Neben Corona und dem Klimawandel bleibt der Arbeitsmarkt das brennende Thema in der Wirtschaftspolitik. In Kärnten sind derzeit 8000 Stellen frei und 17.000 Menschen arbeitslos - aber das Matching Qualifikation/Anforderung passt nicht. Allein 300 Forstarbeiter gehen derzeit ab. Bereits in neun Jahren, also im Jahr 2030, werden am Kärntner Arbeitsmarkt laut einer Studie 35.000 Menschen (im erwerbsfähigen Alter) fehlen.

Die Kärntner OVP tritt daher einmal mehr für das degressive (also mit der Zeit abnehmende) Arbeitslosengeld ein und fordert zusätzlich eine "eigene Regelung für Saisonarbeitskräfte". Damit sei laut Parteichef Martin Gruber aber "kein Willkommens-Klatscher" gemeint, sondern ein Relaunch der Rot-Weiß-Rot-Card. "Sie gehört neu aufgesetzt und schneller ausgestellt. Auch für Handwerker und auch mit der Möglichkeit, fehlende Teilkompetenzen in Österreich nachzuholen", sagt Clubobmann Markus Malle, der die Forderungen als "Input für Arbeitsminister Kocher" verstanden wissen will.  Andernfalls drehe man sich "in Kärnten den Aufschwung selbst ab". Auch das Netzwerk an Tageseltern gehöre laut Gruber ausgebaut.

Parteichef Gruber, Clubchef Malle: "Input für Arbeitsminister Kocher"
© Markus Traussnig

3,5 Monate beträgt die durchschnittliche Arbeitslosenzeit in Kärnten, die Langzeitarbeitslosen nicht eingerechnet. 6,5 Monate sind es inklusive der Langzeitarbeitslosen, eine Gruppe, die während der Pandemie weiter stark zugenommen hat.

"Zurück in die Zukunft"

Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schaunig (SP) und AMS-Chef Peter Wedenig haben am Montag ein neues Vermittlungsprojekt vorgestellt. Es nennt sich "Back to the Future" (also "Zurück in die Zukunft") und funktioniert kurz gesagt, so: Für freie Stellen in Kärnten werden Jobprofile erstellt, das AMS rekrutiert das Personal sodann bevorzugt aus Personen über 50 Jahre und Langzeitarbeitslosen. Umgesetzt wird das Projekt von Attivo, einem sozialökonomischen Betrieb mit Arbeitskräfteüberlassung des Berufsförderungsinstitutes (bfi) Kärnten. Leitende Industriebetriebe sowie das Humanomed Zentrum Althofen sind Teil des Projektes.

Organisatoren der Aktion "Back to the Future"
© LPD

Die Kärntner FPÖ ist gegen eine schrittweise Kürzung des Arbeitslosengeldes. Landesparteiobmann Erwin Angerer: "Wir stehen nicht vor dem Problem, dass Arbeitslose zu viel Geld bekommen, sondern dass jene, die arbeiten, zu wenig bekommen. Daher muss die türkis-grüne Bundesregierung für eine Senkung der Lohnnebenkosten sorgen."

Team Kärnten-Chef Gerhard Köfer fordert indes Maßnahmen für mehr Qualifizierung: „Der Fachkräftemangel ist in Kärnten ein chronisches Problem, es muss an der Wurzel gepackt werden. Viel zu oft passiert es, dass, auch im Hochschulbereich, am Bedarf des Marktes vorbei unterrichtet wird.“