HAUS-RATWas hilft gegen dicke Luft?

Der Experte für Lüftungsanlagen, Felix Twrdik, im Interview über den Sinn der automatischen Wohnraumbelüftung, mögliche Fehler im System und die Notwendigkeit des Fensteröffnens in jedem Haus. Von Daniela Bachal

© (c) Wolfgang Simlinger www.simi.at
 

Die Raumlufthygiene ist Ihr Spezialgebiet. Sie beschäftigen sich dabei intensiv mit Lüftungsanlagen. Was können diese Anlagen im Optimalfall wirklich leisten, Herr Twrdik?

FELIX TWRDIK: Wenn sie richtig dimensioniert sind, stellen sie den hygienisch erforderlichen Grundluftwechsel im Gebäude sicher - ohne unnötige Energieverluste. Entscheidend dabei ist: Die Gebäude werden immer dichter. Mit der herkömmlichen Fensterlüftung ist es oft gar nicht mehr möglich, Schadstoffe und Feuchtigkeit in ausreichendem Ausmaß aus den Wohnräumen zu bekommen. Wir brauchen für den Grundluftwechsel eine mechanische Hilfe.

Hygienisch läuft dabei alles einwandfrei?

TWRDIK: Wir haben 2015 im Rahmen eines Forschungsprojekts alte Lüftungsanlagen im mehrgeschoßigen Wohnbau überprüft und festgestellt: Keine einzige davon war hygienisch ein Problem. Ein sauberer Lüftungskanal, der nicht feucht wird, kann kein hygienisches Problem darstellen.

Versprochen wird saubere, gefilterte Luft. Was und wie viel kann eine Anlage wirklich aus der Außenluft herausfiltern?

TWRDIK: Alles, was partikelförmig ist: Staub, Sporen und Pollen. Allergiker haben es gut.

Wie gut sind die Filter bei Feinstaub?

TWRDIK: Feinstaub wird in Fraktionen eingeteilt, von der am häufigsten vorkommenden Feinstaubklasse PM10 filtern die Anlagen bis zu 90 Prozent heraus. - Keine Verbesserungen darf man sich hingegen bei chemischen Außenluftschadstoffen wie Schwefeldioxid oder Stickoxid erwarten, die wurden aber ohnehin schon stark reduziert.

Fensteröffnen ist trotzdem erlaubt?

TWRDIK: In mechanisch belüfteten Räumen darf ich immer die Fenster aufmachen. In Räumen, in denen die Fenster nicht geöffnet werden können, fühlen sich die Menschen nicht wohl, das weiß man mittlerweile. Selbst wenn die technischen Messwerte aussagen, dass die Luftqualität in Ordnung ist, bringt es Unbehagen. Bei der Wohnraumlüftung geht es auch längst nicht mehr ums Energiesparen, sondern um den Komfort.

Wo liegen Ihrer Erfahrung nach die Knackpunkte, wenn Lüftungsanlagen nicht zufriedenstellend arbeiten?

TWRDIK: Das größte Problem sind Glaspaläste ohne Außenbeschattung. Wir kommen häufig in Büros mit Glasfassaden auf allen Seiten: Auf der Südseite messen wir hier an sonnigen Wintertagen 27 Grad, auf der Nordseite nur 21 Grad. Auf der einen Seite ist es zu kalt, auf der anderen zu warm. Schuld ist nicht die Lüftungsanlage, sondern die Überwärmung der Räume durch die Sonneneinstrahlung. Im Sommer werden die Temperaturen überhaupt unerträglich. Selbst wenn es eine Vollklimaanlage gibt, muss man sehr viel kalte Luft einbringen und diese wird, speziell wenn man schwitzt, als zugig empfunden. Damit beginnt eine Spirale des Unwohlseins.

Es gibt eine große Vielfalt an Lüftungssystemen, was garantiert Qualität?

TWRDIK: Die namhaften Hersteller produzieren in der Regel gute Komponenten. Wenn Anlagen nicht funktionieren, liegt es meistens an der Planung und Dimensionierung sowie am Einbau der Anlage.

 

ZUR PERSON

Felix Twrdik ist gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Hygiene bei raumlufttechnischen Anlagen. Er arbeitet für das "Innenraum Mess- und Beratungsservice" des Österreichischen Instituts für Baubiologie und -ökologie, das seine Dienste österreichweit anbietet.
www.innenraumanalytik.at

 

Kommentare (1)

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DukeNude
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gute Investition

die Wohnraumlüftung war die 2.beste Investition im neuen Haus nach dem Pool (abgesehen natürlich von Grundausstattung wie Küche, Bad, WC...). Erstens spart man sich sehr oft das Lüften, im Sommer bleibt es kühl, im Winter warm, lästige Insekten bleiben draußen, jedoch gibt es noch deutliches Verbesserungspotenzial (zumindest bei meiner Anlage): wie schon im Text geschrieben, kommen Schadstoffe dadurch immer ins Haus und Essensgerüche bleiben umso länger im Haus. Dann kann man entweder doch ordentlich durchlüften und der Energievorteil ist dahin oder man lebt mit dem Geruch. Und wenn dann der Nachbar dann noch mit nassem Holz heizt, und das ganze Dorf verpestet, stoppt meine Anlage leider nicht automatisch (das kann mein Auto seit 15 Jahren).

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