Lebensmittelhandel gewinnt Weihnachtsgeschäft soll besser ausfallen als 2020

Von "ungetrübt" ist das Weihnachtsgeschäft für viele Händler weit entfernt, aber es soll immerhin besser ausfallen als im ersten Coronajahr. Demos sind am Wochenende erst ab 18 Uhr erlaubt, damit Kunden nicht abgeschreckt werden.

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© Iris Hödl
 

Das Wifo erwartet heuer deutlich mehr Spendierfreude bei den Weihnachtseinkäufen als vor einem Jahr. "Das Weihnachtsgeschäft sollte stärker und besser ausfallen," lautet die frohe Botschaft des Wifo-Experten Jürgen Bierbaumer. Ein reales Plus von 3,5 Prozent soll für den Handel herausschauen, wenn der Rausch vorbei ist.

In Zahlen bedeutet das einen Mehrumsatz im Dezember von netto 1,21 Milliarden Euro, das sind 100 Millionen Euro mehr als 2020 und 240 Millionen Euro mehr als 2019. Allerdings schneidet sich von diesem Kuchen inzwischen der Lebensmittelhandel gut die Hälfte ab und verleibt sich damit doppelt so viel ein wie vor der Krise. Der Nicht-Lebensmittelhandel erholt sich dagegen nur langsam: Hier werden Mehrumsätze von 606 Millionen Euro erwartet nach 526 Millionen 2020. Auf das Vorksrienniveau von 654 Millionen fehlen allerdings noch 48 Millionen Euro. 

Pro-Kopf-Ausgaben steigen auf 464 Euro

Konsumzurückhaltung ortet Bierbaumer bei den Konsumenten jedenfalls nicht. Die Pro-Kopf-Ausgaben für Weihnachstgeschenke sollen auf 464 Euro steigen. Nach 420 Euro im ersten Corona-Jahr also ein deutliches Plus. Im kommenden Jahr erwartet Wifo-Chef Gabriel Felbermayr sogar an einen "Konsumboom", wie er am Mittwoch in der Konjunkturprognose erklärte - immer vorausgesetzt, dass es nicht bald weitere Lockdowns gibt. Von dem "Boom" würde aber natürlich nicht nur der Handel profitieren.  

Überbordende Freude will bei Rainer Will, dem Chef des Handelsverbandes, trotzdem nicht aufkommen. "Einen Konsumboom würde ich mir wünschen", sagt er. Er zitiert in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bierbaumer lieber aus Mitglieder-Umfragen. Die sind nicht glänzend: "57 Prozent aller Händler haben Existenzängste," so Will. Gut elf Prozent der Unternehmen fürchteten bereits die Zahlungsunfähigkeit. Die Kollateralschäden der Lockdowns sei groß, "die Situation des Handels ist eine angespannte", sagt Will. Ihn erreichten täglich hundert Mails mit verzweifelten Bitten um Unterstützung, weil es massive Probleme im Zusammenhang mit den Corona-Unterstützungen gebe.

All jene, die am Wochenende in Geschäften ihre Geschenke besorgen möchten, sollen das jedenfalls möglichst ungestört erledigen können. Mit dem Verbot von Demonstrationen vor 18 Uhr wurde ein dringender Weihnachtswunsch des Handels zumindest in Wien von der Politik erfüllt. Will: "Das wäre das Fatalste, wenn man die Mitarbeiter speziell am Sonntag doppelt entlohnt und dann doch wieder leer ausgeht."

Der größe Profiteur der Krise ist außer dem Lebensmittelhandel einmal mehr der Onlinehandel, der heuer um etwa 20 Prozent zulegen dürfte auf 9,6 Milliarden Euro Umsatz. Der Anteil am gesamten Handel ist von elf auf 13 Prozent gestiegen.

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