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WOHNPORTRÄT

Ein Schwimmbad im Wohnzimmer

Gerald Kern zeigt mit seinem Einfamilienhaus nahe Graz, dass sich Energiesparen, Baubiologie und ein Schwimmbad im eigenen Wohnzimmer gut vertragen.

© (c) Oliver Wolf Foto GmbH
 

Mit 40 Jahren, nach zahlreichen Um- und Ausbauten im Haus der Schwiegereltern, hatte Gerald Kern genug davon, sich mit Wohnkompromissen zufriedenzugeben. „Mein Traum war es, ein eigenes, neues Haus zu bauen – ich wollte einen Fixpunkt im Leben“, erzählt er, wie er vor mittlerweile 15 Jahren darüber nachzudenken begann, wie so ein Haus aussehen müsste, aus dem er sicher nie mehr ausziehen wollen würde.

Zehn Jahre ließ er sich Zeit, zu ergründen, was ihm wirklich wichtig ist, was ein schönes, lebenswertes Haus für ihn ausmacht. „Ich hatte schließlich einen Katalog mit rund 300 Punkten“, erzählt der Bauherr. Ganz oben auf dieser Liste stand die Nachhaltigkeit, und die begann schon bei der Suche nach einem Grundstück im Grünen, aber mit guter Infrastruktur in der Umgebung: „Busanbindung, Arzt, Geschäfte und ein bissl Natur“ waren gefragt. Eine Bauparzelle nahe Graz entpuppte sich als Glückstreffer: „Zur Arbeit laufe ich binnen einer Stunde“, sagt der Hausherr und meint es wortwörtlich.

Architektur zum Wohlfühlen: Einblicke in das Wohnhaus

Optisch orientierte man sich auf Wunsch des Bauherrn an der Architektur Norditaliens

(c) Oliver Wolf Foto GmbH

Die Außenanlage wurde freilich auch ökologisch durchgeplant - im Sommer zeigt sich hier eine vielfälte Blumenwiese, an der die Bienen die helle Freude haben. Gemäht wird nie.

(c) Oliver Wolf Foto GmbH

Die Arkaden dienen der Beschattung im Sommer.

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Handarbeit aus der Region auch beim Gartentor, einer Arbeit vom Kunstschmied

(c) Oliver Wolf Foto GmbH

Alle Oberflächen im Innenraum wurden ausschließlich mit volldeklarierten und baubiologisch geprüften Lasuren, Ölen und Wandfarben behandelt. Die Massivholzböden sind alle gelenkselastisch (wie in Turnsälen).

Oliver Wolf

Im Stiegenhaus wurde bei der Planung der spätere Einbau eines Lifts mitbedacht, dann ist das Haus barrierefrei.

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Im Obergeschoß befinden sich die Schlafräume und ein perfekt gedämmtes Musik- und Fernsehzimmer.

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Im Obergeschoß kommt das Licht durch bunte Bleiglasfenster durch die Decke - hier erkennt man auch, dass das Haus eigentlich ein Flachdach hat, das Zeltdach darüber gehört nicht zur thermischen Hülle, es trägt lediglich die Solarpaneele.

Oliver Wolf

Ein Blick durchs Stiegenhaus, in dem locker noch ein Lift Platz hat - sollte er einmal nötig sein.

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Das Entree mit dem Eingang in den großen offenen Wohnraum.

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Die Küche wurde als separater Raum ausgeführt.

