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SpitzensteuersatzIV-Präsident Kapsch: "Damit machen wir uns lächerlich"

Der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Georg Kapsch, hält nichts von der geplanten Verlängerung des Spitzensteuersatzes für Millionenverdiener von 55 Prozent.

Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung (IV)
Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) © (c) APA/GEORG HOCHMUTH
 

Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung (IV), hält nichts von der geplanten Verlängerung des Spitzensteuersatzes für Millionenverdiener von 55 Prozent. "Es ist international ein bisschen eine Blamage, wir machen uns damit lächerlich", sagte er am Sonntag in der ORF-"Pressestunde". Die Maßnahme treffe relativ wenige, "darum hat es materiell nicht eine wesentliche Bedeutung".

Kapsch betonte, dass die IV schon seit langem eine "wirkliche Steuerstrukturreform" vorschlägt. Die letzte habe es Mitte der 90er-Jahre gegeben, "seitdem haben wir nur mehr an den Tarifen gebastelt". Auch die Lohnnebenkosten gehörten nach wie vor gesenkt. Am Regierungsprogramm von ÖVP und Grüne lobte der IV-Präsident "viele Punkte". Die von ihm gewünschte Staats- und Föderalismusreform sei darin aber leider nicht enthalten.

Glaubt nicht an Rezession

Georg Kapsch glaubt trotz rückläufiger Wirtschaft kurzfristig auch nicht an eine Rezession. Ein baldiges Ende des Diesel- und Benzinmotors sieht er nicht. Bei den Zumutbarkeitsbestimmungen für Arbeitslose ortet er Handlungsbedarf nach Verschärfungen, an Parteispenden durch Industrielle sieht er nichts schlechtes.

Die Warnrufe, etwa zuletzt von VW-Konzernchef Herbert Diess, dass selbst Konzerne wie VW das Schicksal des finnischen Handyherstellers Nokia erleiden könnten, will Kapsch in der "ORF-Pressestunde" nicht überbewerten. Obendrein sei Österreich besser aufgestellt als Deutschland, so gebe es hierzulande etwa weniger Streiks. Außerdem sei in den vergangenen Jahren die Abhängigkeit von Deutschland reduziert worden.

CO2-Steuern keine Drohung

Dass es CO2-Steuern geben soll sieht der Industrielle nicht als "gefährliche Drohung". Dass Betriebe wie Magna ein Abwandern in andere Länder in den Raum stellen, dürfe nicht als Drohszenario gesehen werden - könne aber eintreten. Dass der Umstieg auf die E-Mobilität die traditionell sehr starke Autozulieferbranche in Österreich ins Mark treffen könne, glaubt Kapsch nicht. Außerdem würden auch in 20 Jahren noch ausreichend Autos mit Verbrennungsmotoren herum fahren.

Beim Fachkräftemangel pocht Kapsch weiter auf den Zuzug von Arbeitskräften aus Staaten außerhalb der EU. Hierzulande kann er sich verschärfte Zumutbarkeitsbestimmungen für Arbeitslose vorstellen. Dass etwa Köche sich weigern würden, von Wien nach Tirol zu gehen, sei nicht einzusehen. Die Industrie selbst sei weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber, von einem Personalabbau über alle Branchen hinweg geht Kapsch nicht aus.

Nachfolge lässt er offen

Zu seiner Nachfolge - der Industrielle steht seit acht Jahren an der Spitze der Industriellenvereinigung und übergibt heuer im Sommer das Zepter - gab sich Kapsch bedeckt. Ob er eine Frau präferieren würde, ließ es offen. Zu den möglichen großen Bauprojekten der nahen Zukunft - dem Lobautunnel sowie die 3. Piste am Flughafen Wien Schwechat - steht Kapsch weiterhin. Er geht davon aus, dass gebaut wird - auch wenn die Grünen in der Vergangenheit immer dagegen waren.

Zu den Parteispenden von Industriellen hielt Kapsch, der selbst an der Spitze des traditionsreichen Wiener Technologieunternehmens Kapsch steht, fest, dass die IV nichts spende. Grundsätzlich seien Spenden aber nichts schlechtes, Kleinparteien wir die NEOS hätten es ohne diese Zuwendungen sehr schwer gehabt.

Rückblickend meinte Kapsch heute im ORF, dass der IV vieles gelungen sei, etwa in den Bereichen Steuersenkung und Arbeitszeitflexibilisierung. Nicht gelungen seien ausreichende Reformen bei Pensionen, Gesundheit und Föderalismus.

