Betriebswirt Alexander Fräss-Ehrfeld, der Geschäftsführer und Gründer von Air6 Systems in Klagenfurt, sieht die Drohnenproduktion dort, "wo vor 100 Jahren die Autoindustrie war". Sie hat demnach eine lange Erfolgsgeschichte noch vor sich. Sein Unternehmen ist drauf und dran, sie mitzuschreiben. Es entwickelt und produziert professionelle Drohnen, die vorwiegend in zwei Schlüsselbereichen eingesetzt werden: in der Forstwirtschaft und in der Windenergie.

Drohnenproduktion am Standort Klagenfurt
© MS Photography/Stabentheiner/Air6

Sie überwachen den Wald, kunden Wind- und Käferschäden aus. Mit ihrer Hilfe können Lagekarten erstellt werden, um den Schaden einzugrenzen. Air6-Drohnen helfen auch bei der Aufforstung. In Kürze wird es möglich sein, dass sie die Jungbäume von oben mit der weißen Schutztinktur bespritzen – dann muss das nicht mehr von Menschenhand gemacht werden. Selbst Off-Shore-Windparks können die Drohnen autonom abfliegen, das heißt von einem Boot aus selbstständig starten und dorthin auch wieder zurückkehren.

Air6 Drohne
Air6 Systems Sprühdrohne für Forst- und Agraranwendungen
© Stabentheiner/Air6

Selbst energieeffizient, weil zu 90 Prozent aus dem Leicht-Material Karbon gefertigt, machen die Drohnen made in Klagenfurt also nachhaltige Industrien noch nachhaltiger, weswegen Air6 jetzt mit dem "Förderpreis.nachhaltig" der Kärntner Sparkasse ausgezeichnet wurde. 

Geschäftsführer Fräss-Ehrfeld: "Aus dem Sichtbereich hinaus"
© ©helgebauer

Air6, gegründet 2017, ist wirtschaftlich bereits auf nachhaltig guter Flughöhe. Der Mitarbeiterstand von derzeit sechs in Kärnten und weiteren sechs in England, wo Air6 Standorte in London und Basingstoke hat, wird sich demnächst um mindestens vier Personen erhöhen. Exportiert wird zu 90 Prozent. Die Nachfrage ist vor allem in Deutschland, Großbritannien und dem Nahen Osten hoch. Dort braucht man Air6-Drohnen für die Inspektion von Öl- und Gasanlagen bzw. zum Grenzschutz. Die Kunden von Air6 sind durchwegs Konzerne, die Kosten pro Stück liegen zwischen 10.000 und 65.000 Euro. Der Umsatz steigt. Es gibt vier Serienprodukte, die etwa ein Viertel vom Umsatz ausmachen, alles andere sind Spezialentwicklungen. Die Hardware-Entwicklung passiert in Klagenfurt, die Software-Entwicklung in England.

Als nächsten großen Markt hat Fräss-Ehrfeld Nordamerika ausgemacht. Auf einer Messe in Las Vegas präsentierte sich Air6 schon erfolgreich – und ging als Gewinner von dem Event "Pitch the Press" hervor.

Vollautonomie der Drohnen (nicht zu verwechseln mit Vollautomatik) ist das Stichwort für die Zukunft. "Sie werden von selbst starten, ihren Job machen, von selbst auf Veränderungen reagieren und von selbst wieder zur Landestation zurückkehren", sagt Fräss-Ehrfeld. "Und sie werden künftig nicht nur im Sichtbereich fliegen, sondern darüber hinaus."