HomestoryDieser Hausplan war eine Überraschung

Warum das Haus der Familie Streith zu "Flügeln" kam und was ein junges Elternpaar von der Qualität eines Architektenentwurfs überzeugen kann.

© (c) oliver wolf
 

Eigentlich wollte die Städterin Claudia Streith nie aufs Land ziehen, ihr Mann Heimo hatte nie den großen Traum vom Hausbauen und beide konnten sie nie verstehen, was der Reiz eines modernen Architektenhauses sein sollte. Mit den beiden Kindern des Ehepaares und der Beharrlichkeit von Heimo Streiths Vater kam schließlich aber alles anders. „Zum Glück“, sagt die junge Familie heute zu einer Geschichte, wie sie nur das Leben schreibt.

Homestory: Moderne Architektur für ein junges Elternpaar

Zwei Flügel für zwei Funktionszonen...

Bauunternehmen Kiegerll

... auf der einen Seite zeigt sich hinter der vollverglasten Giebelfront der offene Koch-, Ess- und Wohnbereich...

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... auf der anderen Badezimmer und Sauna (und dahinter Schlafraum und Kinderzimmer)

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Die überdachte Terrasse mit Whirlpool macht den "Wellnessbereich" perfekt

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Vom Bad blickt man in die Sauna, die wie ein "Saunahäuschen" nur von außen zugänglich ist.

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Auf der Nordseite befindet sich der überdachte Hauseingang. Die hinterlüftetete Schindel-Fassade aus handgespaltener
Lärche aus Oberösterreich haben Vater und Sohn selbst genagelt – „das waren drei Wochen Arbeit

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Die Lärchenschindeln werden mit der Zeit langsam ergrauen. Die sichtbare Luftwärmepumpe fürs Haus soll wird noch optisch versteckt...

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Durchblicke und Einblicke - innen und außen werden eins.

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Der Raum über den Kinderzimmern wird als Spielplatz für Felix und Emil genutzt. Die Treppe ist eine Sprossenwand.

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Der große offene Wohnraum mit den großen Schiebetürelementen ...

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... die sich zur Gänze wegschieben lassen. Dann steht der Sommerküche bzw. dem Sommerwohnzimmer nichts mehr im Weg.

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Ein begehbarer Kachelofen mit überraschend organischer Form trennt Ess- von Relax- bzw. Arbeitsbereich.

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Der begehbare Kachelofen ist hier auch die Sitzbank zum Esstisch.

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Auf dem Kachelofen kann man liegen, sitzen - oder die Kinder spielen lassen.

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Das Ja zum Wohnen auf dem Land kam mit Felix (5) und Emil (2,5) irgendwann ganz automatisch und das Grundstück direkt neben dem Elternhaus von Heimo Streith gab es bereits, als es für das junge Paar 2015 ans Hausplanen ging. „Wir hatten eine sehr klare Vorstellung von einem Satteldachhaus mit Keller und zwei Obergeschoßen“, sagt Heimo Streith. Ein befreundeter technischer Zeichner brachte diesen Wunsch auch schnell zu Papier - und dann begann die (schwieger-)väterliche Einmischung. Als architekturbegeisterter Mann, der schon in den 1970er-Jahren selbst mit einem Architekten gebaut hatte, hatte Streith senior ein sicheres Gespür dafür, dass sich aus diesem Grundstück mehr als das klassische Keller-und-zwei-Geschoße-Programm herausholen ließe. Langer Rede kurzer Sinn: Der Vater schickte Sohn und Schwiegertochter mit den Worten „Gehts hin und schauts euch das an, ich bezahle die Planung“, zur Architektin Marion Wicher, deren Arbeiten er gut kannte.

Was & Wer

Das 160 Quadratmeter große Einfamilienhaus wurde in 12-monatiger Bauzeit bis Dezember 2016 errichtet. Der Grundentwurf stammt von der Architektin Marion Wicher bzw. Marion Wicher-Architektur in der Grazer Griesgasse 10, Tel. (0316) 764 891, www.yes-wicher.com

Detailplanung und Ausführung durch ein lokales Bauunternehmen - mit viel Eigenleistung der Auftraggeber.

Wicher betrachtete das Grundstück der Streiths und deren Pläne fürs Haus und sah vor allem eines: verschenkte Möglichkeiten. Statt sich mit wortreichen Erklärungen aufzuhalten, ermöglichte die Planerin dem Ehepaar aber einfach den Zutritt zu einem ihrer Einfamilienhäuser: einem bereits mehrfach publizierten monolithischen Drei-Flügelbau in der Obersteiermark. „Das Raumerlebnis hat uns sofort überzeugt“, sagt Claudia Streith. Ein einziger offener, lichtdurchfluteter Wohnraum mit Raumhöhen bis zu 4,5 Metern - alles auf einer Ebene, völlig barrierefrei, das begeisterte sie und ihren Mann.

Entsprechend dem Vorbild findet die Trennung der Funktionszonen im Haus Streith über die einzelnen Gebäudeflügel statt: Küche, Wohn- und Essbereich auf der einen Seite, zwei Kinderzimmer, Elternschlafzimmer und Bad auf der anderen. Sozusagen als Scharnier für ein Haus, das maximale Bewegung erlaubt, wurde zwischen den zwei Flügeln ein Eck mit zwei 2,4 Meter breiten Glastüren eingezogen, die sich vollständig zur Seite schieben lassen, was ein scheinbar grenzenloses Sommerwohnzimmer möglich macht. Küche, Terrasse und Garten werden eins. „Das haben wir uns von Anfang an gewünscht“, sagen die Bewohner, die sich heute deshalb in ihrem Haus so gut wiederfinden, weil die Ausformung jeden Details letztlich an der Frage hing: „Haben wir auch wirklich ein gutes Gefühl dabei? Was sagt der Bauch?“ Das beginnt bei der Entscheidung fürs Bauen mit Ziegel und einem Holzdachstuhl statt Wichers präferierter Betonstruktur sowie einer Fassade aus Lärchenschindeln und endet bei der überraschend organischen Form eines begehbaren Kachelofens, der die Sitzbank beim Esstisch ist.

 

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