Nachfolger von PlossJochen Hanebeck ist der neue Mann an der Spitze von Infineon

Kontinuität beim deutschen Halbleiterkonzern Infineon: Der bisherige COO Jochen Hanebeck folgt dem scheidenden Reinhard Ploss als Vorstandsvorsitzender.

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Der bisherige Leiter des Tagesgeschäfts, Jochen Hanebeck, wird neuer Vorstandschef von Infineon © Werner Bartsch/KK
 

Der deutsche Chiphersteller Infineon hat einen Nachfolger für seinen scheidenden Vorstandschef Reinhard Ploss gefunden. Der bisherige Leiter des Tagesgeschäfts, Jochen Hanebeck, wird neuer Vorstandsvorsitzender. Dies hat der Aufsichtsrat beschlossen.

Hanebeck wird zum 1. April 2022 neuer Vorstandsvorsitzender. Er wurde für fünf Jahre bestellt, sein Vertrag läuft damit bis zum 31. März 2027. Er ist seit 2016 Mitglied des Vorstands und Chief Operations Officer (COO). Hanebeck folgt auf Reinhard Ploss, der seit 2012 das Unternehmen, das in Österreich die Tochter Infineon Austria mit einem großen Werk in Villach hat, als Vorstandschef führt. Er sollte den Posten nach früheren Angaben eigentlich erst Ende 2022 abgeben.

Zuvor war bereits bekanntgegeben worden, dass der 1955 geborene Infineon-Chef für keine weitere Amtszeit zur Verfügung steht. Zu Fragen nach seiner Nachfolge hatte er sich zuletzt bedeckt gehalten. Nach seinem Wunschnachfolger gefragt hatte er auf seine vier "fantastischen" Kollegen und Kolleginnen im Vorstand verwiesen.

Der Absatz boomt

Die Geschäfte von Infineon boomen in der Chipkrise - etwa in der Autoindustrie sind die Halbleiter knapp. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat sich der Gewinn auf 1,17 Milliarden Euro mehr als verdreifacht und es ist der höchste Umsatz der Firmengeschichte erzielt worden. Auch für das kommende Geschäftsjahr ist der Konzern zuversichtlich und hat seine Prognose leicht erhöht.

KK Reinhard Ploss scheidet Ende März aus
Reinhard Ploss scheidet Ende März aus © KK

Hanebeck gilt als "hervorragende Kenner sowohl der Halbleiter-Industrie als natürlich auch von Infineon". Hanebeck habe über viele Jahre in unterschiedlichen Führungspositionen zum profitablen Wachstumskurs von Infineon beigetragen. Der neue CEO zeigte sich über "das große Vertrauen, das der Aufsichtsrat in mich setzt", sehr erfreut.  Er übernehme von Ploss ein "hervorragend aufgestelltes Unternehmen".

Der neue CEO

Hanebeck ist seit 2016 Vorstandsmitglied von Infineon und Chief Operations Officer.

Er wurde 1968 in Dortmund geboren und hat ein Diplom in Elektrotechnik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Seit 1994 ist er bei Infineon (bis 1999 Siemens AG).

Unter der Führung von Ploss wurde der strategische Ansatz „Vom Produkt zum System“ im Unternehmen etabliert. Außerdem wurde das Portfolio durch die erfolgreichen Übernahmen von International Rectifier und Cypress Semiconductor Corp. ausgebaut. Ploss begann seine Karriere im Unternehmen 1986 als Prozessingenieur.

Österreich-Chefin

Chefin von Infineon Austria ist Sabine Herlitschka. Neben dem Hauptsitz in Villach hat Infineon Austria Niederlassungen in Wien, Graz, Linz und Klagenfurt.

Hierzulande arbeiten 4500 Menschen für den Konzern, davon fast 2000 in der Forschung und Entwicklung.

Der Forschungsaufwand erreicht pro Jahr fast eine halbe Milliarde Euro, damit gehört die Firma zu den forschungsstärksten Österreichs. Der Umsatz belief sich voriges Jahr auf gut drei Milliarden Euro.

Im September wurde das neue 300-Millimeter-Dünnwaferwerk in Villach eröffnet. In die neue Fabrik investierte der Konzern 1,6 Milliarden Euro. "Die Kunden reißen uns die Chips aus der Hand, das Timing ist perfekt", sagte der zukünftige Konzernchef Hanebeck bei der Eröffnung. Ploss bezeichnete den Kärntner Infineon-Standort als "Wurzel der Leistungshalbleiterei".

Die Kunden reißen uns die Chips aus der Hand, das Timing ist perfekt.

Jochen Hanebeck

Chipknappheit bleibt bestehen

Der Halbleiterhersteller befindet sich insgesamt auf Wachstumskurs und stellt sich angesichts der zunehmenden Verbreitung von Elektroautos und der wachsenden Bedeutung Erneuerbarer Energien auf eine dauerhaft höhere Chip-Nachfrage ein. Viele Anwendungen würden weiter elektrifiziert und digitalisiert, deswegen sei zu erwarten, dass die starke Chip-Nachfrage in praktisch allen Märkten anhalte, sagte Ploss zuletzt bei der Jahres-Pressekonferenz. Die Chipknappheit in den Bereichen Automotive, Industrie, Rechenzentren, Internet der Dinge und anderen Bereichen werde bis weit in das Jahr 2022 bestehen bleiben.

Für das laufende Geschäftsjahr 2021/22 sagte Ploss einen weiteren Anstieg des Umsatzes auf 12,7 Milliarden Euro voraus und hob die Prognose für die Marge auf 21 Prozent an. "Wir sind so schlagkräftig wie nie", betonte der scheidende Infineon-Chef.

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