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2000 KompetenzchecksWelche Ausbildung arbeitslose Flüchtlinge mitbringen

Sind Flüchtlinge besonders gut ausgebildet oder furchtbar schlecht? Die Frage bewegt, die Suche nach Antworten aber ist komplex. Wie auch aktuelle steirische Zahlen zeigen.

© APA
 

Im Jänner 2016 präsentiert das Arbeitsmarktservice (AMS) in Wien per Kompetenzcheck erhobene Daten zur Ausbildung von aus Syrien, Iran oder Irak geflüchteten Menschen. Der Tenor: Viele sind besser ausgebildet als angenommen. Auf jene Pressekonferenz, „die mit Abstand das meiste Medieninteresse in der Geschichte des AMS auslöste“ (AMS-Boss Johannes Kopf), folgt nun, fast genau drei Jahre später, die statistische Ernüchterung. Anfang der Woche machen Zahlen des AMS die Runde, wonach das Ausbildungslevel der zurzeit als arbeitslos vorgemerkten Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigten deutlich unter den vor drei Jahren erhobenen Niveaus liegt.

Formuliert man böse, könnte man nun für jeden ideologischen Zugang eine passende Statistik vermuten. Die Wahrheit ist komplexer und hat mit einer grundsätzlichen Untererfassung der Qualifikation von geflüchteten Menschen zu tun.

Sprachbarrieren und verschiedene Systeme

Als wesentlichsten Grund für die Unschärfe nennt Johannes Kopf neben unterschiedlichen Ausbildungssystemen die „Sprachbarrieren“ – und erklärt: „Wenn ein geflüchteter Mensch zum AMS kommt und nur ,Technik‘ sagen kann, dann kann damit alles von einem technischen Interesse bis zum Studienabschluss gemeint sein.“ Fundiertere Auskunft würden erst aufwendige „Kompetenzchecks“ geben, die in der jeweiligen Muttersprache durchgeführt werden. Aus Budgetgründen könnten diese Tests aber nicht bei allen arbeitslos vorgemerkten Flüchtlingen abgehalten werden.

In der Steiermark, dort firmieren die Checks als „Integrationspfad“, haben von Juli 2016 bis Dezember 2018 knapp 2000 Personen derlei Befragungen durchlaufen. 1429 kamen laut Daten, die der Kleinen Zeitung vorliegen, aus Syrien und Afghanistan. Das Ergebnis: 44 Prozent der befragten Syrer können auf „höchsten“ Abschlüssen, also einer Matura oder einem Studium, aufbauen – bei Menschen aus Afghanistan sind es 19 Prozent.

Monat für Monat 1000 neue Gesichter

Blickt man indes auf die klassischen und Monat für Monat erhobenen AMS-Bestandszahlen im Jahresschnitt 2018, zeigt sich – wie erwartet – ein anderes Bild als jenes bei den Kompetenzchecks. 1008 Syrer waren durchschnittlich ohne Job, nur bei 257, also jedem Vierten, ist Matura oder Studium „zertifiziert“ eingetragen. Von den im Schnitt 599 vorgemerkten Afghanen ist dies bei sechs Prozent der Fall.

Was die Analyse noch erschwert, ist die Dynamik des Arbeitsmarktes. Noch immer kommen jeden Monat österreichweit „zwischen 600 und 1000 Geflüchtete“ (Johannes Kopf) – nach positiver Beendigung des Asylverfahrens – als Arbeitslose erstmals zum AMS. Gleichzeitig finden aber auch immer mehr Betroffene Arbeit. Laut aktuellsten Zahlen des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger waren Ende November 7845 Menschen aus Syrien und 9512 Afghanen unselbstständig beschäftigt. Vor drei Jahren waren es noch 1109 Syrer und 3664 Personen aus Afghanistan.

Foto © Kleine Zeitung

Flüchtlinge am Arbeitsmarkt

In Summe waren in der Steiermark 2018 durchschnittlich 43.227 Menschen arbeitslos oder in einer Schulung.

Darunter 2542 anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte (sechs Prozent). Die fünf bedeutsamsten Nationalitäten der Flüchtlinge: Syrien, Afghanistan, Russland, Iran und Irak. 

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FB4
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Frage

Ehrlich, wie naiv kann man sein und was haben unsere Experten erwartet?????
Aber finanzieren dürfen es alle gemeinsam. Man hat jedoch den Eindruck, dass die Verantwortlichen glauben es sei ihr Geld!!!

Waren diese Experten in den Ländern und kennen sie die dortigen Systeme , oder haben sie es bloß studiert???

Ein geringer Prozentsatz ist sicher qualifiziert für unsere Ansprüche an Qualifikation.

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Positiv sehen ist angesagt, nur mit Massnahmen lassen sich die Kosten, die du ja ansprichst senken, dies funktioniert nur wenn man "richtig" investiert, ich frage mich wie fördert "unsere" Regierung dies

Ob das die ganzen Zahlen sind, lässt sich von mir nicht verifizieren, aber es zeigt auf, dass die Eingliederung funktioniert, warum es nicht besser funktioniert ist zu hinterfragen.
"7845 Menschen aus Syrien und 9512 Afghanen unselbstständig beschäftigt. Vor drei Jahren waren es noch 1109 Syrer und 3664 Personen aus Afghanistan.", ist zwar eine Steigerung von über 350%, könnte m.M. besser funktionieren, da ist die Politik gefragt.
Ob man es mit der Fluchtbewegung der 90er Jahre vergleichen kann, vergleichen kann, wie war es mit der Eingliederung damals und wie wichtig war sie für die Wirtschaft, könnte die Wirtschaftleistung abhängig von den Eingliederungen sein, ich sage mal ja, den Beweis liefert auch die Beschäftigungsstatistik, ca. ein Viertel wird durch Menschen mit Migrationshintergrund erbracht.

"Immer dann, wenn er gefragt werde, warum man ausländische Arbeitskräfte überhaupt brauche, antworte er mit einem Gedankenexperiment, sagt Peter Huber: „Stellen Sie sich einfach vor, alle Ausländer würden über Nacht Österreich verlassen.“ Die Folge wären verheerend: Produktionsstillstände in den Werkshallen, alte Menschen, deren Pflegerinnen nicht auftauchen, Krankenhäuser ohne jedes medizinische Personal. Denn der österreichische Arbeitsmarkt, so der Experte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), sei ohne Ausländer kaum vorstellbar." ( Samstag, 29. September 2018 von Isabell Widek, News)

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