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"Wie im Wilden Westen"Gewerkschaft alarmiert über Arbeitsbedingungen bei Paketzustellern

Vida fordert Maßnahmen von Regierung, unter anderem Lenkerzeit-Aufzeichnung und Prüfungen der Finanzpolizei wegen Scheinselbstständigkeit - Gewerkschafter: "Es ist wie im Wilden Westen".

ARCHIVBILD: THEMENBILD POST AG
© APA/ROBERT JAEGER
 

Die Gewerkschaft sieht akuten Handlungsbedarf bei den Arbeitsbedingungen in der Paketbranche. Selbstständige Paketzusteller würden bis zu 16 Stunden, sechs Tage die Woche, arbeiten, sagte vida-Gewerkschafter Karl Delfs zur APA. Deswegen fordert die Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida von der Regierung eine Lenkerzeit-Aufzeichnung für Zusteller, eine Versenderhaftung und schärfere Kontrollen der Finanzpolizei.

Der Gewerkschaft kritisiert seit langem "den hohen Grad an Scheinselbstständigkeit" bei privaten Paketzustellern. Viele Paketboten arbeiten für Subfirmen als Selbstständige und werden pro Paket bezahlt. Seit der Coronakrise hat sich der Boom im Online-Handel weiter verstärkt. Das Paketaufkommen ist bei manchen Zustellern in der Vorweihnachtszeit im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte gestiegen. Die Paketzusteller sind damit einmal mehr unter Dauerstress. Im Vorjahr musste ein Bote vor Weihnachten bis zu 200 Pakete pro Tag ausliefern, dieses Jahr sind es laut Schätzungen von Gewerkschafter Delfs zwischen 250 und 300 Pakete.

"Wilder Westen"

Die Gewerkschaft und die SPÖ fordern seit längerem eine Generalunternehmerhaftung bei der Vergabe von Botendiensten an Subfirmen. Sie kritisieren, dass die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten und (Schein-)Selbstständigen oft unzumutbar seien, während sich die großen Paketdienstleister aus der Pflicht stehlen würden. Um extreme lange Arbeitszeiten zu verhindern, fordert die Gewerkschaft außerdem von der Regierung, dass die Aufzeichnung von Lenk- und Ruhezeiten auch bei Fahrzeugen unter 3,5 Tonnen eingeführt wird. "Momentan ist das noch immer Wilder Westen", sagte Delfs.

Scheinselbstständigen

Von der Regierung hat es laut Gewerkschaft im vergangenen Jahr keine Initiativen gegeben, die Arbeitsbedingungen in der Paketbranche zu verbessern. Bei den Scheinselbstständigen gebe es "ein selbstausbeuterisches Fahren rund um die Uhr", kritisierte der Gewerkschafter. Handlungsbedarf sieht er auch bei der Finanzpolizei, die Scheinselbstständigkeit in der Paketbranche stärker prüfen müsse. Andere Länder in Europa - etwa Frankreich und Belgien - seien bei Arbeitsbedingungen im Güterverkehr und bei der Paketzustellung "viel strenger" als Österreich.

Für angestellte Fahrradboten, Essenszusteller und Lastenfahrrad-Kuriere einigten sich Gewerkschaft und Wirtschaftskammer im Herbst 2019 erstmals auf einen eigenen Kollektivvertrag, der seit Jänner 2020 gilt. Laut Gewerkschaftsangaben sind alle Zusteller bei Lieferando nach Kollektivvertrag angestellt, bei Mjam sind es hingegen nur rund 10 Prozent.

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Danke für Ihr Verständnis.

Hildegard11
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Da ist halt wieder mal....

....der Gesetzgeber gefragt. Abere. Nationalräte scheinen zum guten Teil keinren Bezug zum Alltagsleben zu haben. Seit 20 Jahren gibt es die prekären Verhältniss

Cveno
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Outsourcen

Nur alarmieren ist von der Gewerkschaft zu wenig. Sie soll was unternehmen, aber leider Zahnlos. Es wird einfach alles outgesourced. Das ist das gleiche Übel, wie Personalleasing.

tannenbaum
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Das

sind ja genau diese Arbeitsbedingungen, die sich die ÖVP für sämtliche Arbeitnehmer wünscht. Und sie werden auch kommen, wenn auch in Zukunft viele der Meinung sind, dass die ÖVP die Partei der kleinen Leute ist. Die vereinten, gekauften Medien werden es schon so hinbekommen.

calcit
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Natürlich gilt für diese Fahrzeuge auch eine Aufzeichungspflicht...

...gemäß Lenkprotokoll-Verordnung! Es müsste nur rigeros überprüft werden....

GuentAIR
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Kontrolle ja, aber wer?

