Die italienische Milliardärsfamilie Benetton geht beim Tauziehen um die italienische Infrastruktur-Holding Atlantia in die Offensive. Benetton will mit einem milliardenschweren Angebot eine Übernahme durch zwei Finanzinvestoren vereiteln. Zusammen mit dem US-Finanzinvestor Blackstone bietet der von Alessandro Benetton geführte Eigentümer der gleichnamigen Modekette 12,7 Milliarden Euro für die restlichen Anteile an Atlantia, die unter anderem Mautstraßen und Flughäfen in Südeuropa und in Lateinamerika betreibt. Man wolle "die italienische Identität des Unternehmens" bewahren.

Eigentlich aber will Benetton den Investoren Global Infrastructure Partners (GIP) und Brookfield zuvorkommen, die die Fühler nach Atlantia ausgestreckt und sich dabei mit dem spanischen Baulöwen Florentino Pérez zusammengetan haben. Pérez' Baukonzern ACS ist ebenso wie Atlantia an Deutschlands größtem Bauunternehmen Hochtief beteiligt. Pérez, der auch als Präsident und Mäzen des Fußballklubs Real Madrid bekannt ist, böte eine Übernahme die Chance, sein Imperium neu ordnen.

Florentino Pérez
Florentino Pérez
© APA/AFP/GERARD JULIEN

Die Jagd auf Infrastruktur-Investments, die unabhängig von der Konjunktur stabile Renditen versprechen, erreicht damit eine neue Dimension. "Die gigantische Transaktion zeigt, wie tief die Taschen von Finanzinvestoren sind und wie attraktiv Investments in Infrastruktur in diesem inflationären Umfeld geworden sind", sagte Private-Equity-Analyst Wylie Fernyhough von Pitchbook. Es wäre heuer die zweitgrößte Übernahme weltweit – nach dem 69 Milliarden Dollar (64 Milliarden Euro) schweren Verkauf des Computerspiele-Konzerns Activision Blizzard an Microsoft.

Bieterwettkampf lässt Aktie nach oben schießen

Die Benettons, die bereits 33,1 Prozent an Atlantia halten, bieten gemeinsam mit Blackstone 23 Euro für die restlichen Aktien, um das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Das dürfte reichen, um andere Bieter abzuschrecken, meinen Analysten. Insgesamt kommt Atlantia damit auf einen Börsenwert von fast 19 Milliarden Euro. Dazu kommen 38,6 Milliarden Euro Schulden. Die Übernahme soll mit weiteren 8,2 Milliarden Euro an Krediten finanziert werden. Spekulationen um einen Bieterstreit hatten die Atlantia-Aktien in den vergangenen zehn Tagen bereits um 20 Prozent nach oben schießen lassen. Am Donnerstag legten sie an der Mailänder Börse um weitere 4,5 Prozent auf 22,89 Euro zu.