Auszeichnung TU Graz überzeugt mit neuer Nachrüstlösung für Dieselmotoren

"Horizon-2020"-Preis in Höhe von 1,5 Millionen Euro: Eine neue Lösung in der Abgasnachbehandlung für Diesel-Pkw zeichnet sich ab.

© TU GRAZ/(c) Helmut Lunghammer (Photoreport Helmut Lunghammer)
 

An der Technischen Universität Graz wurde ein Technologiekonzept getestet, das im Testbetrieb mit einem Euro-5-Fahrzeug unter realen Fahrbedingungen die Euro-6-Emissionsstandards für Stickoxide (NOx) sogar übertroffen hat, wie die TU Graz am Donnerstag meldete. Die EU-Kommission zeichnete die Idee mit 1,5 Mio. Euro aus.

Die TU Graz hat eine Technologie getestet, die das dänische Technologieunternehmen Amminex (ein Unternehmen des französischen Faurecia-Konzerns, Anm.) entwickelt hat. Dabei handelt es sich um eine Lösung, die ursprünglich für den Nutzfahrzeugmarkt, speziell Busse, konzipiert war und nunmehr für den Einsatz bei Diesel-Pkw angepasst wurde. Dieser Weg zur Reduktion von Stickoxiden (NOx) wird Ammonia Storage and Delivery System (ASDS) genannt.

"Konzept bietet großes Potenzial"

Anders als bei der üblichen Harnstoff-Einspritzung (AdBlue) verzichtet diese Technologie auf eine wässrige Harnstofflösung. Das zur Reduktion der NOx-Emissionen benötigte Ammoniak wird hier in fester Form in einem Salz gebunden, wie Peter Grabner vom Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik der TU Graz gegenüber der APA erklärte. Durch Wärmeeinwirkung beim Starten wird es gasförmig wieder freigesetzt. Bei kalt werdendem Motor wird das Ammoniak vom Salz wieder absorbiert und verfestigt sich wieder.

 

Peter Grabner in der Mitte mit Mitgliedern seines Teams am Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik der TU Graz
Peter Grabner in der Mitte mit Mitgliedern seines Teams am Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik der TU Graz Foto © TU GRAZ/(c) Helmut Lunghammer (Photoreport Helmut Lunghammer)

Die Tests an einem nachgerüsteten Euro-5-Dieselfahrzeug mit SCR-Katalysator durch das Grazer TU-Institut haben die Effizienz des neuen Konzepts unter realen Fahrbedingungen nachgewiesen. Die Emissionen des Fahrzeugs wurden sowohl vor als auch nach der Nachrüstung des Wagens mittels PEMS-Geräten, das sind tragbare Emissionsmesssysteme, erfasst.

Die Basismessungen des Autos ergaben Emissionen von 800 mg (Sommer) bis zu 1300 mg (Frühling) NOx pro Kilometer, was vier bis sieben Mal mehr ist als der Euro-5-Grenzwert. Dieser erlaubt nur Emissionen von 180 mg NOx pro Kilometer. Das Ergebnis nach der Nachrüstung sei "beeindruckend", wie Grabner erklärte. Es zeigte sich, dass die durchschnittlichen Emissionen unter realen Fahrbedingungen auf 40 mg NOx pro Kilometer reduziert wurden - deutlich unter dem aktuellen Euro-6-Emissionsstandard, der 80 mg NOx pro Kilometer erlaubt. "Das innovative Konzept bietet großes Potenzial, um Fahrzeuge umweltfreundlicher zu machen und zukünftige Abgasnormen einzuhalten", urteilte der Grazer Forscher.

Prototyp wird weiterentwickelt

Gemeinsam mit Automobilherstellern soll nun der Prototyp des ASDS-Systems für Pkw weiterentwickelt, standardisiert und die Zulassung der Technologie vorangetrieben werden. Die Europäische Kommission zeigte sich bereits beeindruckt und hat den Prototypen jüngst mit dem mit 1,5 Mio. Euro dotierten "Horizon 2020"-Preis in der Kategorie "Engine retrofit for clean air" ausgezeichnet. Die TU Graz erhält rund ein Drittel des Preisgeldes.

Kommentare (2)

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wirklichnicht
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"Entwickelt" von Amminex, "nur" getested an der TU Graz

Die Überschrift passt nicht ganz zum Text. Die Technologie selbst wurde in Dänemark entwickelt, der Preis von 1,5 Millionen geht an Amminex sowie drei kleineren Partner TU Graz, Johnson Matthey PLC, International Council on Clean Transportation Europe. Letztere zwei wurden gar nicht im Artikel erwähnt.
Aber macht ja nichts, wir Steirer sind ja trotzdem super!

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Geerdeter Steirer
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Bin immer wieder begeistert

wenn in Österreich so helle Köpfchen werken, einfach genial wenn die Erklärungen dem Wahrheitswert entsprechen !

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