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SolarstromPhotovoltaik-Anlagen auf Mehrparteienhäusern kommen voran

Die Erzeugung von Solarstrom auf den Dächern von Mehrparteienhäusern kommt langsam in Schwung.

Photovoltaik
Photovoltaik-Anlagen auf Mehrparteienhäusern kommen voran © EPA
 

Die Erzeugung von Solarstrom auf den Dächern von Mehrparteienhäusern kommt langsam in Schwung. Ein Boom dürfte sich aber noch nicht abzeichnen. Experten und Branchenvertreter sehen noch einige Hürden für einen stärkeren Ausbau etwa im Mietrecht.

"Es ist nicht die Dynamik, die man aufgrund der ersten Reaktionen aus der Branche erwarten durfte", sagte Harald Proidl, Ökostromabteilungsleiter in der Energieregulierungsbehörde E-Control, zur APA. Hemmschuh sei aber nicht das Energierecht, sondern das Mietrecht und das Eigentumsrecht. Tendenziell würden solche Gemeinschaftsanlagen vor allem auf Neubauen errichtet.

Nicht alle müssen mitmachen

Als Anbieter treten neben den klassischen Energieversorgern unter anderem auch Elektro- und Photovoltaik-Unternehmen auf. Die Teilnahme ist sowohl bei Eigentümern als auch bei Mietern freiwillig, es müssen auch nicht alle Bewohner eines Hauses mittun. Voraussetzung ist ein digitaler Stromzähler ("Smart Meter"), für die genaue Zuordnung sind viertelstündliche Auslesungen nötig.

Seit 2017 kann der Strom aus der eigenen Photovoltaik-Anlage von den Bewohnern selbst verbraucht und auch verkauft werden. Zuvor war seine Verwendung nur für gemeinschaftliche Anlagen wie etwa für das Licht im Stiegenhaus oder den Aufzug möglich.

Mehrparteienhäuser

Große Teile des Ausbaus der Photovoltaik (PV) in Österreich werden in Privathaushalten stattfinden, so Barbara Schmidt, Generalsekretärin des E-Wirtschaftsverbandes Oesterreichs Energie. Bei Anlagen auf Mehrparteienhäusern sieht sie ebenfalls hinsichtlich der Rahmenbedingungen weiteren Verbesserungsbedarf, damit diese Modelle nicht nur im Neubau angewendet werden. So bräuchte man dringend Erleichterungen im Wohn- und Mietrecht. Derzeit sei etwa für die Errichtung einer gemeinsamen PV-Anlage die Zustimmung aller Wohnungseigentümer notwendig. Im Mietrecht gebe es keinen Rechtsanspruch seitens der Mieter auf die Errichtung einer solchen Anlage auf eigene Kosten. Die Klima- und Energieziele könnten nur durch einen massiven PV-Ausbau erreicht werden. "Dafür müssen wir unsere Dächer nützen - auch auf Mehrparteienhäusern - aber wir werden auch Freiflächen brauchen", so Schmidt in einem Statement zur APA.

Die Stromerzeugung auf Dächern von Mehrparteienhäusern läuft laut Zahlen im Ökostrombericht der E-Control von Anfang 2019 vor allem in Oberösterreich, Wien, Salzburg, der Steiermark und Vorarlberg relativ gut an. Insgesamt waren demnach rund 60 Anlagen in Betrieb, rund 190 in Umsetzung und Transformation.

Die Wien Energie treibt den Photovoltaik-Ausbau voran, ein besonderer Fokus liegt auf der Weiterentwicklung des Modells Photovoltaik im Mehrfamilienhaus. Die erste Gemeinschaftsanlage wurde im Herbst 2018 in Betrieb genommen. Neun Projekte sind in der konkreten Umsetzung, davon fünf im Neubau, hieß es aus der Wien Energie zur APA. Sechs Anlagen werden im ersten Halbjahr 2020 in Betrieb gehen. Umgesetzt werden sie mit unterschiedlichen Bauträgern bzw. Genossenschaften. Die Beteiligung der Bewohner liege zwischen 40 und 75 Prozent. Bis heuer im Dezember hätten sich mehr als 530 Haushalte für den Bezug von Sonnenstrom vom eigenen Dach entschieden. Jeder Haushalt könne mit dem elektrisch erzeugten Strom rund 30 Prozent seines Jahresverbrauchs mit dem lokal erzeugten Strom decken. Laut Statistik Austria gibt es in Wien rund 68.000 Mehrparteienhäuser. Davon sind aus Sicht der Wien Energie rund 10 Prozent bzw. 6.800 Gebäude grundsätzlich für Gemeinschaftsanlagen geeignet. Besonders anbieten würden sich zudem zukünftige Neubauten.

Die Energie AG Oberösterreich (EAG) sieht für Solarkraftwerke in Mehrparteienhäusern angesichts der seit Jahren höchsten Wohnbaurate Potenzial im Neubau, allerdings stark förderabhängig. In Oberösterreich werden pro Jahr rund 500 neue Wohngebäude mit drei oder mehr Wohnungen errichtet, 2018 waren es 528. Bei der EAG-Tochter Netz OÖ sind aktuell 285 Projekte gemeldet, 144 umgesetzt und 48 Anlagen bereits vollständig als Gemeinschaftserzeugungsanlagen erfasst. Die Energie AG selbst hat bisher eine Anlage errichtet, die von den Kunden betrieben und verwaltet wird. 2020 ist eine Pilotanlage in der Wohnungswirtschaft geplant und darauf aufbauend weitere ein bis zwei Anlagen.

Die Salzburg AG hat als Betreiber aktuell elf Gemeinschaftsanlagen in Betrieb, fünf Projekte mit einem geplanten Start 2020 sind in Umsetzung und zehn weitere Projekte in Planung. Die neuen Möglichkeiten würden zunehmend bekannter und damit steige die Nachfrage. Die Salzburg AG geht von einer Verdopplung im Jahr 2020 aus. Im Neubau betrage das Potenzial mehr als 150 geeignete Objekte pro Jahr, die bereits mit Photovoltaikanlagen errichtet werden.

In Niederösterreich ist im Netz-Gebiet der EVN-Tochter Netz Niederösterreich ein erstes halbes Dutzend Gemeinschaftsanlagen auf Mehrparteienhäusern realisiert. Die EVN rechnet aber damit, dass künftig viele solche Anlagen kommen werden. Der Erfolg werde aber auch vom Engagement der Bürger, Förderungen und rechtlichen Rahmenbedingungen abhängen.

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wopa
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Pflanz für Private

Warum wird es Privaten so schwer genacht, entsprechende Anlagen zu betreiben.
Alle Kosten des Netzes und des Zählers stehen nicht erwähnenswerten Erlöse beim Einspeisen ins Netz gegenüber.
So wird man nicht viel ÖKOSTROM aus kleinstanlagen erzielen.
Es lebe die Energiewirtschaft.

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