Kommentare (88)

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mapem
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Uuuuups, Herr Kapsch, da haben´s mal wieder einiges vergessen …

in Österreich liegt der Anteil der Vermögenssteuer bei lächerlichen 1,3% (DAS meinens wahrscheinlich mit „lächerlich machen“ – oder?) – im Vergleich dazu: die Britten zahlen zehn mal so viel (13%) – die Amis 11% - die Schweizer 7% - und die Deutschen doppelt so viel wie die Zaster-Ösis.

So – Herr Kapsch – und jetzt erkären Sie mir mal was: Wenn man die Lohnsteuer/Lohnnebenkosten für die Unternehmen reduzieren möchte – und dann davon schwafelt, dass sich das nicht negativ auf den Sozialstaat auswirken wird … WIE soll das ohne Gegenfinanzierung durch vermögensbezogene Steuern funktionieren?! … Und dann redens auch noch von der Reduzierung des Spitzensteuersatzes für die, die´s wirklich fett haben und veräppeln die Leute mit so Ansagen, dass das „nicht ins Gewicht“ falle …

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Kunierer
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Vielleicht könnte man ein Spendenkonto

für den Herrn Kapsch einrichten, er hat es scheinbar bei dieser Steuerlast nötig,

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ChihuahuaWelpe56
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Da sind wir a bissi irgendwo ang‘rennt, Herr Kapsch!

Ich helfe ihnen, die 55% der Menschen, die am Monatsende ein sehr hohes Minus am Konto haben (Bei Ö1 waren es sogar 90% die ein Minus am Konto haben!!!!), für sie um: wenn wir lt Aussage von einigen Reichen oder deren Beschützer nichts mehr konsumieren würden, dann gäbe das eine KAUFKRAFTVERLUST von 55% von der Monatsmitte bis zum Monatsende. Das sind einige Milliarden!!! Dh Herr Kapsch, durch ihre Aussage, den Spitzensteuersatz zu reduzieren, machen sie die Bevölkerung noch ärmer und damit ZERSTÖREN SIE DIE WIRTSCHAFT!!! Das EINZIGE PROBATE Hilfsmittel ist eine UMVERTEILUNG von reich nach Arm (inkl der Mittelschicht)!!! inkl der Abschaffung der steuerbegünstigten Privat- und Familienstiftungen!

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5eb7da484beaee2a044a78a3cf8d3a1e
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Wenn 55% lächerlich sind - dann wären doch

vielleicht 70% besser?
Damit wären wir in Europa ungeschlagen an erster Stelle - und das wäre gut so!
Hätten wir dann die Aufmerksamkeit der Ausbeuter, Herr Kapsch?

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hermyne
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Na gut,

dann blamieren wir uns halt. 55 % ist noch viel zu wenig, so schaut's aus, Herr Kapsch! Ob's Ihnen schmeckt, oder auch nicht!

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gerhardkitzer
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Diesen Herrn sollte man öfter interviewen

Vielleicht würde die Bevölkerung dann aufwachen und bemerken welchen Typen sich unser Herr Bundeskanzler so sehr verbunden und verpflichtet fühlt.

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Nebelspalter
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Zu..

100% haben sie recht, doch in der Wahlzelle wird das Gehirn offline geschaltet und Sprechblasenerzeuger gewählt!

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TrailandError
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Traurig

Das es Leute gibt die mehr als 1Million bekommen , verdienen kann das kein Mensch ! Ich sage:“Min mit 55% besteuern“!!!! Kapsch fährt ein Ablenkungsmanöver !

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fortus01
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lieber Herr Kapsch,

schlagen Sie mal kurz bei den Veröffentlichungen der OECD nach, Österreich ist beim Steueraufkommen aus der Vermögensbesteuerung Schlusslicht, Tendenz sinkend.
Und immer noch zahlt jemand für Gewinne aus Kapitalgesellschaften oder Aktien 25% (bzw. 27,5%) Kest, und für erarbeitete Gewinne bis zu 50%

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Trieblhe
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Wäre natürlich

schön, ist aber nicht richtig, da zuerst ja die KÖST (25%) bezahlt wird und dann auf den Ausschüttungsbetrag noch einmal 27,5 % KEST bezahlt werden muss. (Gesamtsteuerquote somit 45,62%).

