KlagenfurtReger Handel an Kärntens Strombörse

Heute wird Holub als Aufsichtsrat angelobt. Bei den „Tradern“ der Kelag. Stromhandel trägt 20 Millionen Euro zum Ergebnis bei.

Kelag Trading Floor Klagenfurt Mai 2018
kelag-Trading Floor in Klagenfurt © Markus Traussnig
 

Hochsicherheitsräume. Der Trading room im 5. Stock ist für Besucher tabu. Wie auch die Schaltleitzentrale vier Etagen tiefer, wo weitere Trader (Händler) zugleich den Stromhandel für kurzfristige Geschäfte tätigen. Erstmals blicken wir in den Kelag-Energiehandel, quasi Kärntens Strombörse. „Hier ist unser Marktzugang“, so Konzernentwickler Christian Schwarz.

„57.000 Trades schließen wir im Jahr ab“, so Alfred Fürst, Leiter des Energiehandels. Unterm Strich stehen laut Vorstand Armin Wiersma im Jahresschnitt rund 20 Millionen Euro Erlös, rund ein Viertel des Kelag-Jahresergebnisses von 80,5 Millionen Euro. Möglich dank der eigenen Erzeugung, ausgeklügelter Pumpspeichernetze und Datenintelligenz.
„Physisch kommt der Strom aus Kärnten. Aber wir vermarkten wir die gesamte Erzeugung mit Partnern und den gesamten Strombedarf unserer Kunden kaufen wir im Energiehandel ein“, erklärt Vorstand  Wiersma. Auf Großbildschirmen beobachtet eine Handvoll Trader, wie sich mit Angebot und Nachfrage die Preise von blitzschnellen Intraday-Geschäften bis zu Monatspaketen entwickeln. Wer mit der besseren Bedarfsprognose für den nächsten Tag dabei ist, gewinnt. „Aber gezockt wird hier nicht“, betonen Wiersma und Vorstandskollege Manfred Freitag. „Wir haben strenge Risiko-Limits und schließen Geschäfte schon bei geringem Verlust.

„Wir verstehen uns nicht als Glücksritter“, betont Schwarz. Vielmehr fahre man eine Strategie der Absicherung, um die Strompreise bei steigender Volatilität im Zaum zu halten. Dazu gehört, dass die Kelag den Strom für ihre Kunden drei Jahre im Voraus kauft und vom selbst erzeugten Strom der Laufkraftwerke 75 Prozent zwei Jahre im Voraus vermarktet. So umschifft man Preisausschläge, die heuer im Stromhandel zwischen 15 Prozent nach unten und 20 Prozent nach oben ausrissen.
Im Tageshandel zählen Wetter und Pumpleistung. Wenn die Kelag bei günstigen zwölf Euro je mWh Wasser in Speicherseen hochpumpen kann und die mWh um teure 50 Euro Strom erzeugen und verkaufen kann, beträgt der Gewinn Faktor 4. „Man braucht analytische Fähigkeiten“, sagt Trader Günther Körbler. Auf seinem Schirm zeigt er die Zickzack-Aufwärtskurve der Strompreise im Terminhandel seit 2016. Der Anstieg habe mit höheren Preisen für CO2 und Kohle zu tun.

Regenradar. Die hohe Volatilität der Spotmärkte erklärt Alfred Fürst mit der wetterabhängigen Wind- und Solarstromerzeugung in Deutschland. „Wenn starker Wind vor den Prognosen bläst, ist so viel Überkapazität auf dem Markt, dass es Negativpreise gibt und wir für die Abnahme auch noch Geld bezahlt bekommen. Wenn wir damit unsere Pumpspeicher füllen können, ist das ideal.“ Mit Blick auf sein Regenradar am Schirm erklärt Reinhard Schlintl: „Die Wetterabhängigkeit steigt.“ Auch in der Schaltleitzentrale. „Hier überwachen wir das 20- und 110-kV-Netz und greifen bei Störung ein. Im Ernstfall mobilisieren wir bis zu 250 Monteure“, sagt Gerald Kerschbaumer vor der wandhohen Kärnten-Netz-Karte. Bei Katastrophen, wie zuletzt beim Sturmtief Eve, arbeitet pausenlos ein Einsatzteam im „Krisenraum“ nebenan.

Von der Hochspannung wird man nichts merken, wenn am Freitag ein Stockwerk tiefer die Kelag-Aktionäre mit den Großaktionären RWE/Innogy, Verbund und Land Kärnten auf der Hauptversammlung ihre jährliche 20-Millionen-Euro-Dividende beschließen werden und Ex-Landesrat Rolf Holub in den Kelag-Aufsichtsrat rückt.

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