Die Preisexplosion bei Öl und Gas lassen die OMV im Geld schwimmen. Noch nie verdiente Österreichs größter Energiekonzern so viel wie 2021. Ein operatives Ergebnis von 5,96 Milliarden Euro markiert die historische Rekordmarke. Im ersten Pandemiejahr 2020, als die Ölmärkte phasenweise dramatisch einknickten, waren hier 1,69 Milliarden Euro gestanden.

Nicht nur die Preise, auch die Absatzmengen stiegen kräftig, etwa bei Gas um 20 Prozent und bei Treibstoffen um sechs Prozent. Der Konzernumsatz ist mit 35,56 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie 2020. Beim Bilanzvergleich gibt es allerdings viele Sondereffekte. Unter dem Strich wird für 2021 deshalb "nur" ein Nettogewinn von 2,8 Milliarden Euro ausgewiesen. Aus dem bekommen die Aktionäre 2,30 Euro Dividende je Aktie ausgeschüttet.  

Die Gewinne dürften auch heuer weiter sprudeln, denn eine echte Entspannung an der Preisfront ist nicht in Sicht. "Wir haben das Preisumfeld bei Öl, Gas und Chemie bestmöglich genutzt", so der im September angetretene neue Konzernchef Alfred Stern bei seiner ersten OMV-Bilanzpressekonferenz. Die im Herbst angekündigte neue Strategie, wie der Öl- und Gaskonzern zum Chemiekonzern mit einem starken Fokus aus Kreislaufwirtschaft umgebaut wird, will Stern Mitte März präsentieren. Ziemlich sicher dürfte es zu einer Abkehr vom russischen Projekt Achimov kommen. Für die Nutzung dieses Öl- und Gasfeldes gibt es mit der russischen Gazprom einen Vorvertrag, den Stern-Vorgänger Rainer Seele abgeschlossen hatte. Unter Seele waren die OMV-Produktionskosten je Barrel auf gut sechs Dollar gesunken, von diesem Level profitiert die OMV weiterhin. 

Ausblick: Für die OMV rosig, für Konsumenten nicht

Sterns Ausblick auf 2022 ist für die OMV rosig, für die Konsumenten allerdings eher trist: "Die angespannte Preissituation bei Gas wird heuer bleiben", sagt er. Der Konzern geht von einem hohen Ölpreis von 75 Dollar je Barrel sowie einem Gaspreis von 25 Euro je Megawattstunde aus, nach 16,5 Euro im Vorjahr. Dass die Europäische Union Gaskraftwerke jetzt als "grüne" Energieerzeugung einstuft, beurteilt der OMV-Chef insofern positiv, als Gas einen guten Übergang weg von hohen CO2-Emissionen aus Kohle darstelle.

Noch profitiert die OMV voll vom fossilen Geschäft, das derzeit alle teuer zu stehen kommt. 468.000 Barrel Öl und Gas (gemessen in BOE, Öläquivalenten) förderte die OMV 2021 durchschnittlich jeden Tag. Diese Menge soll auch heuer wieder erreicht werden. Sehr wahrscheinlich wird demnächst sogar das riesige OMV-Gasfeld Neptun im Schwarzen Meer erschlossen. Stern sieht hier Bewegung bei der rumänischen Regierung, die dafür über ein eigenes Gesetz grünes Licht geben muss.

Verschuldungsgrad gesenkt

Alfred Stern will die OMV jedenfalls über einen starken "Wachstumskurs" neu ausrichten und heuer 3,5 Milliarden Euro investieren. Er ließ dafür den Konzern in den vergangenen Monaten auch gewissermaßen "ausputzen". Der Verschuldungsgrad der OMV wurde statt auf den Zielwert von 30 Prozent auf 20 Prozent gedrückt. Einiges, was Vorgänger Seele eingefädelt hatte, wurde auf dem Papier als weniger werthaltig beurteilt, und zwar im beachtlichen Ausmaß von 1,7 Milliarden Euro. Das finanztechnische Ballastabwerfen ermöglicht in der Zukunft höhere Gewinne.

Zu den zahlreichen Verkäufen, die das Rekordjahr der OMV ebenfalls prägten, kam ausgerechnet am Tag der Bilanz ein weiterer dazu: Die Düngemittelsparte der OMV-Chemietochter Borealis – die übrigens ebenfalls mit beachtlichen 2,2 Milliarden Euro zu dem starken Ergebnis beitrug – geht um 455 Millionen Euro an die belgische EuroChem-Gruppe.

Sorge, dass der wichtigste OMV-Geschäftspartner im Gasbereich, die russische Gazprom, angesichts des Ukraine-Konflikts den Hahn zudrehen könnte, hat man im Konzernvorstand weiterhin nicht. Gazprom sei in allen Jahrzehnten immer vertragstreu gewesen.

Bei Fragen zur neuen Gazprom-Pipeline Nord Stream 2, die die OMV mit 729 Millionen Euro mitfinanziert hat, hielt man sich an die Wiederholung der Aussagen aus den vergangenen Tagen, etwa dass alle Kreditrückzahlungen vereinbarungsgemäß einträfen. Man will offenbar kein bisschen Öl ins Feuer zwischen den USA und Russland gießen. Der OMV-eigene Gasspeicher ist derzeit zu 29 Prozent gefüllt. Alle österreichischen Speicher kommen auf einen Füllstand von 21 Prozent. Zuletzt sei auch deutlich mehr LNG, also verflüssigtes Gas, über Rotterdam hereingekommen und verkauft worden, berichtete Vorstandsmitglied Elena Skvortsova.

Zu den neuen "grünen" Projekten der OMV gehören die Ausweitung des Kunststoffrecyclings im ReOil-Verfahren, die Erhöhung der eingesetzten Recyclatmengen bei der Borealis sowie der Bau einer Pilotanlage in Schwechat, die aus Glyzerin biogenen Sprit produziert, den die AUA abnimmt. Stern räumte ein, dass alle Mengen, um die es da gehe, nur einen sehr kleinen Anteil der Gesamtproduktion ausmachten. Wichtig sei aber nicht die gegenwärtige, sondern die künftige Wirkung. Stern: "Es geht um die Richtung, das Ziel und die Ernsthaftigkeit, mit der man den eingeschlagenen Weg verfolgt."