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Ab Oktober reduziertEZB: Anleihenkäufe laufen noch bis Jahresende 2018

Leitzinssatz bleibt bei 0,0 Prozent. Ab Oktober sinken die Anleihenkäufe auf 15 Milliarden Euro im Monat. Mit Jahresende lauft das Programm aus.

EZB-Zentrale in Frankfurt
EZB-Zentrale in Frankfurt © APA/AFP/DANIEL ROLAND
 

Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt ein Ende ihrer milliardenschweren Anleihenkäufe zum Jahresende 2018 in Aussicht. Ab Oktober will die Notenbank das Volumen der monatlichen Käufe zunächst von derzeit 30 Milliarden Euro auf 15 Milliarden Euro verringern. Ende Dezember könnte das Programm dann auslaufen. Das hat der EZB-Rat am Donnerstag beschlossen, wie die Notenbank mitteilte.

Mit dieser Entscheidung stießen die Währungshüter nach Jahren im Krisenmodus das Tor zu einer Normalisierung der Geldpolitik weit auf. Der EZB-Rat tagte ausnahmsweise nicht in Frankfurt, sondern in der lettischen Hauptstadt Riga.

Den Leitzins im Euroraum beließ das oberste Entscheidungsgremium der EZB wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Sparer müssen sich somit weiterhin gedulden. Zudem müssen Geschäftsbanken, die Geld bei der EZB parken, dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Das Zinsniveau dürfte sich nach Einschätzung der Währungshüter bis mindestens Sommer 2019 nicht ändern.

Konjunktur-Spritze

Aktuell kauft die EZB pro Monat Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 30 Milliarden Euro. Seit Beginn des Programms im März 2015 hat die Notenbank Wertpapiere im Gesamtwert von gut 2,4 Billionen Euro erworben.

Mit viel billigem Geld versucht die EZB seit Jahren, der Konjunktur in den 19 Euroländern auf die Sprünge zu helfen und zugleich die Teuerung anzuheizen. Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent - weit genug entfernt von der Nullmarke.

Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das könnte die Konjunktur abwürgen. Im Mai stieg die Jahresinflationsrate im Euroraum nach einer ersten Schätzung des Statistikamtes Eurostat getrieben vor allem von höheren Energiepreisen auf 1,9 Prozent.

Handelskonflikt als Risiko

Allerdings hat sich die Konjunktur im gemeinsamen Währungsraum in den ersten drei Monaten dieses Jahres abgekühlt. Mit Sorge betrachten die Währungshüter den sich verschärfenden Handelskonflikt zwischen den USA einerseits sowie der Europäischen Union und anderen Ländern andererseits. Zollschranken könnten die Exportwirtschaft empfindlich treffen. Für Unruhe sorgt auch die europakritische Koalition aus Fünf-Sterne-Bewegung und rechtspopulistischer Lega in Italien.

Dass die EZB dennoch das Ende der Anleihenkäufe in Aussicht stellt, hat auch damit zu tun, dass das Programm allmählich an Grenzen stößt. In mehreren großen Euroländern, darunter Deutschland, nähert sich der Anteil der von der EZB erworbenen Staatsanleihen einem Schwellenwert von einem Drittel aller umlaufenden Schuldtitel. Diese Grenze hat sich die EZB selbst gesetzt, um sich nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu sehen, sie betreibe Staatsfinanzierung mit Hilfe der Notenpresse.

Konjunkturprognose gesenkt

Die EZB beurteilt die Konjunkturaussichten für den Euroraum angesichts wachsender Handelskonflikte etwas weniger zuversichtlich als vor drei Monaten. Für heuer erwartet die Notenbank einen Zuwachs von 2,1 (März-Prognose 2,4) Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP), wie EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag nach der auswärtigen Sitzung des EZB-Rats in Riga sagte.

2019 soll die Wirtschaft im Währungsraum der 19 Länder demnach unverändert um 1,9 Prozent zulegen, für 2020 erwarten die Währungshüter weiterhin 1,7 Prozent Wachstum.

Die Teuerung dürfte unterdessen nach Einschätzung der Zentralbank im laufenden Jahr wegen des Ölpreisanstiegs stärker anziehen als noch im März angenommen. Für das laufende Jahr erwartet die EZB nun eine Inflationsrate von 1,7 (März-Prognose 1,4) Prozent. 2019 und 2020 rechnen die Währungshüter ebenfalls mit 1,7 Prozent Preissteigerung.

Mittelfristig strebt die Notenbank eine jährliche Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen aufschieben - in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird.

 

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