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fortus01
1
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und wie schaut's

mit den Erträgen aus Aktien aus?

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UHBP
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Kapsch: "Es ist international ein bisschen eine Blamage, wir machen uns damit lächerlich"

Vor wem machen wir und den lächerlich Herr Kapsch.
Voe den Millionären? Vor den Menschen sicher nicht.
Dafür lachen uns andere aus, dass wir superhohe Steuern auf Arbeit und fast keine auf Vermögen haben.

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SoundofThunder
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Wenn es um seine Millionäre geht springt er.

Sein Untergebener wird brav bei Fuß stehen wenn er pfeift.

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FerdinandBerger
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Kapsch hat recht,

das ist reines wirtschaftspolitisches Kalkül, um Neiddebatten der Gewerkschaften und der Sozn abzufedern. Ob die Superreichen jetzt 49, 50, 55, Prozent abtreten ist Ihnen wurscht. Die haben die Kontakte, die Tricks und Berater, die das alles für sie auf anderem Wege gewinnbringend lösen.

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SoundofThunder
3
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Und um diese Steuerfluchtrouten zu schließen...

...fehlt der Politik der Mut.

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7bc46fa4b03e1896f238a22254b1ef05
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Wie schön wäre es,

wenn AN- und AG-Seite endlich die Wertschätzung für das Gegenüber aussprechen würden. Zum Glück läuft es in einem modernen Unternehmen bereits im Sinne eines Miteinanders. Leider verstehen die Vertreter auf beiden Seiten diese Entwicklung noch nicht gänzlich. Wichtig wäre eine Senkung der Lohnnebenkosten, den diese Diskrepanz zwischen Kosten und Einkommen versteht niemand mehr.

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Musicjunkie
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Wer schützt uns vor solch abgehobenen, realitätsfremden Typen.

--

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X22
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Und jetzt sage einer, Kurz handle nicht im Sinne der IV

"Rückblickend meinte Kapsch heute im ORF, dass der IV vieles gelungen sei, etwa in den Bereichen Steuersenkung und Arbeitszeitflexibilisierung. Nicht gelungen seien ausreichende Reformen bei Pensionen, Gesundheit und Föderalismus."

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Balrog206
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Xx

Suchst du Personal ! Mache jede Arbeit 😉 welcome to Paradies

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X22
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Wunder geschehen

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schteirischprovessa
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Tatsache ist jedenfalls, dass der Spitzensteuersatz in Österreich von allen EU Ländern der höchste ist.

Auch der Körperschaftsteuersatz von 25% gehört zu den höchsten in Europa.
Dass alle anderen Länder irren und die überhöhte Steuerquote in Österreich die einzige Wahrheit ist, will ich so nicht unterschreiben.
Eher glaube ich, dass die Steuerquote in Österreich für alle Gruppen, angefangen bei unselbstständig Erwerbstätigen bis hin zu den Unternehmen zu hoch ist.
Das Florianiprinzip der Gewerkschaft, die Steuern des eigenen Klientels zu senken und für alle anderen zu erhöhen, eignet sich denke ich nicht für eine erfolgversprechende Arbeitsmarktpolitik.

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Gedankenspiele
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@schteirischprovessa

Ihr Vorwurf an die Gewerkschaft mag nicht ganz unrichtig sein.
Allerdings haben wir mit der ÖVP gerade eine Regierungspartei an der Arbeit, die genauso Politik für ihre Klientel (Wohlhabende, Industrielle, Bauern, Imobilienbesitzende usw.) betreibt.

Sebastian Kurz sehe ich leider überhaupt nicht als Bundeskanzler für ALLE Österreicherinnen und Österreicher.

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jg4186
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Lebensqualität

Wir haben auch die höchste Lebensqualität! Das merkt jeder, der einmal im Ausland gelebt hat. Das Gesamtpaket Österreich ist schon sehr gut - das muss irgendwie finanziert werden. Und das möglichst gerecht.

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X22
9
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Welche wirtschaftlich starken Länder in der EU haben einen niedrigeren

wollens uns mit Ungarn, Rumänien usw. vergleichen

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schteirischprovessa
8
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Alle, was den Höchststeuersatz bei der Einkommensteuer betrifft!

Frag Dr. Google, der weiß (fast) alles!

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Hildegard11
18
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Den Managern kann es...

...für sie selbst nie genug sein, für ihre Arbeiter kann es nie zu wenig sein. Schämt euch!!

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