanstalt Klagenfurt. Ein bereits fertiggestelltes Gebäude hat die Ziviltechnikerkammer in Klagenfurt mit dem von Architekt Edgar Hammerl geplanten neuen zt:haus selbst umgesetzt. Und auch auf Landesebene spielt das klimaaktive Bauen und Sanieren eine große Rolle, so Wohnbaureferentin Gaby Schaunig. Für klimaaktive Gebäude gebe es seit 1. Jänner erhöhte Förderungen. Umso wichtiger sei es, dass Bauen im Bereich des Förderwesens an Nachhaltigkeitskriterien gekoppelt werde, so Frediani-Gasser.

Programme, die Nachhaltigkeit planbar machen

In Österreich gibt es bereits mehrere Nachhaltigkeitsstandards und Bewertungssystemefür Gebäude, welche die Weichen für einen zukunftsfähigen und klimafreundlichen Bausektor stellen und klimaaktive Qualität messbar und transparent machen sollen. So etwa das klimaaktiv-Programm („Klimaaktiv Bauen und Sanieren“) des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie oder das Holistic Building Program der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG).

Ziel dieser Programme ist es, attraktive Rahmenbedingungen für die rasche Verbreitung klimafreundlicher Bauweisen und Sanierungen zu schaffen. Beide Programme versuchen über Beurteilungskriterien den Lebenszyklus des Gebäudes miteinzubeziehen – von der Planung über den Betrieb bis zum Abbruch eines Gebäudes.

Der Fokus liegt unter anderem auf Energieeffizienz und Ökologie, aber auch auf Planung und Ausführung (Luftdichtheit oder Reduktion von Wärmebrücken), einem geringen Energieverbrauch und weniger CO2-Emissionen sowie auf dem Ausschluss von klimaschädlichen Baustoffen. Diese hohen Anforderungen sorgen dafür, so Gustav Spener, Präsident der Ziviltechnikerkammer für Steiermark und Kärnten, dass Gebäude geringe Treibhausgasemissionen aufweisen. Und Betrieb und Bewirtschaftung würden einen großen Teil der Lebenszykluskosten bei Gebäuden ausmachen.

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