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Warnung der AKLage für Lehrstellensuchende spitzt sich im Herbst noch zu

Derzeit fehlen rund 15.500 Lehrstellen. AK und ÖGJ fordern mehr Plätze in der überbetrieblichen Ausbildung. Die WKÖ beschwichtigt.

© aerogondo - stock.adobe.com
 

In Anbetracht einer sich ausweitenden Lehrstellenlücke und mangelnder Maßnahmen seitens der Politik befürchten die Arbeiterkammer (AK) und die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), dass sich die Lage für Lehrstellensuchende im Herbst weiter zuspitzen könnte. Mehr Schulabgänger, Unternehmensinsolvenzen und ein geringeres Angebot an Lehrstellen wegen der Unsicherheit rund um die Coronakrise könnten die Lücke zwischen Lehrstellensuchenden und -Angebot weiter vergrößern.

Die AK zählt aktuell 20.825 Lehrlinge ohne Lehrstelle in einem Betrieb. Das seien deutlich mehr als die offiziell kolportierten 6.519 Lehrstellensuchenden. Die AK bezieht allerdings auch Lehrlinge in überbetrieblicher Ausbildung und solche, die beim Arbeitsmarktservice (AMS) in einer Schulung sind, in die Zahl mit ein. "Auch die Jugendlichen in Schulungen des Arbeitsmarktservice und in der überbetrieblichen Ausbildung brauchten ja eigentlich eine Lehrstelle in einem Betrieb", heißt es in der Aussendung. Demgegenüber stehen aber nur rund 5.272 offene Lehrstellen, was eine Lehrstellenlücke von 15.553 ergibt.

2020 lag die Lehrstellenlücke bei 13.934.

"PR-Gags der Bundesregierung"

Es fehle ein ausreichendes Angebot an offenen Lehrstellen, aber auch die Politik habe die Lehrlinge in der Coronakrise bisher stiefmütterlich behandelt. "Außer einer Lehrlings-Taskforce und dazugehörigen PR-Gags ist seitens der Bundesregierung nichts gekommen. Bildungsminister Faßmann hat überdies die BerufsschülerInnen als SchülerInnen zweiter Klasse behandelt. Sei es beim Fördertopf für Nachhilfe, der für alle SchülerInnen, außer BerufsschülerInnen, vorgesehen ist, der Belieferung der Berufsschulen mit Testkits oder bei der Ausstattung von BerufsschülerInnen mit Laptops für das Distance Learning", kritisiert die AK.

Viele können nicht ausgebildet werden

Darüber hinaus könnten viele Lehrlinge wegen der Coronakrise nicht kontinuierlich ausgebildet werden, beispielsweise alle, die in Hotels oder Restaurants eine Ausbildung machen. Die Berufsschule alleine könne dies nicht abfedern, so die Arbeitnehmervertreter. Im Herbst könnte sich die Lage noch einmal verschlimmern, da es mehr Schulabgänger geben könnte, Insolvenzen von ausbildenden Betrieben zunehmen könnten und die Zahl der Lehrstellen-Angebote wegen der Unsicherheit um die konjunkturelle Entwicklung grundsätzlich abnehmen könnte.

Vorschläge zur Entschärfung

Zur Entschärfung der Situation und im Hinblick auf den Herbst, wo sich die Lage zu verschlechtern droht, fordern AK und die ÖGJ ausreichend Plätze in der überbetrieblichen Ausbildung sowie ausreichende Ausbildungs- und Qualifikationsmöglichkeiten im Zusammenhang mit der Ausbildungspflicht bis 18. Zudem wird eine Freistellung vom Betrieb für Lerntage, Unterstützung für die Lehrabschlussprüfung und eine verstärkte Aufnahme von Lehrlingen im öffentlichen Dienst gefordert. Finanziert werden könne dies mithilfe des EU-Wiederaufbaufonds, so die AK.

WKÖ und Siemens sehen Lage "andersherum"

Bei Siemens und bei der Wirtschaftskammer (WKÖ) sieht man die Lage am Lehrstellenmarkt genau andersherum. "Wir können derzeit viele Lehrstellen nicht besetzen, weil es zu wenige bzw. nicht die passenden Bewerber für unsere Anforderungen im Bereich der Digitalisierung gibt. Vor allem bei den Bewerbern mit Matura oder den HTL-Abbrechern ist die Zahl stark zurückgegangen", sagte Siemens-Österreich-CEO Wolfgang Hesoun. Der Grund dafür sei, dass Schüler aktuell trotz einer negativen Note im Abschlusszeugnis ins nächste Schuljahr aufsteigen können sowie der Irrglaube, das die Erfolgschancen einer Bewerbung in der Coronakrise geringer wären.

Dabei biete die Lehre gerade in Zeiten der Krise eine "mindestens dreijährige Jobgarantie, von Beginn der Ausbildung an ein interessantes Gehalt, internationale Einsatzmöglichkeiten, eine zukunftsgerichtete Ausbildung und innovative Ausbildungsmodelle", so Hesoun.

WKÖ sieht keinen Mangel an Lehrstellen

Auch WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf sieht keinen Mangel an offenen Stellen: "Unsere Betriebe suchen intensiv nach jungen Talenten: Österreichweit sind aktuell um gut 10.000 Lehrstellen mehr als offen gemeldet, als es Bewerber gibt", so Kopf. Dass die WKÖ die Datenlage anderes sieht als die AK liegt daran, dass die AK nur die sofort verfügbaren Lehrstellen in ihre Zählung aufnimmt, die Wirtschaftskammer aber auch jene Stellen zählt, die erst in ein paar Monaten frei werden.

Kommentare (4)
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altbayer
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Lehrling

Wenn ein Maurerlehrling nach sehr positiver absolvierter Neuen Mittelschule (2er in Mathe) in der Berufsschule nicht einmal die Fläche eines RECHTECKS ausrechnen kann, dann brauchen wir nicht nachfragen, wo das Problem liegt.

Goofy17
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AK

Ich kenne keinen Gewerbebetrieb der nicht sofort Lehrlinge einstellen würde die lesen schreiben und im Kopf 2+2 addieren können

Balrog206
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Ich

Frage mich immer wo diese Anzahl an Suchenden den ist ? Mit Glück bewerben sich bei uns 1-2 Kandidaten , von Auswahl sprechen wir erst gar nicht ! Sehr komisch ist auch das es schon sehr viele Jugendliche gibt die über eine Organisation ( zb Alpha Nova ) kommen.

uomo23
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Lehrstellen ?

@Goofy
Richtig. Vor einigen Wochen wurde noch geschrieben, dass es viele Betriebe gibt die keine Lehrlinge finden. Das die Jugend wieder eine Lehre machen soll usw. Auf einmal sind alle Lehrstellen besetzt?
Den Österreichischen Kinder wird schon in der Schule gesagt, dass Sie studieren sollen.
Wer bewirbt sich dann noch für eine Lehrstelle??