Oliver Wolf
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Mit einer sehr genauen Vorstellung von seinem „giftfreien“, baubiologisch hochwertigen Haus, das nur ein Minimum an Energie verbrauchen sollte, kontaktierte Kern 2009 den Baubiologen und Passivhausspezialisten Heribert Hegedys, der sich sofort für die Kompromisslosigkeit, mit der Kern seinen 300-Punkte-Katalog umgesetzt haben wollte, begeistern konnte. „,Ich baue dir mit meinem Wissen DEIN Haus‘, hat er damals zu mir gesagt, und das hat er auch getan“, beschreibt Kern die perfekte Symbiose von Bauherr und Planer. Eine Folge davon war, dass Kerns Passivhaus nicht wie ein schmuckloser Würfel in der Landschaft steht, sondern wie eine Villa in Bozen oder am Gardasee: „Architektonisch war ich dort einfach immer schon zu Hause“, sagt der Bauherr. Das Zeltdach (es trägt die Solarpaneele) und die Arkaden (für die Beschattung) liegen allerdings außerhalb der für ein Passivhaus nötigen kompakten, thermischen Hülle. Diese Hülle garantiert laut Kontrollaufzeichnungen des Bauherrn übrigens einen Energieverbrauch von nur 8,5 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter. Oder sagen wir es so: „Für den Strom aus der Fotovoltaikanlage, den ich ins Netz einspeise, bekomme ich 308 Euro im Monat, 208 Euro monatlich zahle ich im Gegenzug für Heizung und Haushaltsstrom“, erklärt der Bauherr. Und das bei mehr als 300 Quadratmeter Wohnfläche und einem Indoor-Pool mit 30 Grad warmem Wasser das ganze Jahr über.

Wasser, marsch!

Dieses Hallenbad zeugt besonders eindrucksvoll von der Experimentierfreude in Sachen Nachhaltigkeit, die Bauherr und Planer verband: Das geflieste Becken ist mit Regenwasser gefüllt, das seit fünf Jahren nicht gewechselt werden musste. UV- und Sauerstoffreinigung sowie die Kupferdachrinnen, durch die das Regenwasser fließt, sorgen ausreichend für die Hygiene. Der Poolbereich wurde ins Lüftungssystem des Hauses integriert, was den Wirkungsgrad der Komfortlüftung erhöht. Entgegen gängiger Normen setzte man nicht auf Raumlufttrocknung, sondern auf bautechnische Feuchtespeicher in der Gebäudehülle und Lehmputz. Ganz nebenbei entwickelte der Hausherr auch noch eine Methode, die Schallemission der Überlaufrinne deutlich zu verringern.

Nach fünf Jahren im Haus kann der Bauherr heute mit Bestimmtheit sagen: Das Konzept ging auf. Gerade jetzt hat es konstant so um die 25 Grad Celsius bei ihm im Haus. Und das faktisch ohne Heizkosten.

DAS HAUS IM DETAIL

Gebaut wurde mit unporosierten Tonziegeln, zweiseitig luftdicht vermörtelt, Calcium-Silikat-Dämmung, keine PU-Schäumungen oder Verklebungen, keine Mineral- oder Glaswolle. Passivhausfenster aus Massivholz.

Bauzeit zwei Jahre, Fertigstellung im Jänner 2012.

Energiekonzept: 35 m2 thermische Solaranlage für Heizung (Wärmepumpe), Warmwasser, Pool. 3200-Liter-Pufferspeicher im Keller. 8,5 kWp-Fotovoltaikanlage. Zentrale Komfortlüftung, kombiniert mit automatischer Schwimmbadlüftung mit hoher Wärmerückgewinnung, Regenwassernutzung für WC, Waschmaschine, Pool, Garten.

Baukosten inkl. USt. und Nebenkosten wohnfertig 3000 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche (ohne Treppenflächen, Lufträume, Mauerstärken und Kellerfläche).

Planung: Hegedys-Ull Gebäude und Naturraum Gmbh, 8302 Nestelbach bei Graz, Tel. (03133) 299 00, www.hegedys-ull.at

Kommentare (2)

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lombok
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toll, aber ...

... ich frage mich, wie er das mit dem geruch des pools im wohnzimmer hinkriegt. eine gewisse chemie im pool ist ja nötig. aber ich nehme an, dass ganz einfach bei der Überschrift dieses Artikels übertrieben wurde und bilde mir ein, eine Glaswand zwischen Wohnzimmer und Pool zu sehen. dann wäre alles klar und der pool doch nicht im wohnzimmer ...

hermannsteinacher
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1
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Schwimmbad im Wohnzimmer -

selber schuld!