Fenster, Pool, WickeltischSo sieht ein sicheres Zuhause für kleine Entdecker aus

Alle vier Minuten verunfallt in Österreich ein Kind so schwer, dass es im Spital behandelt werden muss. Wie Eltern ein sicheres Umfeld ohne große Verbote schaffen können.

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Der Sommer ist für alle ein Genuss. Vor allem für die ganz Kleinen, die ausziehen, um die Welt zu entdecken. Für sie können abervor allem in der heißen Jahreszeit ungesicherte Fenster oder auch Pools zum Verhängnis werden. „Wir sind keine Verbieter, wir sind Verhinderer. Wir verstehen, dass Fallen zum Aufstehen gehört. Wir wollen, dass Kinder sich bewegen, toben, lachen, schreien, tun und machen. Aber das in einem möglichst unfallverzeihenden Lebensumfeld", erklärt Holger Till, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie am LKH-Universitätsklinikum Graz und Präsident des Vereins "Große schützen Kleine".

Hier hakt auch Johanna Trauner-Karner, Präventionsexpertin des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, ein: „Man nimmt immer an, dass die größten Gefahren für Kinder im Straßenverkehr lauern, aber man vergisst relativ schnell, dass gerade das häusliche Umfeld ein sehr riskanter Ort für Kinder ist, weil sie sich dort sehr viel aufhalten.“ 

Kindersicheres Zuhause
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Gefahr Wickeltisch

Bei den ganz Kleinen dominieren Stürze von Wickeltisch, Couch oder Bett. In Österreich müssen jährlich rund 500 Kinder nach Unfällen dieser Art behandelt werden. „Jeder, der mit einem Säugling zu tun hat, sollte wissen, dass ein Kind quasi vom ersten Lebenstag an vom Wickeltisch fallen kann. Dazu muss es sich nicht drehen können. Die meisten Kinder stürzen am Fußende vom Wickeltisch, indem sie sich durch Strampelbewegungen immer weiter mit dem ganzen Körper nach vorne schieben“, betont Holger Till.

Es ist als Elternteil nicht machbar, sein Kind immer im Blick zu haben. Das spricht eben auch für Hilfsmittel. Wenn etwas passiert, ist es einfach besser, wenn es mehrere Auffangnetze gibt.

Johanna Trauner-Karner, Präventionsexpertin KFV

Johanna Trauner-Karner rät, sich auch früh genug um die Absicherung offener Wasserstellen zu kümmern – auch bei den Nachbarn. „Bei Biotopen gibt es beispielsweise Schutzgitter, die ,unsichtbar‘ knapp unter der Wasseroberfläche angebracht werden können.“ Die Expertin unterstreicht noch einmal. „Es ist als Elternteil nicht machbar, sein Kind immer im Blick zu haben. Das spricht eben auch für Hilfsmittel. Wenn etwas passiert, ist es einfach besser, wenn es mehrere Auffangnetze gibt.“

Wie Eltern in den eigenen vier Wänden vorsorgen können, damit aus dem Spiel und Spaß nicht Ernst wird. Hier eine kleine Checkliste.

GARTEN/TRAMPOLINE/POOL

  • Trampoline sollten ein Sicherheitsnetz haben, Metallfedern und Trampolinrahmen dick gepolstert sein. Kinder nur einzeln und unter Aufsicht springen lassen.
  • Trampoline sollten auf ebenem, hartem Untergrund, in sicherer Entfernung zu Gefahrenstellen (Mauer, Grill) stehen. 
  • Biotope/Pools sollten mit Abdeckungen/Zäunen gesichert werden – auch die der Nachbarn!

WICKELTISCH/WIPPE/HOCHSITZ

  • Besonders quirlige Kinder sicherheitshalber am Boden wickeln.
  • Beim Wickeln muss das Baby immer mit mindestens einer Hand gesichert werden. Alle nötigen Utensilien griffbereit zurechtlegen.
  • Babys in Wippen immer anschnallen und auf den Boden stellen, nicht auf Sessel oder Tische – Sturzgefahr!
  • Achten Sie darauf, dass Hochstühle stabil sowie kippsicher sind. Gurt immer anlegen, damit das Kind nicht aus dem Hochstuhl fallen kann.
Bringen Sie bei Fenstern und Terrassentüren unbedingt Kindersicherungen an Foto ©

WOHNRÄUME/SCHLAFZIMMER

  • Bei allen Steckdosen Kindersicherungen anbringen.
  • Gefährliche Ecken/Kanten sollten mit einem Schutz versehen werden.
  • Fenster und Balkontüren müssen mit versperrbaren Fenstergriffen ausgestattet werden – sie dienen übrigens auch als Einbruchsicherung.
  • Stiegenschutzgitter anbringen.
  • Bett mit „Rausfallschutz“ versehen. 
  • Möbel/Geräte kippsicher montieren.
Töpfe und Pfannen mit dem Henkel zu aufstellen, dass sie für Kinder nicht erreichbar sind Foto © ronstik - stock.adobe.com

KÜCHE

  • Der Herd sollte mit einem Herdschutzgitter ausgestattet werden, sodass Kinder Töpfe oder Pfannen nicht erreichen und vom Herd ziehen können.
  • Pfannenstiele und Kochtopfgriffe immer nach hinten drehen.
  • Küchenmesser und Besteck müssen kindersicher verwahrt werden.
  • Kabel so hinlegen, dass sie Kinder gar nicht erst erreichen und daran ziehen können – z. B. beim Wasserkocher.
In der Bärenburg

BADEZIMMER

  • Wassertemperatur immer vor dem Baden des Kindes überprüfen. Kinder hier nie aus den Augen lassen, bleiben Sie in Griffweite!
  • Tauschen Sie Armaturen möglichst gegen Warmwassermischbatterien mit Temperaturbegrenzer.
  • Badewanne/Dusche mit Anti-Rutsch-Matte ausstatten.
  • Putz-/Waschmittel außerhalb der Reichweite von Kindern verwahren.

KINDERZIMMER/HAUSTIERE

  • Vorsicht bei kleinteiligen Spielzeugen!
  • Bei Spielsachen mit Farbüberzug auf Hinweise wie „Speichel-“ oder „Schweißechtheit“ achten.
  • Nur zu hochwertigen, geprüften technischen Geräten greifen, erkennbar an GS-, VDE- oder Prüfzeichen.
  • Beschädigte Akkus müssen getauscht werden.
  • Babys und Kinder sollten mit Hunden nie alleine gelassen werden.

 

 

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