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Jobs für FlüchtlingeIn diesem Hotel haben nicht nur Möbel ein zweites Leben

Das Magdas Hotel in Wien ist Arbeitsplatz für 20 Flüchtlinge aus 15 Ländern, die so eine Chance am Arbeitsmarkt erhalten.

Blick in die Junior-Suite
Blick in die Junior-Suite © (c) PETER BARCI ©2016.WIEN.AUSTRIA.email: office@barci.photo
 

Vieles, was im Magdas Hotel als Retro-Chic anmutet, wurde eigentlich aus der Not heraus geboren: Die gestrickten Häubchen der Lampen sind allesamt handgemachte Einzelstücke, da für schöne Lampenschirme kein Geld mehr da war. Die Nachtkästchen, die in den Zimmern aus den Wänden wachsen, sind Sessel aus der alten Kapelle, die in der Mitte auseinandergeschnitten wurden, damit sie für alle 88 Zimmer reichen. Und der Stempeldruck in den langen Hotelgängen kaschiert, dass die Wände des alten Hauses nicht mehr ganz gerade sind.

Leider ist es in Österreich so, dass zuerst auf die Defizite von Menschen geschaut wird.

Magdas-Geschäftsführerin Gabriela Sonnleitner

Auch die Idee für das Hotel selbst entstand aus einer Tatsache, die der Caritas Kopfzerbrechen bereitete: Menschen, die Asyl in Österreich bekommen hatten und motiviert waren, zu arbeiten, aber trotzdem große Probleme bei der Jobsuche hatten. „Leider ist es in Österreich so, dass zuerst auf die Defizite von Menschen geschaut wird“, sagt Magdas-Geschäftsführerin Gabriela Sonnleitner. So entstand die Idee, Menschen auf Jobsuche mit jener Branche zusammenzubringen, in der oft Personalmangel herrscht, dem Tourismus. Die Voraussetzung: „Alle unsere Mitarbeiter sind Asylberechtigte, sie könnten also auch in jedem anderen Hotel arbeiten.“

Magdas-Hotel: Ein Haus voller Geschichten

Die Zimmer

Da das Budget für den Umbau des ehemaligen Seniorenheims begrenzt war, wurde vielen alten Möbeln neues Leben eingehaucht. Hier: Lampen aus alten Strohhüten.

(c) PETER BARCI ©2016.WIEN.AUSTRIA.email: office@barci.photo

Die Zimmer

88 Zimmer hat das Hotel Magdas in fünf Kategorien, darunter auch Junior Suiten wie diese.

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Im Stiegenhaus

Um etwas für das in die Jahre gekommene Stiegenhaus zu tun, wurden die hohen Fenster mit bunter Folie beklebt.

(c) PETER BARCI ©2016.WIEN.AUSTRIA.email: office@barci.photo

Mit dem Künstler Daniel Büchel wurde ein Spezialist fürs Upcycling gefunden.

(c) PETER BARCI ©2016.WIEN.AUSTRIA.email: office@barci.photo

Das Projekt

Das Social Business ist Arbeitsplatz für 20 Flüchtlinge aus 15 Ländern, die so eine Chance am Arbeitsmarkt erhalten.

(c) BARCI Peter

Statt Kleiderschränken gibt es in den Zimmern ausgemusterte Kofferablagen der ÖBB, die alten Einbauschränke des Heims wurden zu Tischen und Bänken umgebaut.

(c) PETER BARCI ©2016.WIEN.AUSTRIA.email: office@barci.photo

Der Salon

Im Magdas gibt es mit dem "Salon" auch ein öffentliches Cafè, in dem sich viele Wiener gerne zum Brunchen treffen.

(c) PETER BARCI.WIEN.AUSTRIA.peter.barci@aon.at.©2016.

Der Salon

Die Kaffeetische im offenen Salon im Erdgeschoß sind ehemalige Arbeitsplatten der Design-Uni in St. Pölten.

(c) PETER BARCI.WIEN.AUSTRIA.peter.barci@aon.at.©2016.

Das Team

Firaz, der Barkeeper, stammt aus dem Irak.

(c) BARCI Peter/Wien/Austria/office@barci.photo

Lobby

In der Lobby des Hotels hängen die Porträts der Mitarbeiter aus aller Welt.

(c) PETER BARCI.WIEN.AUSTRIA.peter.barci@aon.at.©2016.

Das Team

Geschäftsführerin Gabriela Sonnleitner und Rezeptionist Kevin.

(c) Christian MUELLER (Christian MUELLER)

„Ich heiße Tarek und komme aus Latakia in Syrien“, stellt er sich fast schüchtern vor. Aus seinem Heimatland flüchtete der gelernte Ingenieur in den Libanon, wo er in einem Hotelrestaurant arbeitete. Dort hat er die Liebe zum Kochen entdeckt, doch auch im Libanon wurde die Lage prekär. „Ich konnte nicht bleiben, aber auch nicht zurück nach Syrien“, erinnert sich Tarek.

