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Architekten und Ingenieure Die Ziviltechniker haben beim Bauen den Plan

Ziviltechniker planen, kontrollieren und begleiten Bauprojekte. Sie sind unabhängig und sehen sich als "technische Notare". Die Kammer der Ziviltechniker in der Steiermark und in Kärnten hat aktuell 1220 Mitglieder.

Die Aufgaben der Ziviltechniker sind vielschichtig und je nach Projekt sehr individuell © FrankBoston - stock.adobe.com
 

Wer im Baubereich Pläne hat, braucht einen guten Plan. Und von Hoch- und Industriebau über Tragwerksplanungen, Wasserwirtschaft, Raum- und Stadtplanung bis hin zu Landschafts- und Verkehrsplanung sind es die Ziviltechniker, die als Partner der Bauwirtschaft einen solchen Plan liefern. Sie sind Freiberufler und als solche unabhängig.
"Und diese Unabhängigkeit ist auch der zentrale Punkt in der Zusammenarbeit mit Firmen und der öffentlichen Hand", sagt Gerald Fuxjäger, Präsident der Ziviltechnikerkammer für Steiermark und Kärnten.

Egal ob Architekt oder Zivilingenieur, wesentlich sei, dass ein Vertrauensverhältnis zum Kunden aufgebaut werde. Denn oft würden in Zusammenhang mit der Planung, wie zum Beispiel im Wohnbau, auch sehr private Themen besprochen, die bei der Umsetzung eines Projektes zu berücksichtigen seien. Der Berufsstand sei deshalb zu Verschwiegenheit und damit zur Geheimhaltung aller Details verpflichtet, die im Zuge der Auftragsabwicklung zur Sprache kommen.

Editorial

Dieser Beitrag ist Teil einer Kooperation der Kleinen Zeitung mit der Kammer der ZiviltechnikerInnen für Steiermark und Kärnten. Die inhaltliche Verantwortung liegt bei der Redaktion der Kleinen Zeitung. 

Gerald Fuxjäger ist der Präsident der Kammer für Ziviltechniker für Steiermark und Kärnten Foto © KK/ZT

Die Kammer

Gesetzliche Berufsvertretung ist die Kammer der Ziviltechniker. Es gibt vier Länderkammern. Eine davon ist jene für Steiermark und Kärnten. Sie bietet privaten und öffentlichen Auftraggebern ein Service rund um Vergabethemen und die Durchführung von Wettbewerben an. Die Länderkammer für Steiermark (917) und Kärnten (303) hat 1220 Mitglieder.

Die Aufgaben der Ziviltechniker sind vielschichtig und je nach Projekt sehr individuell. So erstellen sie beispielsweise Machbarkeitsstudien für Bauvorhaben, legen Projektziele fest und übernehmen in der Planungsphase behördliche Einreichungen, Ausschreibungen, Angebotsprüfungen oder die Beantragung von Investitions- und Fördermitteln. In der Phase der Ausführung gehören die örtliche Bauaufsicht und Dokumentation sowie die Baustellenkoordination zum Tätigkeitsbereich der Zivilingenieure.

"Technische Notare"

"Wir schreiben Projekte aus, die Firmen bauen und wir kontrollieren dann bis zum Schluss", fasst die Architektin und Vizepräsidentin der Kammer der Ziviltechniker für Steiermark und Kärnten, Barbara Frediani-Gasser, zusammen. Architekten und Zivilingenieure seien damit in ihrer Funktion quasi "technische Notare".

"Es geht uns um die professionelle Begleitung und faire Bedingungen in der Auftragsabwicklung", beschreibt Fuxjäger. Denn fehlende Projektvorbereitung sowie mangelhafte Planung und Ausführung würden "unerwartet hohe Folgekosten verursachen und Nacharbeiten erforderlich machen". „Die kostengünstigste und zugleich qualitativ beste Lösung kann nur gewährleistet werden, wenn die Qualitätsansprüche nicht von wirtschaftlichen Interessen der Ausführung beeinträchtigt sind."

Nach dem Bestbieterprinzip

Entscheidungen hätten nach dem Bestbieterprinzip zu erfolgen. Und die Ziviltechniker seien zur strikten Trennung von Planung und Ausführung per Gesetz und von Eides wegen verpflichtet. Die Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips ist insbesondere für den sorgsamen Umgang mit öffentlichen und privaten finanziellen Mitteln wichtig.

Barbara Frediani-Gasser, Vizepräsidentin der Ziviltechnikerkammer für Steiermark und Kärnten Foto © KK/Maurer

"Bauen hat sehr viel mit Verantwortung zu tun. Und Architekten und Zivilingenieure haben eine große Verpflichtung gegenüber dem Gemeinwohl", so Frediani-Gasser. Dementsprechend spiele auch das Thema Ökologie eine wesentliche Rolle, die Baustoffe, die zum Einsatz kommen, und der Umgang mit dem Boden, auf dem neue Dinge entstehen. Es gehe beim Planen sehr viel um Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit sowie den Klimawandel als Herausforderung beim Bauen. "Die Ziviltechniker müssen Entwicklungen vorwegnehmen", beschreibt Frediani-Gasser.

Geschichte der Ziviltechniker

Die Ziviltechniker sind als Institution eine Besonderheit des österreichischen Rechts. Und es gibt sie heuer seit genau 160 Jahren. 1860 waren es die Privattechniker – Zivilingenieure, Architekten und Bergbauingenieure –, denen bestimmte Befugnisse unter bestimmten Voraussetzungen eingeräumt wurden. „Sie waren quasi der verlängerte Arm des Staates, der damals bestimmte Aufgaben beispielsweise im Zusammenhang mit dem Bau der Eisenbahn oder auch mit dem Ringstraßenbau nicht selbst erfüllen konnte“, beschreibt Gerald Fuxjäger, der Präsident der Ziviltechnikerkammer für Steiermark und Kärnten, die Anfänge.

Und auch damals schon musste man ein Studium sowie eine mehrjährige praktische Erfahrung vorweisen, um zur Prüfung zugelassen zu werden. Damals wie heute muss ein Eid abgelegt werden. Die Bezeichnung Ziviltechniker gibt es seit 1937. Heute werden sie in zwei Sektionen unterteilt: Architekten und Zivilingenieure. Voraussetzungen für die Ausübung des Berufes sind ein abgeschlossenes technisches oder naturwissenschaftliches Studium, eine dreijährige Praxiszeit sowie im Anschluss die Ziviltechnikerprüfung und die verpflichtende Fortbildung.

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