Bilanz Mellach brachte Verbund viel Geld und schlechtere Umwelt-Bilanz

Zur Absicherung der Versorgung setzte der Verbund 2017 das Gas-Kombi-Krfatwerk in Mellach mehr als doppelt so stark ein wie im Jahr davor. Die Jahresergebnisse des Konzerns wurden aufgefettet und Mellach in der Bilanz aufgewertet.

Das Kraftwerk in Mellach
Das Kraftwerk in Mellach © APA
 

Ein kräftiger Zuwachs der kalorischen Stromerzeugung aus dem steirischen Gas-Kombi-Kraftwerk Mellach hat dem Verbund voriges Jahr viel Geld gebracht, aber auch die CO2-Bilanz des größten heimischen Stromkonzerns verschlechtert. Zur Absicherung der Versorgung wurde Mellach mehr als doppelt so stark eingesetzt. Die Verbund-Jahresergebnisse wurden aufgefettet und Mellach in der Bilanz aufgewertet.

Das 840-MW-Gaskraftwerk Mellach erzeugte voriges Jahr 1,47 TWh Strom, 2,3-mal so viel wie 2016 bzw. mehr als 2015 und 2016 zusammen. Grund war der deutlich höhere Einsatz für das Engpassmanagement, für das - ebenso wie für andere Netzstabilisierungsmaßnahmen - im Vorjahr mehr getan werden musste. "Wir werden hochflexible Gaskraftwerke weiter brauchen", betonte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber am Mittwoch im Bilanzpressegespräch.

"Feuerwehr zur Stabilisierung"

Insgesamt werde man in ganz Österreich rund 3000 MW installierte Leistung als "vernünftige langfristige langfristige" Netzreserve" benötigen, nach dem Muster des "Feuerwehr-Kraftwerks" Mellach. Zudem stünden für die Versorgungssicherheit noch die Pumpspeicherkraftwerke zur Verfügung, die binnen Minuten zuschaltbar seien. Der Verbund verfügt über 22 (Pump-) Speicherwerke mit 3785 MW Leistung.

Aus Flexibilitätsprodukten, vor allem dem Engpassmanagement, lukrierte der Verbund 2017 mit 200 Millionen Euro um fast 70 Millionen Euro oder 56 Prozent mehr als 2016 - "ein signifikanter Beitrag zu unserem Ergebnis", sagte Finanzvorstand Peter F. Kollmann. Im Sommer hatte der Verbund fürs Gesamtjahr lediglich mit 166 Millionen Euro Beitrag aus flexiblen Produkten gerechnet. Für 2018 senkte man die Erwartung auf 130 Millionen Euro - ein normales Ausmaß, vor allem was das Engpassmanagement betreffe.

Verbund-Boss Wolfgang Anzengruber
Verbund-Boss Wolfgang Anzengruber Foto © APA

In der Verbund-Bilanz 2017 konnte das Gaskraftwerk Mellach durch den Mehreinsatz spürbar aufgewertet werden, laut Kollmann um 29 Millionen Euro im dritten und um 30 Millionen Euro im vierten Quartal. Damit habe sich der Buchwert auf 95 Millionen Euro erhöht. Auf den Tag genau vor einem Jahr hatte der Verbund entschieden, Mellach nicht zu verkaufen, sondern selbst weiterzubetreiben. So stehe Mellach nun als "eine Feuerwehr zur Stabilisierung" zur Verfügung, sagte Generaldirektor Anzengruber, lebe von den Engpass-Abrufen und sei nicht in der Grundlast enthalten, obwohl ursprünglich für die Grundversorgung gebaut.

"Müssen betriebswirtschaftlich rechnen"

Für das Gaskraftwerk Mellach wünscht sich Anzengruber schon lange mehrjährige Kontrahierungs-Vereinbarungen - sonst würden kalorische Blöcke geschlossen, hatte er im November gewarnt. Die jetzige Mellach-Kontrahierung läuft noch bis April, für den Sommer 2018 sei man gerade dabei, eine Lösung zu finden. Eine "Minimalperspektive" aus Sicht Anzengrubers wäre es aber, ein System gleich für fünf Jahre zu schaffen: "Wir müssen ja auch betriebswirtschaftlich rechnen", etwa was den Gaseinkauf betreffe.

Insgesamt kletterte die thermische Eigenstromerzeugung des Verbund voriges Jahr von 1,35 auf 2,23 Terawattstunden (TWh), bezieht man auch das mit Steinkohle betriebene Fernheizkraftwerk Mellach mit ein, dessen Stromerzeugung um 7,2 Prozent von 710 auf 761 GWh zulegte. Die Fernwärmeproduktion wuchs 2017 um 3,7 Prozent auf 943 GWh. Vertraglich liefert der Verbund der Steirischen Gas-Wärme GmbH Fernwärme für den Großraum Graz. Die durchschnittliche zeitliche Verfügbarkeit der beiden Mellach-Kraftwerke (Gas und Kohle) stieg im Mittel auf 89,0 Prozent, nach 86,5 Prozent 2016.

Die CO2-Bilanz des Verbund hat sich 2017 durch den vermehrten thermischen Kraftwerkseinsatz um drei Prozentpunkte von 96 auf 93 Prozent verschlechtert, bezogen auf die gesamte Stromerzeugung. Das sei aber "kein Sündenfall", wie Anzengruber betonte, sondern vielmehr dem Bedarf für die Versorgungssicherheit geschuldet.

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