Das Problem ist, dass die Branche seit gesetzlicher Einführung des Tachos zur Kontrolle 1994 bei Kontrollen durch den Rost fielen. Die Polizei ist sachlich nicht zuständig, prüft nur das Mitführen (wenn überhaupt) des Lenkprotokolls (früher Fahrtenbuch), die Arbeitsinspektion prüft das Ganze erst Wochen danach im Betrieb, also auch nicht präventiv. Die Einführung des digitalen Tachos scheitert bei den Sozialpartnern, die EU führt dieses erst 2026 (?) ein, ab 2,7 Tonnen dann allerdings. Da gäbe es noch viel zu tun.

calcit
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Wer prüft?

Nun, deswegen wurde ja dieses Lenkprotkoll eingeführt weil diese durch den Rost mit dem Tachographen gefallen sind. Aber die Frage ist schon berechtigt - man müsste halt nur mal die Resourcen locker machen. Das Arbeitsinspektorat prüft auch nur dann wenn es sich um Arbeitnehmer bzw. Arbeitnehmerinnen handelt - bei den Selbständigen und auch Scheinselbständigen kann und darf das AI nicht prüfen. Und wie wir bereits wissen gibts bei den Paketzustellern fast keine angestellten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mehr....

GuentAIR
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Nicht ganz,

das Lenkprotokoll wurde eingeführt, weil die Fahrtenbuch-VO nicht mehr zeitgemäß war. Die Experten der Kontrollbehörden (das kannst Du mir gerne glauben) fordern daher bereits seit mindestens 2000 den verpflichtenden Einbau eines Kontrollgerätes in allen Fahrzeugen zur gewerblichen Güterbeförderung. Politisch will man das nicht. Genauso wenig wie die Kontrolle der Selbstständigen (ausgenommen Fahrzeuge über 3,5t, weil für die gelten die Zeitgrenzen nach dem KFG). Ebensowenig will man die Abschaffung der Einsatzzeit, die ohnehin an die Ruhezeit gekoppelt ist und dafür die Strafbarkeit der Tagesarbeitszeit für die Güterbeförderung allgemein. Und dazu kommt, dass für die Post das Arbeitszeitgesetz gar nicht gilt.

Hieronymus01
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Und immer Wieder...

Geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut.

Jedes Jahr wird über den Handel und vom Umsatz vor der Weihnachtszeit berichtet.

Aber von jenen Leuten die mit zwielichtigen Arbeitsverträgen Überstunden machen nicht.

Prost Mahlzeit

kreima
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... und nach dem Weihnachtstrubel vergessen..

wieder alle, dass die Paketzusteller viel zu tun haben und nicht immer die besten Arbeitsbedingungen vorfinden. Viele fahren auch noch als Angestellte, die nicht
gut bezahlt sind. Ich hab das selbst mal 2 Jahre gemacht, ich hatte einen guten
Dienstvertrag und wurde wirklich gut bezahlt. Aber es ist ein Knochenjob ...
Fitness-Studio kannst dir sparen. Jeder sollte mal bedenken, dass der Fahrer
das Auto selbst aufladet, die Pakete beim Kunden wieder abladet und meist
hast du dann auch noch Abholpakete zum Holen. Viele heben da mehrere Tonnen
am Tag (und täglich!) ins Auto/aus dem Auto. Und man wird dann bei vielen wie
der größte Depp behandelt... bist ja nur ein Paketzusteller. Traurig

Tingel
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Na

was will man denn erwarten? Die Leute wollen es billig - und sie kriegen es billig! Wenn ich höre....Porto nach D 14,99€...Was? Sooo viel?...dann mag man dieselben Leute mit ihrem Privatauto doch das Paket selber zustellen lassen (Fahrzeit, Sprit, 2x). Die angesprochene Problemstellung betrifft aber auch andere Bereiche, die Subunternehmen für die Post bspw. ausführen: Der Kunde will kein Porto zahlen, will alles billig und die Sendung am liebsten morgen schon zugestellt sehen. Für das geringst notwendigste (Porto)Entgelt. Sowas kann NIE gutgehen....bzw. eine Zeitlang auf den Rücken der Zusteller/Abholer bzw. Angestellten/Beauftragten bzw. über Quantität. Logisch.

fwf
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Nicht vergessen

Dass ein Zulieferer hunderte Pakete im Auto hat, und dann ist das Porto von ca. 15,- noch immer relativ hoch, also nicht vergleichbar mit den Kosten einer Selbstzustellung eines einzelnen Paketes. Und ausserdem: die Fahrer machen das freiwillig - keiner muss als Paketzusteller fahren,wenn es ihm zuviel ist.

rouge
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Na bumm

fwf: Super Totschlagargument: Keiner muß freiwillig fahren.
Sie sind sicher in einem geschützten Bereich tätig.

krambambuli
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wow

@fwf "keiner muss als Paketzusteller arbeiten" echt jetzt? dann könnten wir aber das Rauchverbot in Lokalen auch wieder einführen (muss ja keiner als Kellner arbeiten oder ins Lokal gehen) oder Sonntagsöffnungszeiten (muss ja keiner im Verkauf arbeiten) und überhaupt die 40 Stundenwoche abschaffen (muss ja keiner arbeiten)