MöbelhausketteEntscheidende Stunden für die Zukunft von Kika/Leiner

Seit fast zwei Wochen wird um eine Lösung gerungen, jetzt überschlagen sich die Ereignisse. Laut Insidern könnte Investor René Benko als Käufer auftreten.

Eine Entscheidung zur Zukunft von Kika/Leiner steht kurz bevor
Eine Entscheidung zur Zukunft von Kika/Leiner steht kurz bevor © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Am Freitag der vorvergangenen Woche kam es zum Paukenschlag: Der für Kika/Leiner wichtigste Kreditversicherer ist abgesprungen und löste so eine Krise bei der Möbelhandelskette mit 5000 Mitarbeitern und knapp 50 Standorten in ganz Österreich aus. Der Hintergrund: Aufgrund des Bilanzskandals bei dem Mutterkonzern Steinhoff hat der Kreditversicherer Anfang Juni seine Unterstützung eingestellt. Das Problem: Ohne Kreditversicherer muss Kika/Leiner alle Waren im Voraus bezahlen.

Zuletzt wurde Tag und Nacht verhandelt. Jetzt soll eine Entscheidung kurz bevor stehen. Laut Insidern ist der Immobilieninvestor René Benko an einer Übernahme von Kika/Leiner interessiert. Laut Informationen der "Presse" soll dieses Interesse nicht nur auf die Immobilien abzielen, sondern auch auf das operative Geschäft.

Steinhoff-Skandal

Die Möbelhäuser Kika und Leiner mit mehr als 5.000 Mitarbeitern sind durch den Bilanzskandal der deutsch-südafrikanischen Konzernmutter Steinhoff in den letzten Monaten immer tiefer in die Krise gerissen worden. Vergangenen Dezember räumte die Nummer zwei im weltweiten Möbelhandel hinter Ikea Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen ein, die Aktien des Unternehmens gingen auf Talfahrt und stürzten zeitweise um mehr als 90 Prozent in die Tiefe. Steinhoff saß zu diesem Zeitpunkt auf einem Schuldenberg von 10,7 Mrd. Euro und ringt seither ums finanzielle Überleben.

Kurz vor Jahresende geriet dann auch die Österreich-Tochter Kika/Leiner in die Bredouille: Steinhoff drehte den Geldhahn zu. Um die Löhne zu zahlen, wurde der Leiner-Flagshipstore auf der Wiener Mariahilferstraße in einer Notaktion um kolportierte 50 bis 70 Mio. Euro an den Immobilienmilliardär Benko verkauft.

Anfang 2018 attestierte der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) Kika/Leiner ein "leicht erhöhtes Risiko" und empfahl den Lieferanten der heimischen Möbelkette, vorübergehend nicht unbesichert auf offene Rechnung zu liefern.

Geldspritze

Ende Jänner einigte sich Kika/Leiner dann mit dem angeschlagenen Eigentümer auf eine millionenschwere Geldspritze und sah sich auf Kurs. Für "bis zu 24 Monate" soll die Finanzierung reichen, sagte Gunnar George, Geschäftsführer von Kika/Leiner Österreich, damals und bemühte sich um Schadensbegrenzung: "Kunden werden ihre Möbel bekommen", versicherte er. Anzahlungen würden weiter auf einem Treuhandkonto liegen, Steinhoff habe keine Zugriffsmöglichkeit auf Gelder von Kika/Leiner.

Um einen Sparkurs kam der heimische Möbelhändler trotzdem nicht herum, alle Filialen kamen auf den Prüfstand. Für zwei Lipo-Märkte, ein Kika- und ein Leiner-Möbelhaus bedeutete die Restrukturierung das Aus, 150 Jobs wackeln, hieß es im März. Insgesamt sollten 46 der 50 Standorte bestehen bleiben.

Notbremse

Anfang Juni zog der Kreditversicherer Euler Hermes aufgrund der Schieflage bei Steinhoff International die Notbremse und weigerte sich, Lieferungen an Kika/Leiner weiterhin abzusichern. Kika/Leiner einigte sich in ersten Gesprächen mit Lieferanten auf eine Schonfrist von einer Woche, musste aber dann die Präsentation einer Lösung auf diese Woche verschieben.

Die Kika/Leiner-Eigentümerfamile Koch verkaufte im Jahr 2013 die Möbelkette laut damaligen Medienberichten um mehr als 500 Mio. Euro an den Steinhoff. Der Konzern hat rund 130.000 Mitarbeitern in mehr als 30 Ländern. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Kika/Leiner nach eigenen Angaben eine schwarze Null, der Umsatz in Österreich lag bei etwa 800 Mio. Euro. Im osteuropäischen Raum wurden Erlöse in Höhe von 200 Mio. Euro verbucht.

 

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