Die Architektur unseres Hauses ist nichts Besonderes, aber die Bauweise auf alle Fälle“, sagt Karin Jester vom Biobauernhof Ertl-Jester in Oberdorf bei Spittal. Diese Ansage macht jedenfalls neugierig, und man möchte sich das Besondere gerne erklären und auch zeigen lassen.

Also: 2015 hat Karin gemeinsam mit ihrem Mann Christian einen Großumbau in Angriff genommen. Der Plan: die Tenne des Bauernhofs mit rund 400 Quadratmetern zu angenehmen Wohnräumlichkeiten für sich und die drei kleinen Töchter umzubauen. „Vorhanden war eigentlich nichts. Es gab Bretter als Außenwände, und das Dach bestand nur aus Latten und Ziegeln“, erzählt Christian.

Um es gleich vorwegzunehmen: Von der alten Substanz ist nach dem Umbau nur der untere Teil mit den Steinmauern übrig geblieben – der einstige Stall, der mittlerweile zu einer eleganten Ab-Hof-Verkaufsstelle ausgebaut wurde. Wobei Karin und Christian noch nicht lange Vollerwerbsbiobauern sind. Beide sind Experten im Bereich „Erneuerbare Energie“ und haben zuvor als Techniker bei „Sonnenkraft“ in St. Veit gearbeitet.

Aber zurück zum Umbau, bei dem es einige Kriterien zu erfüllen gab. Die Planung der Räume wurde vorerst nach den Familienprioritäten gegliedert: Ein großer Vorraum mit viel Stellfläche musste her, ebenso eine große Wohnküche – „Weil wir hier die meiste Zeit verbringen“ –, dafür eher kleine Schlafzimmer auf der Nordseite, „weil die ja wirklich nur zum Schlafen da sind.“

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Wichtig war der Familie auch ein großes Badezimmer mit begehbarer Dusche und Badewanne. „Im Haushalt leben ja vier Damen, die brauchen Platz“, sagt Christian. Höchste Priorität hatte aber die Nachhaltigkeit der verwendeten Materialien. „Für uns war es ganz wichtig, dass das Baumaterial nicht nur ökologisch, sondern auch regional ist.“

Dass die Familie einen eigenen Wald besitzt, kam diesem Vorsatz sehr entgegen. Ein Großteil des benötigten Holzes, etwa für die Konstruktion des Wandaufbaus, kam aus dem eigenen Bestand. Fest stand: keine Industrieware“. So wurde etwa für die Dämmung Hanf aus Unterkärnten verwendet. „Der zerfaserte Hanf wurde in Säcken geliefert und dann von uns in Handarbeit zwischen die Holzriegel gestopft. So wurde Brett für Brett aufgezogen.“ Bei den Außenwänden kamen Holzweichfaserplatten zum Einsatz, die anschließend mit Lehm und Kalk verputzt wurden, um sie widerstandsfähiger zu machen. Auch die Abschlussdecke ist mit Hanf gedämmt, über den dann ebenfalls ein Lehmputz gezogen wurde. „Das sorgt für ein angenehmes Wohnklima.“

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Selbst die Fenster und Türen sind mit Hanf ausgestopft, weil man keinen PU-Schaum verwenden wollte. Interessant ist auch die Lösung für die Decken im Wohnbereich: Sie bestehen aus 21 Zentimeter hohen, aufgestellten Brettern, die mit Alunägel verbunden sind. Der Vorteil ist, dass man Alunägel auch mit der Motorsäge schneiden kann. Wunderschön sind im Vorraum auch die handgebrannten Ziegel. „Das sieht fast so aus wie in einem alten Bauernhaus.“ Geheizt wird mit Wand- und Fußbodenheizung, zusätzlich gibt es noch Solar-Kollektoren mit Pufferspeicher. Und was auf einem Bauernhof auf keinen Fall fehlen darf, ist natürlich eine große Speisekammer.

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