AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Schädlingsplage

Der Buchsbaumzünsler frisst sich durch Kärntens Gärten

Eine kleine grün-schwarze Raupe "Nimmersatt" frisst sich auch heuer wieder durch Buchsbaumhecken und -kugeln in Kärntens Gärten. Vor Jahren wurde die Raupe des Kleinschmetterlings aus Ostasien eingeschleppt und hat sich mittlerweile in ganz Mitteleuropa ausgebreitet. Gegen den Pflanzenschädling gibt es kein wirksames Mittel. Von Eva-Maria Watscher.

© Kleine Zeitung/Watscher
 

Ist er auch Ihr ganzer Stolz im Garten? Uralt oder liebevoll selbst gezogen, perfekt in Form geschnitten, immergrün: der Buchsbaum? Haben Sie Ihren Buchs in letzter Zeit auch schon einmal genauer betrachtet? Falls nicht, sollten Sie das gleich nachholen. Viele, die jetzt im Frühling Ihre Buchsbaumkugeln und -hecken in Form schneiden wollen, entdecken plötzlich abgefressene Stellen, die aussehen, als wären sie mit Spinnweben überzogen. Die schlechte Nachricht: Hier ist die Raupe des Buchsbaumzünslers, eines Kleinschmetterlings aus Ostasien, am gefräßigen Werk. Binnen kürzester Zeit sind Buchsbaumsträucher kahl gefressen. Die gute Nachricht: gibt es leider nicht. Die Raupe hat keine natürlichen Feinde. Für Vögel und andere potenzielle Räuber ist sie ungenießbar, weil sich die Raupe ausschließlich von den giftigen Buchsbaumblättern ernährt.

Als ob das für Hobby-Gärntner noch nicht schlimm genug wäre, hat der Buchsbaumzünsler auch noch das ganze Jahr hindurch Saison. Die Metamorphose Ei-Raupe-Puppe-Falter vollzieht sich beim Buchsbaumzünsler gleich zwei bis drei Mal im Jahr. "Die letzten Falter fliegen noch im Oktober", erklärt Christian Wieser, Leiter der Abteilung Zoologie des Landesmuseums Kärnten. "Die Raupen überwintern dann bequem und gut geschützt zwischen den Blättern." Im nächsten Jahr geht das große Fressen dann munter weiter. Die Falter sind übrigens auch noch sehr "reisefreudig". Wieser: "Sie sind einfach überall." Sogar auf dem Berg flattern sie einem entgegen. Es gibt keinen Flecken, den sie nicht erreichen. Und damit kommt ihnen auch kein Buchsbaum aus. "Im Moment haben wir in Kärnten einen flächendeckenden Befall", bestätigt Wieser.

Foto © Kleine Zeitung/Watscher

Wie hat es der Buchsbaumzünsler überhaupt in unsere Breiten geschafft? Der Kleinschmetterling wurde vermutlich mit einer Pflanzenlieferung aus dem ostasiatischen Raum eingeschleppt. Mittlerweile haben sich seine Raupen durch ganz Mitteleuropa gefressen und es gibt kein wirksames Mittel gegen diesen Pflanzenschädling. 2006 wurden erste Sichtungen aus Deutschland gemeldet, 2009 tauchte der Zünsler dann erstmals in Österreich auf und 2011 dürfte er dann nach Kärnten vorgedrungen sein, erklärt Wieser. Seitdem hat sich der Buchsbaumzünsler explosionsartig und flächendeckend auch in unserem Bundesland ausgebreitet. Um die gefräßige Raupe loszuwerden, hilft nur, die befallenen Buchsbäume auszugraben und zu verbrennen. So sehr das Gärtnerherz dabei auch blutet. Die Raupe lebt im Inneren der Sträucher und bis sie entdeckt wird, ist es oft schon zu spät. Die Zünsler fressen zuerst Blätter und Knospen, später auch die Rinde und damit sterben ganze Triebe ab. Spätestens dann hilft nur noch ausgraben und verbrennen.

Pestizide wirkungslos

Foto © Kleine Zeitung/Watscher

Die Industrie wittert im (aussichtslosen) Kampf gegen den Buchsbaumzünsler das große Geschäft und verspricht wirksame Abhilfe. "Das ist aber ein Kampf gegen Windmühlen", so Wieser und erklärt, dass die Schädlinge auch mit hochdosierten Pestiziden nicht bekämpft werden können. "Schädlingsbekämpfungsmittel sind nur Kosmetik. Die Raupen kapseln sich in ihren Gespinsten so gut ab, da müsste man schon mit Hochdruck und permanent spritzen", so Wieser. Außerdem erwischt man nie alle der unzähligen Raupen und sobald man mit dem Einsatz von Pestiziden aufhört, fressen auch die Raupen wieder munter weiter. Zwar gebe es neueste Versuche, mit Bakterien gegen die Pflanzenschädlinge vorzugehen, aber inwieweit das erfolgreich sein kann, müsse sich erst zeigen, meint Wieser. Überhaupt sei es schwierig, ein Gift zu entwickeln, das spezifisch nur gegen den Buchsbaumzünsler wirkt. "Es werden immer auch andere Arten 'mitkassiert'", so Wieser. Was kann der passionierte Hobby-Gärtner also tun? Der Experte ist mit seiner Antwort schonungslos und nimmt jegliche noch verbliebene Gärtner-Illusion: "Ein sauberer Schnitt einen Zentimeter über dem Boden", meint Wieser.

Fazit (und Eigenerfahrung der Autorin, sofern Ihre Buchsbäume erst teilweise befallen sind): Sie können sich viel Zeit nehmen, täglich Ihren Buchs kontrollieren, alle Raupen aus den Büschen und Hecken sammeln, ein Schädlingsbekämpfungsmittel auf den Strauch sprühen und hoffen, dass Sie Ihren Buchs damit retten. Aber die erbarmungslose Wahrheit für den Hobby-Gärtner ist: Sitzen die Raupen erst einmal fett im Buchs und fressen sich gnadenlos durch, hilft eigentlich nur noch ausgraben und den Strauch verbrennen. - Aber aufgegeben wird erst, wenn das letzte Buchsbaumblatt der sorgsam gezogenen Hecken und Kugeln weggefressen ist. Bis dahin wird "abgeklaubt" und täglich kontrolliert, solange der Buchsbaum noch grün wie die Farbe der Hoffnung ist...

Gratis-Buchsbaum-Abholung in der Landeshauptstadt

Das Team der Abteilung Entsorgung der Stadt Klagenfurt bietet die fachgerechte Vernichtung der befallenen Buchsbäume an. Von 14. Mai bis einschließlich 22. Mai werden ausgegrabene oder geschnittene vom Zünsler befallene Buchsbäume kostenlos von Mitarbeitern der Stadt abgeholt und an einem dafür vorgesehenen Ort verbrannt, sodass sich nicht im Gebüsch vorhandene Raupen weiter verbreiten können.

Interessierte melden sich bei der Abteilung Entsorgung der Landeshauptstadt Klagenfurt unter der Nummer 0 46 3/537-33 45 (Günther Boenisch).

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren