Zack! Einmal kurz nicht aufgepasst und schon ist sie kaputt: die allerliebste Teekanne. Scherben bringen bekanntlich Glück, doch das macht das geliebte Keramikstück auch nicht wieder heil. Da muss schon ein Profi her. Zum Beispiel Barbara Juen-Bloéb. Sie ist eine von wenigen Restaurateurinnen in Österreich, denen die uralte Reparaturtechnik Kintsugi vertraut ist: „Dabei wird ein zerbrochener Gegenstand wiederhergestellt, indem die Bruchstellen mit speziellem Lack und einem metallischen Goldüberzug fixiert werden.“

Quasi Upcycling in Reinform. Nur dass Kintsugi bereits seit dem 15. Jahrhundert in Japan praktiziert wird. Das Handwerk hat sich Barbara Juen-Bloéb mithilfe von Internet und Filmen selbst angeeignet. Zwei Jahre habe es gebraucht, „bis die Ergebnisse zufriedenstellend waren“.

Barbara Juen-Bloéb beherrscht die japanische Reparaturmethode „Kintsugi“
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Kintsugi braucht Geduld und Sorgfalt

Im Gegensatz zu einer normalen Restaurierung sind mehr Arbeitsschritte nötig. Laut Barbara Juen-Bloéb brauche es manchmal mehrere Monate, bis ein Stück wirklich fertig ist: „Alleine die einzelnen Trockenphasen belaufen sich auf bis zu drei Wochen.“ Die Expertin rät deshalb dazu, sich ein Stück auszusuchen, „das es wert ist, diese lange Wartezeit auf sich zu nehmen“.

Barbara Juen-Bloéb zeigt eine reparierte Teeschale
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Aber was dauert denn da so lange? Zuerst werden die Scherben mit einem Lack aus dem Saft des Lackbaums bearbeitet. Die Risse selbst hebt man mit mehreren Lackschichten hervor, die am Ende mit Goldpuder dekoriert werden. Vermischt sich das Metall mit dem Lack, entsteht das Bild einer glänzenden Narbe. All das passiert in mehreren Etappen. Dafür erhält man allerdings am Ende ein Stück, das „hitzebeständig und lebensmittelecht ist“, wie es heißt. Die zerbrochene Teekanne bleibt also weiterhin in Verwendung.

Philosophie auf Mensch übertragbar

Barbara Juen-Bloéb über die Philosophie dahinter: „Ich bin kein Mensch, der sich leicht von kaputten Dingen trennt“, erklärt sie. Der Gedanke, dass geliebte Objekte „ein Revival erleben“ dürfen, sei für die Restaurateurin ein schöner. Vor allem, wenn man das ganzheitliche Prinzip dahinter betrachtet und es auf den Menschen ummünzt: Wir alle haben schlechte Erfahrung gemacht. Doch solche Risse können heilen. „Seine Narben sollte man mit Stolz tragen. Das zeigt doch nur, dass jeder eine gewisse Entwicklung durchläuft“, ist sich Barbara Juen-Bloéb sicher.