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KULTURGUT

Herrschaftliches Wohnen

Ein neues Buch öffnet die Türen zu 255 steirischen Herrenhäusern und erzählt dabei die Geschichte des Eisenwesens. Von Daniela Bachal

Pantz’sches Herrenhaus Sonnhof in Stainach: Villa und Wirtschaftsgebäude © (c) Roland Jagersberger
 

Jahrhundertelang war die Steiermark mit dem Erzberg ein Zentrum der Eisenindustrie. Von den Hammerwerken, wo einst die Vormaterialien zur Weiterverarbeitung erzeugt wurden, und den vielen Sensenwerken, deren Produkte einst in ganz Europa, in Russland und bis in den Vorderen Orient begehrt waren, ist heute kaum noch etwas zu sehen. Die teilweise prächtigen Wohnstätten der Hammerherren, Radmeister und Eisenverleger sind aber heute noch vielfach in einem guten Zustand und zeugen vom Reichtum ihrer früheren Besitzer.

 

Villa Auheim in Thörl: englische Villenarchitektur mit gotischen Formen Foto © JAGERSBERGER

Der Kunsthistoriker Reinhold Jagersberger hat sie im Rahmen seiner Doktorarbeit im Verlauf von fünf Jahren sorgfältig dokumentiert. Herausgekommen ist dabei ein Überblick über Häuser mit Geschichte(n). "Die Bestandsaufnahme sollte zu 99,9 Prozent für die Steiermark vollständig sein", sagt der Autor, der bei seiner Recherche freilich auch einige Objekte in sehr bedauernswertem Zustand vorfand. "Das Gros ist allerdings gut erhalten und wurde zu Mehrparteienwohnhäusern umgebaut", sagt er. Überrascht hat Jagersberger, wie oft solche Häuser in der Steiermark tatsächlich noch zu finden sind - und die Größe und das Ausmaß der Objekte. "In diesen Haushalten gab es auch viele Kinder und Gesellen", sagt der Autor.

Radstatthof in Mooslandl im Bezirk Liezen mit sgraffitoverzierter Fassade Foto © JAGERSBERGER
 

Die architektonischen Vorbilder für die Herrenhäuser fanden sich in den Adelshäusern der Zeit und in der bäuerlichen Struktur. "Herrenhäuser stellten kleine Repräsentationsbauten dar, die mit Feingefühl der Umgebung angepasst waren und Sinn für Geschmack ausdrückten. Damit schufen sie auch Distanz zu den Häusern der Minderbemittelten, regten hingegen wohlhabende Bürger an, es ihnen in der Gestaltung der Häuser gleichzutun", erklärt der Autor.

Schloss Gut Leopoldstein in Eisenerz, erbaut um 1680, beherbergt heute ein Internat und das Jugendsporthaus Eisenerz Foto © JAGERSBERGER
 

Das Buch zeugt vom Idealismus und der Leidenschaft vieler privater Bauherren, die den Denkmalschutz als Hilfe verstanden, und von oft unterschätzten Möglichkeiten, die sich durch die Fördergelder des Revitalisierungsfonds bieten.

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