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Im Glashaus

Der Kada-Bau im Botanischen Garten von Graz wird durch Billig-Gewächshäuser verschandelt, historisches Glashaus verfällt weiter. Der Architekt tobt, der Denkmalschutz hofft dennoch auf Rettung des Palmenhauses.

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Von utopisch über historisch bis zu unverschämt minimalistisch reicht die Palette der Gewächshäuser im Botanischen Garten der Karl-Franzens-Universität. Und so sorgt das Areal rund um die Institutsgebäude der Pflanzenwissenschaften dieser Tage für enorme Aufregung. Der Stein des Anstoßes: Beim Zubau von Klaus Kada hat das Institut zwei Billigst-Glashäuser aufgestellt. Just neben der gebogenen Hängebrücke, die dem alten Baumbestand ausweicht, sind die Zweckbauten hochgezogen worden. Das Gesamtensemble, das Magnet für Architekturstudenten aus ganz Europa ist, wird dadurch massiv beeinträchtigt.

Das Kuriosum: Eigentlich gäbe es eine Lösung für die Platznot der Forscher. Das Palmenhaus von 1888 müsste nur revitalisiert werden. Doch auf diesem Ohr waren Uni und Bundesimmobilien-Gesellschaft (BIG) bis vor Kurzem taub. Stattdessen regiert im Botanischen Garten jetzt Baumarkt-Optik.

Unsensibel

Für Klaus Kada ist das eine Katastrophe: "Wie es dafür eine Bewilligung geben konnte, frage ich mich schon. Man hat mich nicht einmal gefragt, bevor man hier ohne jede Sensibilität diese Wischiwaschi-Glashäuser hineingeknallt hat." Institutsleiter Thomas Roitsch war für G7 nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Chefin der Altstadt-Kommission Gertrude Celedin erklärt: "Uns wurde gesagt, es handle sich um ein Provisorium für ein Forschungsprojekt. Und bei vorübergehenden Bauten lassen wir mehr zu." Was Kada nicht besänftigt: "Wir wissen, wie es bei uns mit Provisorien ist, die bleiben am längsten stehen."

Doch während hier die Empörung überkocht, keimt beim denkmalgeschützten Palmenhaus Hoffnung auf, erzählt Kunsthistorikerin Margit Stadlober vom Verein Denkmal Steiermark: "2011 steht das 200-Jahr-Jubiläum des Botanischen Gartens in Graz an." Und da steigt die Bereitschaft bei BIG und Uni, das Glashaus doch noch zu retten. Ortweinschüler werden am westlichen Flügel mit der Teilrestaurierung beginnen. 1950er-Jahre-Zubauten werden abgerissen. Die Kosten für eine Generalsanierung liegen zwischen 700.000 und 2,5 Millionen Euro. Und diese sind noch nicht gesichert.

Immerhin ist es ein Anfang. Wäre doch das Palmenhaus 1995 nach der Eröffnung von Volker Gienckes spektakulären Glashügeln um ein Haar komplett abgerissen worden. Eine Bürgerinitiative hat das damals verhindert. Seit 2008 steht der einzige Stahlskelettbau der Stadt neben dem Eisernen Haus unter Denkmalschutz.

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