Hans-Peter Haselsteiner kommt an diesem Freitagmorgen mit einem großen, schwarzen Schalenkoffer. Spaß oder Ernst? Geht es um öffentlichkeitswirksame Termine der Westbahn, ist ihr Gründer immer gern selbst an Bord. Blendend gelaunt kämpft er Freitag früh am Wiener Westbahnhof gegen den Lärm der Lautsprecherdurchsagen am Bahnsteig an: "Wenn Sie so wie ich mit einem schweren Koffer zum Flughafen nach München fahren wollen, dann wählen Sie entweder meine Variante, das ist diese hier, dann bin ich in weniger als dreieinviertel Stunden in München und komme ohne Fußweg mit der Schnellbahn zum Flughafen. Oder, wenn Sie das mit allen anderen möglichen Verkehrsmitteln ausprobieren, werden Sie an mich denken."

Tatsächlich ist der Westbahn mit dem Halt am Münchner Ostbahnhof ein gewisser Coup gelungen. Der Umstieg in die Schnellbahn zum Flughafen gilt aufgrund der Überschaubarkeit des kleinen Ostbahnhofs als "watscheneinfach". Mit einer Fahrzeit von aktuell 3:47 Stunden – ab Juni sind es 3:43 – sieht sich das Unternehmen jetzt als beste Alternative zu Kurzstreckenflügen. Acht neue Doppelstockgarnituren werden in jede Richtung eingesetzt. "Wir haben lange auf diesen Tag hingearbeitet", sagt Westbahn-Geschäftsführer Thomas Posch. "Durch unsere Verbindungen werden neue Maßstäbe gesetzt." Wer im oberösterreichischen Industrieviertel zusteige, habe rund eine halbe Stunde weniger Fahrzeit als mit den ÖBB. 

vlnr.: Westbahn-Miteigentümer Hans Peter Haselsteiner, GF Thomas Posch, GF Florian Kazalek und AR Erhard Grossnigg
v.l.n.r.: Westbahn-Miteigentümer Hans Peter Haselsteiner, GF Thomas Posch, GF Florian Kazalek und AR Erhard Grossnigg
© (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Haselsteiner nutzt die Gelegenheit, um auch weitere Pläne auf der Weststrecke anzukündigen: "Wir heißen Westbahn und wir wollen so weit als möglich nach Westen". Nächstes Ziel ist Innsbruck. Im "optimistischsten Fall" gelinge das Ende 2023 mit dem Fahrplanwechsel. Der tatsächliche Start der schon gekauften vier neuen Zuggarnituren hängt noch an umfangreichen Genehmigungsverfahren.

Mit der Einführung des neuen Klimatickets im Herbst, das auch auf der Westbahn gilt, sieht Haselsteiner für das Unternehmen erstmals eine gewisse Gleichberechtigung gegenüber den "hoch subventionierten" ÖBB. Denn es gilt auch auf der Westbahn, wer eins hat, kann ohne Aufpreis in der Komfortklasse 2plus reisen.

"Wir haben noch Luft nach oben"

Wirtschaftlich gehe es der Westbahn besser als vor einigen Jahren. "Aber wir haben noch Luft nach oben", so Haselsteiner. Zu Coronazeiten sei man mit leeren Zügen gefahren, nun wolle man sich wieder dem hervorragenden Jahr 2019 annähern. Damals stand das Unternehmen knapp vor der Fahrt in die schwarzen Zahlen. Haselsteiner fasst es so zusammen: "Große Sorgen macht sie nicht mehr, große Freude macht sie noch nicht." 

Die billigsten Tickets (Online-Frühbucher) gibt es ab 23,99 Euro, ab 60-Jährige zahlen montags bis freitags 39,99 Euro, die ÖBB-Vorteilscard bringt auch auf der Westbahn Vorteile, das Ticket kostet dann 54,90 Euro. Das Normalpreisticket (one way) schlägt mit 79,90 Euro zu Buche. Wer ein Klimaticket hat, zahlt für die Strecke nach München 14,90 Euro Aufpreis.

Haselsteiner erwartet, dass Autofahren so massiv teurer wird, dass die öffentlichen Verkehrsmittel an Attraktivität gewinnen dürften. Bedrückend sei, dass wohl die Konsumkraft sinke. Hier macht er auch aus einem gewissen Zorn keinen Hehl: "Kaum lassen wir die Pandemie ein wenig hinter uns, kommt dieser Scheißkrieg".

Und dann erzählt er noch, dass er tatsächlich verreist und der Koffer voll ist, weil er an diesem Wochenende – übrigens ohne Umweg über den Flughafen München – Klavierkonzerte bei den vom Baukonzern Strabag gesponserten Tiroler Festspielen Erl besucht. Dort ist der Strabag-Gründer und Haupteigentümer Haselsteiner Festspielpräsident. Wie es beim Tauziehen um den Anteil des zweitgrößten Aktionärs, des russischen Oligarchen Oleg Deripaska, steht, dazu will Haselsteiner aus rechtlichen Gründen dann allerdings keinen Mucks von sich geben.