(c) Christian MUELLER (Christian MUELLER)
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Eine neue Heimat

So wie der Mann mit dem akkurat gestutzten Bart, der in der Küche des Hotels Joghurt für das Dessert in kleine Gläser füllt. „Ich heiße Tarek und komme aus Latakia in Syrien“, stellt er sich fast schüchtern vor. Aus seinem Heimatland flüchtete der gelernte Ingenieur in den Libanon, wo er in einem Hotelrestaurant arbeitete. Dort hat er die Liebe zum Kochen entdeckt, doch auch im Libanon wurde die Lage prekär. „Ich konnte nicht bleiben, aber auch nicht zurück nach Syrien“, erinnert sich Tarek. Vor zwei Jahren und fünf Monaten kam er nach Österreich - und die Leidenschaft fürs Kochen hat er mitgebracht.

„Als Tarek seinen ersten Apfelstrudel gemacht hat, haben wir groß geschaut“, erinnert sich Sonnleitner. „Das habe ich von einer österreichischen Oma gelernt“, sagt der Syrer und ein Lächeln zeigt sich in seinem Gesicht. Orientalische Vorspeisen, Mezze genannt, arabisches Brot - der 39-Jährige bringt den Geschmack seiner alten Heimat auf die Teller der Hotelgäste. „Für mich ist es ein Traum, hier in Österreich zu sein“, sagt Tarek. „Es ist meine neue Heimat.“

Mitarbeiter-Galerie in der Lobby
Mitarbeiter-Galerie in der Lobby Foto © (c) PETER BARCI.WIEN.AUSTRIA.peter.barci@aon.at.©2016.

Früher ein Seniorenheim

Auch das Haus, in dessen Küche Tarek steht, hat mehr als eine Geschichte: War es in den Sechzigerjahren als Seniorenheim der Caritas errichtet worden, wurde es nach der Übersiedelung des Heims zu einer Notschlafstelle für Obdachlose. „Dann haben wir es gefunden“, sagt Sonnleitner - und zum ersten Social-Business-Hotel umgebaut.

Diese Idee geht auf den Nobelpreisträger Muhammad Yunus zurück: ein soziales Problem lösen, indem man wirtschaftlich erfolgreich ist. „Wir müssen uns selbst erhalten, das Ziel ist eine schwarze Null“, sagt Sonnleitner. Doch es geht noch um viel mehr: „Wir wollen nicht nur Menschen mit Fluchthintergrund eine Beschäftigung ermöglichen, sondern auch Vorbild für andere Hotels sein und Vorurteile abbauen“, sagt Sonnleitner.

20 ehemalige Flüchtlinge aus 15 Nationen arbeiten im Magdas, gemeinsam mit zehn Hotelprofis. Chichi, die Hausdame, kommt aus Nigeria, José, der Nachtportier, aus Südamerika, Firaz, der Barkeeper, aus dem Irak. Auch aus Tschetschenien oder aus Somalia stammen die Mitarbeiter: „Momentan kommen die meisten aus Syrien und Afghanistan“, sagt Sonnleitner. So ist die Porträtgalerie der Mitarbeiter in der Lobby auch ein Spiegel des aktuellen Weltgeschehens.

Für die Jungen ist unser Hotel Vintage, für die älteren Gäste ist es so wie früher.

Gabriela Sonnleitner

ÖBB-Kofferablage statt Schrank

Für den Umbau des Hotels gab es ein Budget von 1,5 Millionen Euro. Um damit auszukommen, wurde vielen alten Möbeln neues Leben eingehaucht - und mit dem Künstler Daniel Büchel wurde ein Spezialist fürs Upcycling gefunden.

Statt Kleiderschränken gibt es in den Zimmern ausgemusterte Kofferablagen der ÖBB, die alten Einbauschränke des Heims wurden zu Tischen und Bänken umgebaut, die Kaffeetische im offenen Salon im Erdgeschoß sind ehemalige Arbeitsplatten der Design-Uni in St. Pölten. Um etwas für das in die Jahre gekommene Stiegenhaus zu tun, wurden die hohen Fenster mit bunter Folie beklebt.

„Für die Jungen ist unser Hotel Vintage, für die älteren Gäste ist es so wie früher“, erklärt Sonnleitner, warum sich im Hotel Gäste aller Altersklassen treffen. Sonnleitner selbst hat in Zimmer 326 eine alte Garderobe entdeckt, wie sie ihre Oma zu Hause hatte.

Von den Balkonen, die zwei Drittel der Zimmer haben, blickt man auf den Wiener Prater und kann das Riesenrad erspähen. Im Garten werden im Sommer Grillfeste gefeiert. Austauschbarer Hotellook ist wohl das Einzige, was man hier nicht findet.

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