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Vertikale Gärten

Grüne Architektur statt kahler Beton

Zimmerpflanzen und Blumenkisterl waren gestern. Das Hartberger Unternehmen "Formingruen" macht aus schmucklosen Wänden vertikale, grüne Oasen. 22 Quadratmeter dieser begrünten Wandflächen sparen jährlich eine Tonne CO2 ein.

© Formingruen
 

Farne, Efeu und tropische Gewächse sind seit 2009 das Metier von Johannes Leitner. Mit seinem Unternehmen "Formingruen" bepflanzt der Steirer Büroinnenwände genauso wie Fassaden. Ein hübscher Ökoschmäh für Großstädter, die keinen Beton mehr sehen können? Der 41-Jährige schüttelt den Kopf. "Mit begrünten Wänden lässt sich die Lebensqualität im urbanen Bereich verbessern", ist Leitner überzeugt. "Im Innenbereich erhöhen die Pflanzen die Luftfeuchtigkeit, mindern den Staubflug und wirken natürlich klimatisierend, im Außenbereich helfen sie Schall zu absorbieren, den Urban-Heating-Effekt zu reduzieren und CO2 zu sparen", so der gebürtige Schladminger.

Computergesteuert

Was so natürlich aussieht, ist dabei ein Hightech-Produkt. Sieben Jahre lang tüftelte Leitner an dem mineralischen Konglomerat, in dem Setzlinge und Samen wachsen, an Sensoren und Bewässerungstechnik. "Das Produkt besteht aus 211 Einzelkomponenten", erklärt der Unternehmenschef. Ein siebenköpfiges, interdisziplinäres Team, in dem eine Architektin, ein Gärtner, eine Mechatronikerin und ein Wassertechniker vertreten sind, sorgen für die Umsetzung der einzelnen Projekte. Fertige, bepflanzte Module werden dabei an der Wand befestigt, in der Hinterlüftung der Konstruktion versteckt sich die Technik. Gegossen wird computergesteuert, nur zwei bis viermal im Jahr muss Hand angelegt werden, um den vertikalen Garten zu pflegen.

Die Zentrale von Saubermacher in Graz hat das Hartberger Unternehmen bereits ebenso begrünt, wie die unter dem Motto "Die neue Welt der Arbeit" spektakulär umgebauten Räumlichkeiten von Microsoft in Wien. Eine U-Bahnstation in Aserbaidschans Hauptstadt Baku zählt zu den Referenzprojekten im Outdoor-Bereichen. An zwei noch nicht ganz spruchreifen Großprojekten ist man derzeit dran: Flächen von 750 bzw. 3000 m² gilt es dabei mit zehntausenden Pflanzen zu vertikalen Gärten zu machen. Und die Ideen für weitere Projekte scheinen bei Formingruen zu sprießen, wie die Krokusse in der Frühlingssonne. Ein Gemüsemodul soll heuer auf den Markt kommen – den Thymian für den Sonntagsbraten zupft man sich dann einfach von der Balkonwand. "Wir werden auch weltweit die Ersten sein, die Bäume in einem vertikalen Garten wachsen lassen", erzählt Leitner von Plänen, die er demnächst umsetzen will.

Grüner Daumen

Dass vertikale Gärten und begrünte Architektur eine große Zukunft haben, davon ist man bei "Formingruen" überzeugt – und auch davon, dass sich vom Ökopark Hartberg aus die Welt erobern lässt. "Wir wollen in vier bis fünf Jahren Weltmarktführer werden", so der Firmenchef optimistisch. Ein Ziel, das ihn aus der Oststeiermark schon bald nach Südostasien führen könnte. "In Singapur hat man per Gesetz beschlossen, dass bis 2025 30 Hektar Wandflächen begrünt werden müssen", so Leitner. Die grauen Großstädte von heute als blühende (vertikale) Gärten von morgen? Geht es nach "Formingruen", kommen die Spezialisten mit dem grünen Daumen und dem technischen Know How dafür aus der Oststeiermark.

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